Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Formen  des  modernen  Industriebetriebes.
Gewerbe  im  Jahre  1892  2  209  239,  im  Jahre  1895  2  060  865,  so  daß  sie  um  67°/ 0
zurückgegangen  ist,  während  die  Gesamtzahl  der  in  der  Industrie  thätigen  Personen  im
gleichen  Zeitraum  von  5  933  663  auf  8  000  503  gestiegen  ist.  Die  sozialen  Folgen
dieser  Entwickelung  sind  bereits  oben  bei  Besprechung  der  Berufsverhältnisse  berührt  worden.
Die  Gliederung  unserer  Bevölkerung  erlitt  durch  die  großindustrielle  Entwickelung  eine
durchgreifende  Verschiebung,  die  sozialen  Unterschiede  sind  stärker,  die  Kluft,  welche  die
einzelnen  Gesellschaftsklassen  voneinander  trennt,  ist  großer  geworden.  Zweifellos
waren  damit  auch  schwerwiegende  soziale  Nachteile  verbunden,  namentlich  im  Anfange
der  Entwickelung,  solange  die  neue  Wirtschaftsverfassung  sich  noch  nicht  ihr  neues  Wirtschaftsrecht ­
  geschaffen  hatte.  Heute,  wo  die  Koalition  dem  Arbeiter  die  Möglichkeit  gibt,
einen  entsprechenden  Einfluß  auf  die  Feststellung  der  Arbeitsbedingungen  auszuüben  und
sich  nötigenfalls  seinen  Anteil  an  dem  Ertrage  der  nationalen  Produktion  zu  erkämpfen,
wo  der  Staat  durch  die  Arbeiterschutzgesetzgebung  und  Arbeiterversicherung  regelnd  einzugreifen ­
  begonnen  hat,  sind  die  nachteiligen  wirtschaftlichen  Folgen  der  Entwickelung  für
die  zunehmende  Zahl  der  Abhängigen  großenteils  gemildert  worden;  sie  bestehen  in
vollem  Umfange  nur  auf  jenem  Gebiete  industrieller  Thätigkeit  fort,  das  sich  bisher  dem
regelnden  Einflüsse  der  staatlichen  Gesetzgebung  entzogen  hat  und  den  Organisationsbestrebungeu
  der  Arbeiterschaft  unzugänglich  blieb,  namentlich  auf  dem  Gebiete  der  Verlagsarbeit. ­
  Hier  bildet  die  gesetzliche  Regelung  der  Arbeitsverhältnisse,  wie  sie  für  die
Fabriken  längst  stattgefunden  hat,  ein  noch  ungelöstes  Problem.  Der  Organisation  stellt
sich  die  Zersplitterung  der  Arbeiter  in  eine  Unzahl  kleiner  Werkstätten,  die  zahlreiche
Beschäftigung  von  Frauen  und  Kindern  hindernd  entgegen,  und  so  finden  wir  thatsächlich
in  der  Hausindustrie  aller  Länder  die  schwersten  sozialen  Übelstände,  ungemessene  Arbeitszeit, ­
  niedrige  Löhne,  regellose  Ausbeutung  der  Frauen-  und  Kinderarbeit,  auf  das  tiefste
herabgedrückte  Lebenshaltung.  Gegenüber  diesen  sozialen  Nachteilen  der  Entwickelung
zum  Großbetriebe  darf  man  jedoch  ihre  Vorteile  nicht  übersehen.  Die  durch  den  Großbetrieb ­
  unendlich  gesteigerte  Produktivität  der  menschlichen  Arbeit  gewährt  einer  viel
größeren  Anzahl  von  Menschen  den  Lebensunterhalt,  als  dies  bei  dem  alten  Wirtschaftssystem ­
  möglich  gewesen  wäre.  Dabei  hat  sie  eine  derartige  Verbilligung  der  für  den
täglichen  Bedarf  notwendigen  Massenprodukte  herbeigeführt,  daß  die  Lebenshaltung  des
einzelnen  gegen  früher  eine  höhere,  seine  Bedürfnisbefriedigung  eine  bessere  und  vielseitigere ­
  geworden  ist.  Endlich  hat  die  Industrie,  wenn  sie  auch  den  alten  Mittelstand
der  Handwerker  zum  Teil  vernichtete,  einen  kräftigen  neuen  Mittelstand  geschaffen,  der
sich  vielfach  in  günstigerer  materieller  Lage  befindet  als  die  selbständigen  Handwerksmeister ­
  der  früheren  Zeit.  Hierher  zählen  die  kaufmännischen  und  technischen  Beamten, ­
  sowie  die  Werkmeister,  Vorarbeiter  und  auch  eine  große  Zahl  der  gelernten
Berufsarbeiter  in  unserer  Fabriksindustrie.  Auch  über  die  Anzahl  dieser  Kategorien
gewährt  die  Statistik  einigen  Aufschluß.  Bei  der  Berufszählung  vom  Jahre  1895
wurden  in  der  Industrie  49  492  technisch  gebildete  Betriebsbeamte,  105120  Aufseher, ­
  Werkmeister  und  andere  Aufsichtspersonen,  109  133  kaufmännische  Bureauund
  Rechnungsbeamte,  3  851  929  gelernte  und  2  047  779  ungelernte  Arbeiter  gezählt. ­
  Dazu  kommen  noch  56  003  mithelfende  Familienangehörige  der  selbständigen
Geschäftsleute.  Über  die  Steigerung,  welche  die  Zahl  der  höheren  Angestellten  in  den
Industriebetrieben  erfahren  hat,  gibt  der  Vergleich  der  in  demselben  Jahre  durchgeführten
Gewerbezählung  mit  den  Daten  aus  dem  Jahre  1882  wenigstens  für  die  Kategorie  des
technischen  Aufsichts-  und  des  Kontorpersonals  Aufschluß.  Als  solche  Angestellte  wurden
im  Jahre  1882  118  020,  im  Jahre  1895  267  962  Personen  gezählt,  was  eine  Zunahme
von  127  °/ 0  bedeutet.  Dazu  kommt  noch,  daß  die  industrielle  Entwickelung,  die  einer  ungeheuer ­
  gestiegenen  Bevölkerungszahl  Unterhalt  gewährt,  auf  andere  Wirtschaftszweige
einen  fördernden  Einfluß  gewonnen  hat  Zahlreiche  kleine  Existenzen  verdanken  ihr  auf
diese  Weise  mittelbar  ihr  Bestehen;  namentlich  ist  eine  große  Anzahl  von  Handelsgeschäften ­
  neu  entstanden,  welche  die  Verteilung  der  in  den  Großbetrieben  hergestellten
Massenprodnkte  in  die  Kanäle  des  Verkehrs  besorgen.  Aus  dem  Vergleiche  der  beiden
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