Eisen- und Stahlschiffbau: Vorder- und Hintersteven.
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der Böcke leicht Wellenbrüche entstehen können, anderenteils durch die Vibrationen der
Schrauben die Befestigung der Schraubenböcke am Schiffskörper sich lockern kann. Der Zu
sammenbruch der Steuerbordmaschine des Schnelldampfers derJnman-Linie,„City ofParis"
wird auf ein Versacken und darauf folgenden Bruch der Welle zurückgeführt. Die Schrauben
böcke werden meist aus Stahlguß gefertigt. Der untere Arm wird mit dem entsprechend nach
vorn verlängerten und mit horizontalen Rippen versehenen Kielstück des Hinterstevens ver
schraubt, während der obere Arm mittels Flansch oder durch Winkelstücke an der Außenhaut
befestigt wird. Die Naben der Schraubenböcke erhalten eine mit Pockholzfütterung versehene
metallene Buchse zur Lagerung der Schraubenwelle. Bei den neueren transatlantischen
Dampfern werden die Schrauben mit ihren Wellen so nahe am Schiffsrumpf gelagert, daß
die Außenhautbeplattung um das Wellenrohr und die Wellenböcke herumgeführt werden
kann, so daß die ganze Welle innenbords zu liegen kommt. Die Kreisflächen der Schrauben
flügel überschneiden sich dann, und der Schiffs
rumpf erhält zu diesem Zweck eine entsprechende
Öffnung ähnlich dem Schraubenrahmen der
Einschraubenschiffe, deren Umrahmung mit
dem Hintersteven aus einem Stück besteht.
Der Hintersteven sowie der Rahmen für das
Ruder werden allgemein aus Stahlguß ge
fertigt wegen der komplizierten Form derselben
und bei größeren Steven aus mehreren Teilen
zusammengebaut. Man ist dabei zu ganz ge
waltigen Gewichten gestiegen. So wiegt z. B.
der gußstählerne Hintersteven nebst Schrauben
böcken des Riesendampfers „Oceanic" 120 t,
während das Ruder mit Ruderblatt ein Ge
wicht von 47 t aufweist.
Der Vorsteven bildet auf den Schiffen
der Handelsmarine ein einfacheres Schmiede
stück, welches meist aus Flacheisen gebogen
bezw. geschweißt und mit dem Balkenkiel oder
der Mittelkielplatte durch Laschung verbunden
wird. Für Kriegsschiffe, bei denen der Vor-^
sieben wegen des Rammsporns eine besondere '
B-d.».-»« b.W und w.„» der Sponung .
für den Panzergürtel eine unregelmäßige Form nabe, a Kielliiick, e Nuderspindcl oder Herr, f Ruder-
erhalten muß, verwendet man als Material raimcn ' e ^^k"Schr-ubenöffnung°"' 1 * in0etllU8e '
vorzugsweise Stahlfa^onguß.
Die Bestimmung der Materialstärken der einzelnen Verbandteile der Handelsschiffe
sowohl im Holzschiffbau als auch im Eisen- und Stahlschiffbau erfolgt im allgemeinen
nach bestimmten Regeln und Tabellen, welche von den Schiffsklassisikations-Gesellschaften
- Englischer Lloyd, Germanischer Lloyd und Bureau Veritas — nach praktischen Er
fahrungen und theoretischen Untersuchungen aufgestellt sind. Die Abmessungen der Quer
verbände werden hiernach von der Breite und Tiefe des Schiffes bezw. dem Umfang des
Hanptspants, diejenigen der Längsverbände jedoch von der so erhaltenen Quernummer
mal Schiffslänge abgeleitet. Da jedoch die Zahl der Handelsschiffs-Typen infolge der
verschiedenen Vermessuugs- und Freibordbestimmungen eine sehr große ist, so sind die
Vorschriften diesen entsprechend modifiziert. Es handelt sich hierbei in der Hauptsache
um die Anordnung, Höhenlage über Wasser und Materialstärke der oberen Decks und
der Decksaufbanten.
Man unterscheidet zunächst Schiffe mit glattem Deck, mit Quarterdeck und mit
Poopdeck oder Kampagne, und diese Schiffstypen können in Verbindung mit einem Brücken
deck und einer Back die verschiedensten Formen annehmen. Haben die Glattdeckschiffe ein
bezw. zwei vollständige Tecks und eine Lage Raumbalken oder zwei bezw. drei vollständige
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