Full text: Lebenserinnerungen

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-Realgymnasium, die Musterschule, stand an Zchülerzahl weit voran, 
von den einheimischen Frankfurtern pflegten das gpmnasium nur 
die Höhne zu besuchen, welche sich auf die Universität vorbereiteten; 
es waren das aber besonders tüchtige, geweckte und liebenswürdige 
Leute. üus ihnen sind manche hervorragende Persönlichkeiten 
hervorgegangen, welche eine Zierde des gesamten deutschen Lebens 
bilden. Ls herrschte dort ein groster wissenschaftlicher Lifer und zu 
gleich eine frische und fröhliche Stimmung. für meine Stellung 
und Tätigkeit war namentlich Mommsen als Direktor wichtig. Lr 
war ein Mann von universaler Bildung, von einer grasten päda 
gogischen Leistungsfähigkeit und einer bewunderungswürdigen 
Ürbeitskraft. Lr war nach 1848 von den Dänen aus feiner amt 
lichen Stellung in Husum vertrieben, hatte dann an zwei ver 
schiedenen Orten an Realschulen gewirkt, durfte aber Frank 
furt als den Höhepunkt seines Wirkens betrachten. Lr fand hier 
manches zu tun. Ls hatte vorher eine bequeme, za etwas laxe Qrt 
um sich gegriffen, den HchUIern waren manche Freiheiten er 
laubt, welche sich nicht mit einer strengeren Ordnung vertrugen; 
so war es unbedingt notwendig, hier eine bessere Disziplin ein 
zuführen. Über es war begreiflich, dast manche Hchüler und Litern 
das als unangenehm empfanden, und dast es anfänglich an Zu- 
sammenstösten nicht fehlte. Über mehr und mehr haben sich die 
frankfurter überzeugt, wie Tüchtiges sie an ihrem gpmnasial- 
direktor hatten. Ho wurde vor kurzem das gedächtnis des 
hervorragenden forfchers und Pädagogen einmütig und dank 
bar begangen. Ls war für das gpmnasium ein groster gewinn, 
dast ein streng-wiffenfchaftlicher geist alle Linrichtungen durchdrang. 
Dabei war Mommsen eifrig darauf bedacht, die überlieferten 
freieren frankfurter Verhältnisse möglichst zu erhalten und sie 
gegen die preustische Bureaukratie zu verteidigen. Ls gab z. B> be 
sondere Htudientage, die dem Lmzelnen eine volle Lntwicklung seiner 
Ligentümlichkeit erlaubten. Ls bestandnichtdasüblicheübiturienten- 
examen, sondern die zungen Leute konnten sich für das ganze Jahr 
selbst ein Hauptthema auswählen, über das dann vom Lehrerkolle 
gium geprüft wurde. Ülles zusammen hat dahin gewirkt, die zungen 
Hecken in vollen flust und in eine selbständige Denkweise zu bringen. 
Ls wurde dort manches geleistet, was auch heute noch beachtens 
wert ist. Die Üufstrebenden bedürfen dringend grösterer freiheit 
und individueller Lntwicklung. 
Üuch unter den Kollegen gab es bedeutende Persönlichkeiten. 
Ün geist und Rednergabe übertraf Lreizenach seine Umgebung. 
Ls gab keine Veranstaltung gehaltvoller und nationaler Ürt, 
für die man ihn nicht zum leitenden Redner auserkor. Lr hat 
namentlich das literarische Leben des gpmnasiums erheblich 
Lucken, Lebenserinnerungen, 
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