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Die deutsche Reichspost. 791
fernungen von da zu beziehen, wo er sie am billigsten und besten einkaufen kann. Auf
der anderen Seite erleichtert der billige Paketposttarif den Absatz der Waren für den
Verkäufer und führt zum Ausgleich erheblicher Preisunterschiede für Waren gleicher
Gattung in verschiedenen Landesteilen.
Als 1876 die Vereinigung des Reichs-Telegraphenwesens mit der Post stattfand,
wurde die „oberste Post- und Telegraphenbehörde" geschaffen und Stephan als
Chef derselben zum Generalpostmeister ernannt. 1880 erhielt die genannte Be
hörde die Benennung „Reichspostamt" und der Generalpostmeister den Titel
„Staatssekretär des Reichspostamts". In demselben Jahre begann die Neu
ordnung des Landpostdienstes, welche den Zweck verfolgte, durch Errichtung einer
798. Das neue NkichspoUamtstzebaaLe i» DrrUn.
großen Anzahl von Postanstalten in Laudorten, durch bedeutende Vermehrung
des Landbestellpersouals und der von diesem zu verrichtenden Gänge, durch Ausrüstung
von Landbriefträgern mit Fuhrwerk, sowie durch Anbringung zahlreicher Briefkasten an
verschiedenen Orten die ländliche Bevölkerung in erhöhtem Maße an den Vorteilen
postalischer Einrichtungen teilnehmen zu lassen. Diese mit großer Beharrlichkeit und
vielem Geschick durchgeführten Maßnahmen haben den schönen Erfolg gehabt, daß jetzt
jeder Landbewohner im deutschen Reichspostgebiete seine Briefe und Zeitungen mindestens
einmal täglich, an manchen Orten sogar zwei-, drei- und viermal des Tages durch die
Post zugestellt erhält. Zur Belebung des Postverkehrs mit dem Auslande trugen die
Gründung des Weltpostvereins (s. Seite 80) und die Herstellung besonderer „Reichs-
Postdampferlinien" nach Ostasien, Australien und Ostafrika erheblich bei. Die deutsche
Reichspost besteht jetzt erst wenig länger als ein Vierteljahrhundert. So kurz dieser Zeit
raum in dem Leben der Völker auch ist, so hat die Entwickelung der genannten Ver
kehrsanstalt in ihm doch so ungeheure Fortschritte gemacht, daß diejenigen früherer ganzer