Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Posten und Postwesen. 
Die Zahl sämtlicher auf der Erde erscheinenden Zeitungen beträgt über 40000, 
wovon Europa mehr als die Hälfte liefert; Asien ist mit etwa 4000 beteiligt, von denen 
die meisten in Japan erscheinen. In Afrika werden nur etwa 400 Zeitungen heraus 
gegeben, während Amerika sich einer sehr entwickelten Zeitungsindustrie erfreut. In 
Europa nimmt Deutschland in der Zeitungsproduktion die erste Stelle ein, ihm folgen 
zunächst England, dann Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn, Spanien, Rußland u. s. w. 
Von dem Postzeitungsamte in Berlin allein wurden im Jahre 1895: 785 Blätter mit 
280 Millionen Nummern und 15 Millionen außerordentlichen Beilagen in 5400000 Pa 
keten an mehr als 10000 Postanstalten regelmäßig versandt. 
Ordnet man die Zeitungen nach Sprachen, so steht die englische mit der größten 
Zahl obenan, dann folgen die deutsche, die französische, die spanische Sprache. Die vom 
Postzeitnngsamte in Berlin für 1900 herausgegebene Zeitnngspreisliste weist im ganzen 
12456 Zeitungen nach, von denen 8784 in deutscher, 1299 in englischer, 1075 in 
französischer, 224 in dänischer, 189 in schwedischer, 154 in italienischer, 139 in pol 
nischer, je 107 in holländischer und in russischer, 105 in spanischer, 87 in norwegischer, 
36 in ungarischer und die übrigen in verschiedenen anderen Sprachen gedruckt waren. 
Davon erschienen in Berlin 1001, in Leipzig 361. Unter den Tagesblättern soll jetzt 
das „Petit Journal" in Paris mit nahezu 500000 Abnehmern das verbreitetste sein; 
in Deutschland zählt der Berliner Lokalanzeiger die meisten Abonnenten, nämlich über 
220000. Die teuerste Zeitung, das „New Jork Maritime Register", kostet 497 Mark 
30 Pfennig für das Jahr. 
Versendung von Drucksachen und Mustern. Postkarten. Kartenbriefe. 
Durch Einführung eines sehr niedrigen Portos für Sendungen unter Band ist die Ver 
sendung von Drucksachen und Warenproben außerordentlich erleichtert. Alle ge 
druckten oder sonst auf mechanischem Wege hergestellten Gegenstände, wie Familien 
anzeigen, Preislisten, Geschästsanzeigen, Landkarten und Korrekturbogen, in denen selbst 
schriftliche Änderungen und Zusätze angebracht werden können, genießen in Deutschland 
sowie in den meisten anderen Ländern so ermäßigte Taxen, daß dadurch namentlich dem 
geschäfttreibenden Publikum wesentliche Vorteile geboten werden. Gleich wichtig erscheint 
auch die ermäßigte Taxe für Warenproben, wie Leinen-, Tuch- und Tapetenmuster, die 
unter Kreuzband, und Getreide-, Kaffee- oder Sämereienproben u. dgl., welche, in 
Säckchen u. s. w. verpackt, eine ähnliche Vergünstigung genießen wie Drucksachen. Eine 
sehr dankenswerte Einrichtung ist in neuerer Zeit durch die Einführung der Postkarten 
geschaffen, welche man, mit schriftlichen Eintragungen versehen, für den billigen Preis 
von 5 Pfennig durch ganz Deutschland, und für 10 Pfennig von einem Ende der Welt 
bis zum anderen versenden kann. Obgleich seit der Entstehung dieses neuen Post 
versendungsgegenstandes kaum drei Jahrzehnte verflossen sind, hat derselbe doch schon 
eine ungemein große Verbreitung gefunden, denn im Jahre 1898 sind davon in Deutsch 
land allein 697 Millionen Stück befördert worden. Erfinder der Postkarte ist der 
Staatssekretär des Reichspostamts I)r. von Stephan. Sein im Jahre 1865 gemachter 
Vorschlag, offene Karten von der Größe eines gewöhnlichen Briefumschlags, mit schrift 
lichen Eintragungen versehen, im Postverkehr zuzulassen, ging aus der Erwägung hervor, 
daß die derzeitige Briefform für eine erhebliche Anzahl von Mitteilungen nicht die ge 
nügende Einfachheit und Kürze gewähre, und daß Karten der vorbezeichneten Art diesem 
Übelstande abzuhelfen geeignet feien. Allein die Idee fand nicht sogleich Anklang. Erst 
später wurde sie von der österreichischen Postverwaltung wieder aufgenommen und am 
1. Oktober 1869 verwirklicht. Der Nutzen des neuen Verkehrsgegenstandes trat sehr 
bald hervor, und die meisten übrigen Postverwaltungeu zögerten dann auch nicht länger, 
dem von Österreich gegebenen Beispiele folgend, die Postkarte bei sich einzuführen. In 
Norddeutschland geschah dies, sobald Stephan die oberste Leitung des Postwesens des 
Norddeutschen Bundes übernommen hatte, im Jahre 1870. Ihren vollen Wert erhielt 
die neue Einrichtung aber erst dadurch, daß man das Porto für die Postkarte allgemein 
auf die Hälfte des einfachen Briefportosatzes festsetzte. In allen Schichten der Be-
	        
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