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Schiffe des Altertums.
In einem im Jahre 1895 veröffentlichten Aufsatz über attische Trieren hat
R. Haack nach dem Relief der Akropolis, sowie anderen Bildwerken und den von Roß
im Piräus aufgefundenen Seeurkunden die Rekonstruktion einer Triers durchgeführt,
welche der Wirklichkeit den schriftlichen Überlieferungen gemäß sehr nahe kommen dürfte
(Abb. 589).
Mit dem Aufschwung Alexandriens nach dem Tode Alexanders des Großen und mit
der Entwickelung der mathematischen und mechanischen Wissenschaften durch die Gelehrten
dieser Stadt scheint auch der Schiffbau einen weiteren Aufschwung erhalten zu haben, so
daß unter den Ptolemäern Ägypten die erste Seemacht der Welt wurde. Sie erbauten
Kriegsschiffe von bedeutenden Äbmessungen und rüsteten dieselben zum großen Teil mit
Maschinen zum Schleudern von Steinen aus. Aus jener Zeit stammt auch das gewaltige
Lastschiff „Alexandria", welches Hiero II. von Syrakus erbauen ließ und seinem Bundes-
590. Wikingerschiff, gefunden Im Sandefjord, jetzt im ethnologischen Mufeum zu Christiania.
genossen Ptolemäus zum Geschenk machte. Dieses Schiff soll nach den Anleitungen des
Mathematikers Archimedes erbaut worden sein, welcher durch das von ihm aufgestellte
hydrostatische Grundgesetz die Grundlage für die Lehre vom Auftrieb und dem Gleich
gewicht der schwimmenden Körper gegeben hat und so als der erste Gelehrte bezeichnet
werden muß, der auf die Theorie des Schiffes fördernd eingewirkt hat. Trotz dieses
Aufschwungs der Schiffbankunst bleibt dieselbe lange Zeit an den Küsten des Mittel
meeres, im besonderen nach der Zerstörung Karthagos, auf derselben Stufe stehen und
hat sogar durch die Römer einen Rückgang zu verzeichnen, welcher viele Jahrhunderte
andauerte.
Ganz unabhängig von den Völkern des mittelländischen Meeres hatte sich im hohen
europäischen Norden der Schiffbau und die Schiffahrt insbesondere von den Skandina
viern, den Nordmannen, entwickelt. Die ersten Nachrichten über die kühnen Seefahrten
der Wikinger, deren Beschäftigung in Seeräuberei und abenteuerlichen Streifzügen bestanden,
stammen aus dem Ende des achten Jahrhunderts. Über Form, Größe und Bau
weise der Wikingerschiffe geben wertvolle Funde im Moor von Schleswig sowie im
Sandefjord Norwegens eingehenden Aufschluß. Das am Meeresufer des Sandefjord
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