Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

letzten  Gewerbezählungen  ergibt  sich,  daß  die  Zahl  der  Betriebe  im  Handel  und  Verkehr,
einschließlich  der  Gast-  und  Schankwirtschaften  von  700  332  im  Jahre  1882,  auf  955  684
im  Jahre  1895  gestiegen  ist.  Die  Zahl  der  Selbständigen  in  diesen  Gruppen  stieg
von  668  729  auf  846  655,  das  ist  um  26,6  °/ 0 .  Auch  im  Gewerbe  selbst  hat  die  moderne
Entwickelung  auf  einzelnen  Gebieten  neue  Erwerbsmöglichkeiten  für  den  kleinen  und
mittleren  Betrieb  geschaffen.  Es  sei  hier  nur  auf  die  zahlreichen  Gewerbe  hingewiesen,
welche  sich  mit  der  Reparatur  großindustriell  hergestellter  Waren  beschäftigen  und  erst
in  dem  Augenblicke  überhaupt  entstehen  konnten,  wo  die  massenhafte  und  billige  Erzeugung
des  Großbetriebes  aus  den  betreffenden  Waren  einen  Gegenstand  des  Massenverbrauches
machte.  Als  Beispiele  seien  nur  angeführt  die  Uhren,  die  erst  seit  ihrer  billigen,  fabrikmäßigen ­
  Herstellung  ein  ganz  allgemein  verbreiteter  Gebrauchsgegenstand  wurden,  das
Fahrrad,  die  Nähmaschine  und  anderes  mehr.  Ein  neues  Feld  der  Bethätigung  erwuchs
dem  Kleinbetriebe  auch  daraus,  daß  die  oberen  Gesellschaftsklassen  sich  in  dem  Maße  als
die  vom  Großbetriebe  hergestellten  Massenwaren  in  den  allgemeinen  Verbrauch  eindringen, ­
  zur  Befriedigung  ihres  Luxusbedürfnisses  dem  Verbrauch  mit  der  Hand  gearbeiteter ­
  Waren  zuwenden,  die  dem  besonderen  Bedürfnisse  des  Bestellers  Rechnung
tragen  und  den  Stempel  der  Persönlichkeit  an  sich  haben.  Nicht  nur  das  Kunstgewerbe
ist  auf  diese  Weise  auf  eine  gesicherte  Grundlage  gestellt  worden,  auch  in  zahlreichen
anderen  Gewerben,  so  insbesondere  in  der  Bekleidungsindustrie,  ist  hierdurch  dem  kleinen
und  mittleren  Betriebe  ein  stetig  sich  erweiterndes  Feld  der  Bethätigung  gesichert.
Endlich  darf  man  auch  die  Möglichkeit  nicht  unterschätzen,  daß  auf  dem  Wege  der
Association  dem  Handwerk  die  neue  Betriebsform  dienstbar  gemacht  wird.  Wie  die
Verhältnisse  der  arbeitenden  Klassen  eine  befriedigende  Gestaltung  erst  von  dem  Augenblicke ­
  an  erfahren  konnten,  als  die  Arbeiter  zur  Koalition  schritten,  ivird  auch  die  Lösung
der  Haudwerkerfrage  in  einem  für  diesen  Stand  günstigen  Sinne  davon  abhängen,  ob
das  Handwerk  der  Associationsidee  mit  Erfolg  sich  zu  bemächtigen  vermag.
Die  industrielle  Entwickelung  der  wichtigsten  Staaten.
Wir  gehen  nunmehr  zu  einer  Besprechung  der  industriellen  Entwickelung  der
wichtigsten  Staaten  über,  soweit  die  vorhandenen  statistischen  Materialien  eine  derartige
vergleichende  Darstellung  gestatten.
In  den  Agrarstaaten  Osteuropas,  wie  in  Rumänien,  Rußland,  Ungarn,
befindet  sich  die  industrielle  Entwickelung  noch  in  ihren  Anfängen.  Ihren  Ausgangspunkt ­
  hat  sie  in  diesen  Ländern  meist  von  der  Ausbeutung  vorhandener  Naturschätze
genommen,  welche  in  vielen  Fällen  mit  Hilfe  ausländischen  Kapitals  erfolgte.  So  sind
die  großen  Eisen-  und  Kohlenwerke  in  Südrußland,  die  Anlagen  zur  Ausbeulung  der
Napthaquellen  in  Baku,  die  metallurgischen  und  Bergwerksanlagen  im  Ural  und  an  der
Wolga  zum  großen  Teile  durch  belgisches,  englisches,  französisches  und  deutsches  Kapital
ins  Leben  gerufen.  Bon  großer  Bedeutung  für  die  Entwickelung  der  Industrie  in  diesen
Ländern  sind  die  Bestrebungen  ihrer  Regierungen,  das  Land  in  Bezug  auf  die  industrielle
Produktion  vom  Ausland  unabhängig  zu  machen  und  die  Entstehung  einer  eigenen
Industrie  zu  fördern.  In  erster  Linie  kommen  dabei  die  Zollmaßnahmen  in  Betracht.
Die  vielfach  prohibitiven  Zölle,  mit  denen  Rußland  seine  Grenzen  abschloß,  bewogen
zahlreiche  ausländische  Unternehmer,  die  sich  vor  die  Unmöglichkeit  gestellt  sahen,  ihre
Erzeugnisse  bei  dem  erhöhten  Zolle  nach  Rußland  einzuführen,  dazu,  in  Rußland  selbst
Fabriken  zu  errichten  und  so  wenigstens  den  Gewinn  der  Fabrikation  sich  zu  sichern.
Die  auf  diese  Weise  entstandenen  Fabriken  waren  dann  die  Vorbilder  für  den  heimischen
Unternehmungsgeist  und  die  Quellen,  aus  denen  ein  geschulter  Arbeiterstand  hervorging.
Unter  dem  Schutze  dieser  und  ähnlicher  Regierungsmaßnahmen  ist  Rußland  heute  bereits
in  den  Besitz  einer  kräftig  entwickelten  Eisen-,  Metall-,  Textil-  und  Papierindustrie  gelangt, ­
  die,  wenn  sie  auch  den  heimischen  Bedarf  noch  lange  nicht  zu  decken  vermag,  doch
schon  mitgezählt  werden  muß.  Auch  die  landwirtschaftlichen  Gewerbe,  namentlich  die
Zuckerfabrikation  und  Spiritusbrennerei,  zählen  in  der  Regel  zu  denjenigen,  die  in  der
Entwickelung  vorangehen.  Im  übrigen  zeigt  der  Gewerbefleiß  des  europäischen  Ostens
            
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