Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Posten  und  Postwesen.

Posten  in  Afrika  und  Asien.  Die  Post  hat  sich  ihren  zioilisatorischen  Weg  nicht
bloß  über  den  Splügen  und  über  den  Brenner  gebahnt,  nicht  nur  der  Ural  und  die
Steppen  Sibiriens  werden  vom  Postwagen  durcheilt;  auch  die  Wüsten  Afrikas  und  der
Mongolei  haben  sich  aus  die  Dauer  nicht  dem  Boten  des  Gedankens  verschließen  können.
Ägypten  hat  seine  Wüstenpost  und  von  Constantine  und  Algier  führt  nach  den  Oasen  der
Sahara  die  Messagerie  der  Sahara.  Auf  dem  jammervollen  Wege  von  Stora  nach
Tuggurt  z.  B.,  welcher  den  prunkvollen  Namen  der  „Kaiserstraße"  führte,  verkehrt  jeden
fünften  Tag  ein  mit  vier  arabischen  Rossen  bespannter  Wagen,  auf  dessen  Bock  ein  Beduine
als  Postillon  thront.  Über  Flußrinnen,  Steine  und  Blöcke,  durch  den  fahlen  Wüstensand
eilt  hier  die  kulturvermittelnde  Post  nach  einer  Oase,  wo  wenige  Kolonisten  angesiedelt
und  französische  Truppen  gegen  die  aufständischen  Kabylen  stationiert  sind.
Im  schwarzen  Erdteil  sind  in  postalischer  Beziehung  außer  Algerien,  das  zum
französischen  Postgebiete  gehört,  nur  Ägypten,  die  britische  Kolonie  Kapland  und  die  südafrikanische ­
  Republik  von  einiger  Bedeutung.  In  Ägypten  gab  es  schon  im  Altertum
und  auch  im  Mittelalter  wohlorgauisierte  Anstalten  (darunter  auch  Taubenposten),  welche
von  den  Beherrschern  des  Landes  errichtet  waren,  um  schnell  Nachrichten  nach  den  wichtigsten ­
  Punkten  des  Reiches  gelangen  zu  lassen  oder  von  da  zu  empfangen.  Diese  Veranstaltungen ­
  hatten  jedoch  keinen  dauernden  Bestand.  Die  jetzige  ägyptische  Post  ist  erst
1865  als  Staatsanstalt  eingerichtet  worden.  Sie  hat  aber  in  der  kurzen  Zeit  ihres  Bestehens ­
  sich  ziemlich  schnell  entwickelt.  Im  Jahre  1898  bestanden  bereits  822  Postanstalten ­
  mit  1330  Beamten.  Die  Zahl  der  beförderten  Briefsendungen  belief  sich  auf
beinahe  28  Millionen,  die  der  Pakete  auf  378000,  Postanweisungen  kamen  494000  Stück
zur  Versendung.  Die  Gesamteinnahme  betrug  122867  ägyptische  Pfund,  die  Ausgabe
99  690  ägyptische  Pfund.  Zu  den  Laudbefördernngen  werden  teils  Kamele,  teils  Läufer
verwendet;  den  Dienst  auf  den  Binnengewässern  versehen  der  Postverwaltung  gehörige
Dampfschiffe,  welche  auch  zur  Personenbeförderung  dienen.
Die  Kapkolonie  hat  trotz  ihrer  geringen  Einwohnerzahl.(etwas  über  1 1 / 2  Millionen)
einen  recht  lebhaften  Postverkehr.  Im  Jahre  1897  waren  dort  965  Postanstalten  und  1139
Briefkasten  vorhanden.  Die  Einnahmen  betrugen  349  000  Pfund  Sterling,  die  Ausgaben
316000  Pfund  Sterling.  In  demselben  Jahre  gelangten  32  Millionen  Briese,
740000  Postkarten,  21500000  Drucksachen,  Zeitungen  und  Warenproben  zur  Versendung. ­
  Postanweisungen  wurden  432000  Stück  befördert.  Unter  den  nach  dem  Auslande ­
  gerichteten  Sendungen  befanden  sich  286000  Einschreibebriefe.  Der  Inhalt  der
letzteren  besteht  häufig  aus  Diamanten,  Gold  oder  Straußenfedern,  ist  also  meistens  sehrwertvoll.

In  der  südafrikanischen  Republik  wurden  durch  die  Posten  im  Jahre  1895
etwa  9'/,  Millionen  Gegenstände  befördert;  die  Zahl  der  abgegangenen  Postanweisungen
belief  sich  auf  129  364  Stück.  Postanstalten  gab  es  186.
Von  den  deutschen  Kolonien  in  Afrika  ist  Deutsch-Ostafrika  die  bedeutendste.
Der  Postdienst  wurde  im  Jahre  1898  dort  von  20  Postanstalten  versehen,  von  denen
die  wichtigeren  mit  Fachbeamten  besetzt  sind,  während  die  anderen  von  Gonvernementsbeamten
  mit  verwaltet  werden.  Die  Postverbindung  mit  dem  Heimatlande  wird  vorzugsweise ­
  durch  Reichs-Postdampfer  unterhalten,  welche  alle  14  Tage  zwischen  Hamburg  und
der  Kolonie  verkehren.  Den  Posttransport  im  Inneren  des  Landes  besorgen  Postboten.
1898  wurden  versandt:  400000  Briefe,  5378  Pakeie,  15600  Postanweisungen  über
2  700000  Mark.  Tie  übrigen  deutsch-afrikanischen  Kolonien  haben  einen  noch  geringeren
Postverkehr.
Wenden  wir  uns  aus  dem  Wüstenmeer  nach  dem  „Lande  der  Gräser",  nach  Jnnerasien,
  wo  der  Mongole  seine  Filzjurte  aufschlägt  und  lange  Karawanenzüge  von  Peking,
der  Hauptstadt  des  himmlischen  Reiches,  nach  Kiachta  an  der  sibirischen  Grenze  ziehen.
Hier  findet  seit  dem  Jahre  1865  viermal  monatlich  eine  direkte  Postverbindung  statt,  und
cs  kostet  ein  einfacher  Brief  30  Kopeken  Porto.  Russische  oder  chinesische  Kuriere,  meist
mongolische  Lamas  (Geistliche),  besorgen  den  Dienst.  Mit  unterlegten  Pferden  machen  sie
            
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