Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

776 
Posten und Postwesen. 
Posten in Afrika und Asien. Die Post hat sich ihren zioilisatorischen Weg nicht 
bloß über den Splügen und über den Brenner gebahnt, nicht nur der Ural und die 
Steppen Sibiriens werden vom Postwagen durcheilt; auch die Wüsten Afrikas und der 
Mongolei haben sich aus die Dauer nicht dem Boten des Gedankens verschließen können. 
Ägypten hat seine Wüstenpost und von Constantine und Algier führt nach den Oasen der 
Sahara die Messagerie der Sahara. Auf dem jammervollen Wege von Stora nach 
Tuggurt z. B., welcher den prunkvollen Namen der „Kaiserstraße" führte, verkehrt jeden 
fünften Tag ein mit vier arabischen Rossen bespannter Wagen, auf dessen Bock ein Beduine 
als Postillon thront. Über Flußrinnen, Steine und Blöcke, durch den fahlen Wüstensand 
eilt hier die kulturvermittelnde Post nach einer Oase, wo wenige Kolonisten angesiedelt 
und französische Truppen gegen die aufständischen Kabylen stationiert sind. 
Im schwarzen Erdteil sind in postalischer Beziehung außer Algerien, das zum 
französischen Postgebiete gehört, nur Ägypten, die britische Kolonie Kapland und die süd 
afrikanische Republik von einiger Bedeutung. In Ägypten gab es schon im Altertum 
und auch im Mittelalter wohlorgauisierte Anstalten (darunter auch Taubenposten), welche 
von den Beherrschern des Landes errichtet waren, um schnell Nachrichten nach den wich 
tigsten Punkten des Reiches gelangen zu lassen oder von da zu empfangen. Diese Ver 
anstaltungen hatten jedoch keinen dauernden Bestand. Die jetzige ägyptische Post ist erst 
1865 als Staatsanstalt eingerichtet worden. Sie hat aber in der kurzen Zeit ihres Be 
stehens sich ziemlich schnell entwickelt. Im Jahre 1898 bestanden bereits 822 Post 
anstalten mit 1330 Beamten. Die Zahl der beförderten Briefsendungen belief sich auf 
beinahe 28 Millionen, die der Pakete auf 378000, Postanweisungen kamen 494000 Stück 
zur Versendung. Die Gesamteinnahme betrug 122867 ägyptische Pfund, die Ausgabe 
99 690 ägyptische Pfund. Zu den Laudbefördernngen werden teils Kamele, teils Läufer 
verwendet; den Dienst auf den Binnengewässern versehen der Postverwaltung gehörige 
Dampfschiffe, welche auch zur Personenbeförderung dienen. 
Die Kapkolonie hat trotz ihrer geringen Einwohnerzahl.(etwas über 1 1 / 2 Millionen) 
einen recht lebhaften Postverkehr. Im Jahre 1897 waren dort 965 Postanstalten und 1139 
Briefkasten vorhanden. Die Einnahmen betrugen 349 000 Pfund Sterling, die Ausgaben 
316000 Pfund Sterling. In demselben Jahre gelangten 32 Millionen Briese, 
740000 Postkarten, 21500000 Drucksachen, Zeitungen und Warenproben zur Ver 
sendung. Postanweisungen wurden 432000 Stück befördert. Unter den nach dem Aus 
lande gerichteten Sendungen befanden sich 286000 Einschreibebriefe. Der Inhalt der 
letzteren besteht häufig aus Diamanten, Gold oder Straußenfedern, ist also meistens sehr- 
wertvoll. 
In der südafrikanischen Republik wurden durch die Posten im Jahre 1895 
etwa 9'/, Millionen Gegenstände befördert; die Zahl der abgegangenen Postanweisungen 
belief sich auf 129 364 Stück. Postanstalten gab es 186. 
Von den deutschen Kolonien in Afrika ist Deutsch-Ostafrika die bedeutendste. 
Der Postdienst wurde im Jahre 1898 dort von 20 Postanstalten versehen, von denen 
die wichtigeren mit Fachbeamten besetzt sind, während die anderen von Gonvernements- 
beamten mit verwaltet werden. Die Postverbindung mit dem Heimatlande wird vorzugs 
weise durch Reichs-Postdampfer unterhalten, welche alle 14 Tage zwischen Hamburg und 
der Kolonie verkehren. Den Posttransport im Inneren des Landes besorgen Postboten. 
1898 wurden versandt: 400000 Briefe, 5378 Pakeie, 15600 Postanweisungen über 
2 700000 Mark. Tie übrigen deutsch-afrikanischen Kolonien haben einen noch geringeren 
Postverkehr. 
Wenden wir uns aus dem Wüstenmeer nach dem „Lande der Gräser", nach Jnner- 
asien, wo der Mongole seine Filzjurte aufschlägt und lange Karawanenzüge von Peking, 
der Hauptstadt des himmlischen Reiches, nach Kiachta an der sibirischen Grenze ziehen. 
Hier findet seit dem Jahre 1865 viermal monatlich eine direkte Postverbindung statt, und 
cs kostet ein einfacher Brief 30 Kopeken Porto. Russische oder chinesische Kuriere, meist 
mongolische Lamas (Geistliche), besorgen den Dienst. Mit unterlegten Pferden machen sie
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.