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Die Weltwirtschaft.
Weizenpreis von 83 sh 11 d für das Quarter im Durchschnitt der Jahre 1801 bis
1810 auf 31 sll 11 d im Jahre 1890 gesunken, was einem Preis von 143,s Mark für
die Tonne entspricht. Im Jahre 1895 fiel er sogar ans 108 Mark für die Tonne.
Auch in den übrigen Getreidesorten trat ein wenngleich geringer Rückgang der Preise ein,
und seit 1883 sind auch die Viehpreise erheblich gefallen. Ans den festländischen
Märkten sind die Preise im allgemeinen der Bewegung des Londoner Marktes gefolgt,
wenngleich sie um den Betrag der jeweils eingehobenen Zölle höher sind. Einen Maß
stab für die Preisbewegung in Deutschland bildet folgende Übersicht-über die Getreide
preise in Berlin. Hier betrug der Durchschnittspreis in Mark für:
Jahr
Weizen
Roggen
Gerste
Hasrr
1651—1700
74,50
53,40
54,84
52,94
1701 — 1750
84,70
62,72
52,92
52,52
1751 — 1800
125,82
101,42
108,40
96,50
1801—1850
185,80
136,00
127,20
136,60
1851 — 1880
211,00
161,40
153,60
155,20
1881 — 1890
176,20
146,00
152,80
144,40
1891
224,21
211,23
153,8
165,83
1892
176,41
176,84
148,2
149,44
1898
151,34
133,85
136,5
157,02
1894
136,18
117,75
123,8
131,28
1895
142,5
119,8
116,2
121,4
1896
156,2
118,8
129,2
124,7
Bei den Zahlen aus älterer Zeit wird mau den höheren Geldwert wohl berücksichtigen
müssen. Doch zeigt die Zusammenstellung klar die Steigerung der Getreidepreise, so lange
der Bedarf das Angebot überwog, und ihren scharfen Rückgang, seit die Konkurrenz der
jungen Kulturländer entfernter Erdstriche voll einsetzt, also etwa seit 1880.
Das Sinken der Getreidepreise war für die Landwirtschaft um so empfindlicher, als
gleichzeitig infolge der bestehenden Überproduktion auch die Preise für Spiritus, durch
dessen Erzeugung man eine bessere Verwertung für das Bodenprodnkt gesucht hatte, und
für Zucker um rund 60% zurückgingen und die Wollen- und Rapspreise infolge der
Konkurrenz der überseeischen Wolle, des Petroleums und der verschiedenen tropischen
Öle um einen ähnlichen Betrag fielen. Eine günstige Entwickelung haben nur die Preise
für tierische Erzeugnisse genommen, zum großen Teile infolge veterinär-polizei
licher Einfuhrsverbote für ausländisches Vieh und Fleisch. Die Preise für geschlachtetes
Vieh stellten sich auf dem Berliner Markte für 100 kg in Mark:
Jahr
Rinder
Fleischgewicht
Ila
Lurchschnittspreis
Schweine
Lebendgewicht
II A
höchster Preis
Kälber
Fleischgewicht
Ia
niedrigster Preis
Hammel
Fleischgewicht
Ia
Durchschnittspreis
1882
97,9
108,2
108,1
106,9
1886
98,5
94,2
86,5
92,7
1890
100,9
115,7
103,2
106,8
1894
109,8
101,8
99,1
96,3
1895
109,7
90,1
104,0
100,9
1896
103,4
86,2
99,4
94,6
Das Ergebnis der Entwickelung ist somit auf allen wichtigen Märkten Europas
ein seit den 70er Jahren anhaltender allgemeiner und starker Preisrückgang der
wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, der für die Ertragsfähigkeit unserer
Landwirtschaft um so schwerer ins Gewicht fällt, als gleichzeitig ihre Produktionskosten
durch die gestiegenen Arbeitslöhne eine Erhöhung erfuhren. Außerdem haben viele
Wirtschaftsbesitzer in der dem Auftreten der überseeischen Konkurrenz vorangegangenen,
bei dem gesteigerten Bedarf für die europäische Landwirtschaft außerordentlich günstigen
Periode beim Erwerb ihrer Wirtschaften Boden- oder Pachtpreise gewährt, die sich