Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Die landwirtschaftlichen Gewerbe. 917 
Über den Branntweinverbrauch in den verschiedenen Ländern liegen verläßliche 
Angaben nicht durchweg vor. In Deutschland wurden im Betriebsjahre 1896/97 
2 280 800 Irl (4,30 1 auf den Kopf) als Trinkbranntwein und 867 400 bl (1,6 1 auf 
den Kopf) zu gewerblichen und anderen Zwecken verwendet. Bemerkenswert ist die be 
deutende Zunahme der Verwendung des Branntweins für gewerbliche Zwecke, die sich in 
Deutschland in den letzten zehn Jahren auf das Doppelte gesteigert hat. Für den inter 
nationalen Spiritushandel kommen insbesondere Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn 
und Rußland als Ausfuhrländer in Betracht. Die englische Ausfuhr geht zum größten 
Teile nach den Kolonien. 
Zucker. Infolge des raschen Wachstumes der europäischen Rübenzuckerindustrie 
übertrifft deren Gesamterzeugung heute schon die auf dem Weltmärkte erscheinende Menge 
des Rohrzuckers, wenngleich die Gesamterzeugung des letzteren, einschließlich der in den 
Erzeugungsländern verbrauchten Mengen, ihr vielleicht immer noch voransteht. Diese 
Entwickelung ist wesentlich eine Folge der Politik, die bei der Besteuerung dieses unent 
behrlich gewordenen Genußmittels von den Staaten verfolgt wurde, und der damit 
zusammenhängenden Entstehung von Ausfuhrprämien für Zucker. Im Betriebsjahre 
1852/53 betrug die Rübenzuckererzeugung erst 14 der damals mit 1,46 Millionen t 
bezifferten Zuckerproduktion für den Weltmarkt. In den Jahren 1882—89 halten sich 
Rohr- und Rübenzucker bereits ungeführ die Wage, von da an überwiegt der Rüben 
zucker, und im Betriebsjahre 1896/97 stehen 4 791 700 t Rübenzucker gegen 2 624000 t 
Rohrzucker. Allerdings ist dieses riesige Überwiegen der Rübenzuckererzeugung zum 
großen Teile auf die Wirren in Cuba zurückzuführen. Infolge des Kriegszustandes ist 
die cubanische Zuckererzeugung von 1 160 000 t im Jahre 1893/94 auf 300 000 t im 
Jahre 1896/97 zurückgegangen. Jetzt, wo Amerika in Cuba, Portorico, den Sandwich 
inseln und den Philippinen die wichtigsten Rohrzuckerländer seiner Herrschaft unter 
worfen hat, dürfte ein Wendepunkt in der Entwickelung eintreten. Bisher schon lieferten 
diese Länder die Hälfte alles Kolonialzuckers. Mit der Wiederkehr friedlicher Zustände 
und unter dem Einflüsse amerikanischen Kapitals und Unternehmungsgeistes wird ihre 
Bedeutung für die Zuckerindustrie rasch wachsen, und dem europäischen Rübenzucker steht 
ein harter Kampf um die Absatzgebiete im Auslande bevor, um so mehr als Nordamerika 
darunter einen bedeutenden Rang einnimmt und durch Zollmaßnahmen jedenfalls der 
Zuckerindustrie seiner neuen Kolonien ein Vorzugsrecht zu sichern trachten wird. 
Die Entwickelung der Rübenzuckerindustrie in den europäischen Staaten stellt 
folgende Übersicht über die Rübenzuckererzeugung (in Tonnen) der wichtigsten Länder dar: 
Land 
1875(76 
1885/86 
1896(97 
Deutsches Reich .... 
358 048 
846 211 
1 821 000 
Österreich-Ungarn.... 
321 830 
395 300 
927 000 
Frankreich 
Rußland 
462 257 
296 633 
700 000 
247 340 
528 52 l 
725 000 
Belgien 
105 307 
62 947 
271 700 
Holland 
30 930 
26 130 
175 000 
Andere Länder .... 
4 039 
22 769 
172 000 
Zusammen 
1 529 751 
2 178 511 
4 791 700 
Das Deutsche Reich steht hiernach obenan. Es nimmt auch unter den Zucker aus 
führenden Staaten den ersten Rang ein. In weitem Abstande folgen Österreich-Ungarn 
und Frankreich. Rußland arbeitet hauptsächlich für seinen eigenen Bedarf. 
Die Rohrzuckererzeugung betrug im Jahre 1896/97: 
in Nordamerika .... 354000 t auf Jamaika 30000 t 
auf Cuba . ... 300 000 „ in Südamerika 380 000 „ 
„ Portorico . . .55 000 „ auf Java 540 000 „ 
„ den Saudwichiuseln . . 200 000 „ „ Mauritius und Riunion 195 000 „ 
„ den Philippinen . . 230 000 „ in Ägypten 95 000 „ 
„ „ kleinen Antillen. . 245 000 „
	        
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