Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Das  Londoner  Hauptpostamt.

In  dem  Zeituiigszimmer  sind  Personen  damit  beschäftigt  gewesen,  die  hineingeworfenen
Säcke  zn  leeren,  die  einzelnen  Zeitungen  in  große  Körbe  zusammen  zu  legen  und  sie  auf
Hebewerken  in  die  verschiedenen  Abteilungen  des  Gebäudes  zn  schaffen.
Man  kann  sich  von  diesen  natürlich  durch  Dampf  in  Bewegung  gesetzten,  mechanischen
Vorrichtungen  einen  ungefähren  Begriff  ans  dem  Umstande  machen,  daß  Hunderte  von
Tonnen  Papier  wöchentlich  auf  diese  Weise  gehoben  und  wieder  heruntergelassen  werden.
In  dem  Briefzimmer  geht  es  nicht  minder  geschäftig  her.  Hier  werden  erst  die
einzelnen  Briefe  mit  der  Adresse  nach  oben  geordnet,  um  den  Prozeß  des  Abstempelns  zn
erleichtern.  Dies  geschieht  teils  mit  einer  Maschine,  teils  mit  der  Hand,  und  besteht
darin,  daß  ans  jeden  Brief  Datum,  Stunde  und  Ort  der  Aufgabe  gedruckt  und  zugleich
die  aufgeklebte  Freimarke  durch  Abstempeln  unbrauchbar  gemacht  wird.  Etwa  50  Briefe

778.  Geiierarpoliamt  zn  London.

werden  in  einer  Minute  gestempelt.  Unfrankierte  Briefe  werden  dabei  ausgeschieden  und
besonders  behandelt:  das  doppelte  Porto  aber,  das  sie  kosten,  wiegt  kaum  die  Mühe  und
die  Umstände  auf,  indem  jeder  Postbeamte,  durch  dessen  Hand  sie  gehen,  bar  darüber  abzurechnen ­
  hat.
Wenn  die  Briefe  abgestempelt  und  die  ungenügend  frankierten  ausgesucht  sind,  gelangen ­
  sie  an  die  Sortierstelle.  Hier  werden  sie  zunächst  nach  Kursen,  an  denen  die  Bestimmungsorte ­
  liegen,  geordnet,  dann  noch  mehrmals  in  Unterabteilungen  geschieden  und,
mit  Ausnahme  derjenigen  Briefschaften,  welche  später  in  den  Bahnpostwagen  sortiert
werden,  zur  Verteilung  fertig  gemacht.  Ruhig  und  ohne  Wirrwarr  sind  Hunderte  von
Händen  mit  dem  Sondern  beschäftigt;  hin  und  wieder  setzt  ein  Einzelner  einmal  ab  und
legt  einen  Brief  beiseite,  wenn  er  Geld  darin  entdeckt  hat,  ohne  daß  der  Absender  den
Brief  hat  einschreiben  lassen.  Es  wird  dann  ein  Strafporto  von  2  d.  dafür  berechnet,
und  im  ersten  Halbjahr  nach  Einführung  der  neuen  Verordnung  wurden  allein  in  London
mehr  als  58000  Briefe  von  diesem  Schicksal  betroffen.  Auch  alle  Briese  mit  unleserlichen ­
  oder  mangelhaften  Adressen  werden  ausgemustert  und  in  eine  Stube  gebracht,
welche  den  Namen  „Blind  Letter-Office“  führt.  Zahllos  sind  die  Briefe,  deren  Adresse
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