selbst eine gute Organisation besitzen, und als ob sie in diesem Fall
ihre Arbeitsbedingungen unabhängig von den Verhältnissen der
übrigen Arbeiterschaft befriedigend gestalten können, kann schwerlich
aufrechterhalten werden. Das muss zwangläufig dazu führen,
dass die berufliche Enge und Exklusivität der amerikanischen Gewerkschaften
und die damit verbundene Zersplitterung der Gesamtbewegung—
heute für deutsche Beschauer ein hervorstechendes
Merkmal — zu einer Ausweitung des beruflichen Rahmens, einem
engeren Zusammenarbeiten und einer weiteren Konzentrierung der
Kräfte planmässig entwickelt werden.
Die Leitung der Federätion hat den Ernst der angedeuteten
Probleme erkannt und in ihrem Bericht an den letzten Kongress
eindringlich darauf hingewiesen. „Es ist nutzlos, den Gebrauch
der Taktik und der Methoden fortzusetzen, die . . . auf Verhältnissen
beruhen, die vor Jahrzehnten bestanden“, heisst es darin. Einige
Andeutungen werden darüber gemacht, welche Wege beschritten
werden könnten: Dem Betriebsvertretungssystem können die Giftzähne
ausgebrochen werden, wenn die Gewerkschaften diese Einrichtung
zu ihrer eigenen machen und sie ihrer Kontrolle unterstellen.
Den Versicherungsunternehmungen der Unternehmer
können die Gewerkschaften eigene Einrichtungen gleicher Art entgegensetzen,
und ein Komitee für die Errichtung einer gewerkschaftlichen
Lebensversicherungsgesellschaft ist bereits tätig. Dem
vorhandenen Bedürfnis der Arbeiterschaft nach einer guten Kapitalanlage,
das vielfach zu den Kleinaktien seine Zuflucht nimmt,
können die Gewerkschaften durch eigene Einrichtungen entgegen.
kommen. Bisher hat die Leitung der Federation den aufkommenden
Arbeiterbanken ziemlich kühl gegenübergestanden. Aber in diesem
Zusammenhang scheint es, als ob ihr Verhältnis zu diesen Institutionen
ein engeres werden könnte. Alles dies sind vorläufig
nur Andeutungen. Der Grundton des Berichtes ist auf die
Erkenntnis eingestellt, dass bisher den besprochenen Unternehmermethoden
zuwenig Beachtung geschenkt worden ist, dass es nun
aber dringend erforderlich sei, diese Methoden eingehend zu
studieren, die genauen Tatsachen darüber zu ermitteln, um dann
einen eingehenden Aktionsplan aufzustellen. Die europäischen Gewerkschaften
werden diese Bestrebungen mit einem ganz besonderen
Interesse verfolgen; denn es ist sicher, dass die amerikanischen
Unternehmermethoden nicht ohne Einfluss bleiben auf
die Massnahmen der europäischen Unternehmer. Gerade diesen
Methoden gegenüber kann es von allergrösstem Nutzen für die
Arbeiter aller Länder sein, wenn sie ihre Erfahrungen gegenseitig
austauschen und gemeinsam versuchen, die Gefahr zu bezwingen.
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