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Die heutige Ausdehnung der Welttelegraphie.
Hierin sind nur die Linien und Leitungen der Staatstelegraphen einbegriffen, nicht
aber die der zahlreichen Privattelegraphen, zumal der Eisenbahnverwaltungen; dagegen
sind die Zahlen der sämtlichen dem Verkehr eröffneten Telegraphenanstalten angegeben.
Die Angaben über die Anzahl der Telegramme hinsichtlich der Jahre 1878 — 98 be
ziehen sich nur auf die aufgegebenen, nicht auf die überhaupt verarbeiteten Telegramme.
Nach Journal Télégraphique ist der Bestand der
Telegraphenuetze der Erde.
Leitungslänge
in Kilometern
In Europa
2 841 326
„ Amerika
4 051 642
„ Asien
500 203
„ Australien
350141
„ Afrika
160 065
Überhaupt:
7 903 377
Alljährlich erweitert sich dieses gewaltige Netz, indem teils bestehende Verbindungen
vermehrt, teils neue geschaffen werden.
An keiner anderen Erfindung ist die internationale Bedeutung und das gegenseitige
Interesse für alle Völker so greifbar hervorgetreten wie bei der elektrischen Telegraphie,
die wie spielend mit Raum und Zeit ihren Weg in wenigen Jahren um die ganze Erde
.genommen hat. Keine andere Erfindung steuert aber auch so unmittelbar auf das Ziel
hin, die einzelnen Völkerwirtschasten zur Weltwirtschaft zu einigen; sie allein vermittelt
eine geistige Verbindung über Ländergebiete, die jeder anderen Art des regelmäßigen
Verkehrs bisher verschlossen waren. So ist es ein wahrer Sieg des kosmopolitischen
Geistes, welcher sich in dem rastlosen Vordringen offenbart, durch das die Blitzschrift und
ihre Benutzung zu einem Gemeingut der Menschheit geworden. Und dieser Thatsache
steht keineswegs die Erfahrung entgegen, daß die elektrische Telegraphie in gleichem
Maße wie für den friedlichen Verkehr auch für das blutige Zusammentreffen der Völker
einen unschätzbaren Wert gewonnen hat. Jedem Leser wird es bekannt sein, welche
außerordentliche Rolle der elektrische Draht bei dem großen Kampfe des wiedererstehenden
Deutschlands gespielt hat! Für den Felddienst nicht nur, in Bewegung und Leitung der
Heere, zur Beschaffung ihrer Vorräte und ihrer Verpflegung, sondern auch für die schnelle
Beruhigung und Erhebung von Millionen bang schlagender Herzen daheim hat der
Telegraph damals durch seine pünktliche Verbreitung täglicher Nachrichten die unersetz
lichsten Dienste geleistet. Daher sind seine Leistungen innig verwachsen mit der Wieder
erhebung unseres Vaterlandes, in dessen jungem, auf wirtschaftliche Verkehrsinteressen
wesentlich gegründetem Neubau dieses Weltverkehrsmittel einen schlußfesten Baustein mit
eingefügt hat.
Eine ganz neue Ara für die Benutzung und Bedeutung des Telegraphen ist in
unseren Tagen mit der Erfindung des Telephons oder Fernsprechers (von dem
Deutschen Reiß gemacht, späterhin aber von dem Amerikaner Graham Bell verbessert)
und des Mikrophons (von Hughes erfunden) angebrochen. Für den internationalen
Verkehr scheint allerdings die bisherige Form, die Telegraphie, noch auf längere Zeit
hinaus die maßgebende bleiben zu sollen, obgleich auch nach dieser Richtung der Fern
sprecher bereits bedeutsame Erfolge aufzuweisen hat. Wo es sich aber um kleinere Ent
fernungen handelt, spielt schon jetzt der Fernsprecher eine hervorragende Rolle und hat
teilweise den schreibenden Telegraphen verdrängt. Hinsichtlich der mächtigen Umgestaltungen,
weiche diese neue Erfindung bereits hervorgerufen hat, wollen wir hier nur auf die
Entwickelung des Fernsprechers als hervorragendes Verkehrsmittel in größeren Städten
und zwischen benachbarten Orten sowie darauf hinweisen, daß angestellte Versuche auch
die Verwendung des Fernsprechers im Belagerungs- und Vorpostendienst als in hohem
Grade nützlich erwiesen haben. Wir kommen am Schluffe des gegenwärtigen Kapitels
auf die Entwickelung des Fernsprechwesens noch ausführlicher zu sprechen.
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