760 Posten und Postwesen.
Damit begann eine neue Ära für das gesamte europäische Postweseu infolge der
Erschließung einer freien und weniger kostspieligen Berkehrsbeweguug, deren vorteilhafte
Folgen, wenn auch nicht in den ersten Jahren der Reform, so doch schon in der nächsten
Zeit, den Posten selbst wieder zu gute kamen. Mit dem Jnslebentreten der Portoreform
(am 10. Januar 1840) fand eine ganze Reihe von Verkehrserleichterungen statt, deren
großartige Ergebnisse allseitig bekannt sind. Um den Betrieb zu vereinfachen, wurden
zur Entrichtung der Gebühren Briefmarken und gestempelte Briefumschläge ein
geführt. Gleichzeitig trat eine sehr erhebliche Beschränkung der Portofreiheiten ein, die
eine außerordentliche Ausdehnung gewonnen hatten.
Dem englischen Pennyportosystem sind die einschlagenden Einrichtungen der übrigen
Knltnrstaaten Europas mehr oder minder nachgebildet. Der Bann war gelöst. Der Hill-
schen Postreform ist nament
lich von Fachmännern der
Vorwurf gemacht worden,
daß sie zu radikal gewesen
und bei Einführung der
selben der finanziellen Seite
der Maßregel nicht die ge
bührende Beachtung geschenkt
worden sei. Wenn auch nicht
zu leugnen ist, daß die Ein
nahmen in den ersten Jahren
nach der Reform hinter den
Erwartungen weit zurück
blieben , so müssen doch
anderseits die großen volks
wirtschaftlichen Vorteile in
Betracht gezogen werden,
welche durch die Erleichte
rung und Förderung des
Verkehrs geschaffen wurden.
Nach dieser wichtigsten Seite
hin ist die Reform von dem
glänzendsten Erfolge begleitet
gewesen. In Zahlen aus
gedrückt, lassen sich die ge-
ivonnenen Resultate der eng
lischen Postreform kurz so
zusammenfassen: Gegen
1839, das letzte Jahr unter
der alten Einrichtung, hatte sich 1870 in Großbritannien die Zahl der beförderten Briefe
von 82 Millionen ans 862 Millionen, die Bruttoeinnahme von 2 390 763 Pfund Sterling
ans 4 993 475 Pfund Sterling gehoben. Im Jahre 1898 wurden in England sogar
2186 Millionen Briefe, 382 Millionen Postkarten, 855 Millionen Drucksachen, Waren
probensendungen und Zeitungen, im ganzen 3496 Millionen Postsendungen bestellt. I»
diesen Zahlen ist der Verkehr der englischen Kolonien nicht mit inbegriffen. Von
100 Briefen, welche in England eingehen, rühren 24 aus den Vereinigten Staaten von
Amerika, 21 ans Frankreich, 14 aus Deutschland her. Auf diese drei Staaten entfällt
sonach mehr als die Hälfte des Briefverkehrs nach England von dem Auslande. Englands
große Kolonialgebiete von Indien und Kanada nehmen an dem Verkehr nach dem Mutter-
lande nur mit je vier Briefsendungen unter 100 teil. Der Postverkehr zwischen England
und seinen Kolonien ist trotz der großen Zahl und Ausdehnung der letzteren also ver
hältnismäßig gering.
776. Kir Rowland AiU.