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Industrielle Entwickelung der wichtigsten Staaten.
noch recht ursprüngliche Formen, und die industrielle Bevölkerung ist im Vergleich zu
der von der Landwirtschaft ernährten eine geringe. Ein ziemlich zutreffendes Beispiel
hiefür bildet Ungarn. Nach der Zählung von 1890 waren hier nur 1 210 473 Personen
oder 6,9 °/ 0 der Bevölkerung gewerblich thätig, während in Deutschland das Gewerbe
über 10 1 / 4 Millionen, das ist etwa den fünften Teil des deutschen Volkes beschäftigt.
Unter der Gewerbethätigkeit selbst nehmen die Wandergewerbe, die Haus- und Volks
industrie einen breiten Raum ein. Man zählte im Bergbau- und Hüttenwesen, ein
schließlich der Steinbrüche, Kalk- und Zementbrennereien 48 412, in der Industrie und
im Gewerbe 913 010, im Handel und Verkehr 242 051 Personen, wobei von den in der
Industrie beschäftigten 44 264 auf die Volks- und Hausindustrie und die Wandergewerbe
entfallen. Selbstverständlich überwiegt auch in der eigentlichen Industrie der Kleinbetrieb
weitaus. Fast die Hälfte aller darin thätigen Personen sind selbständige Unternehmer.
Großindustrielle Unternehmungen gibt es im ganzen 1244 mit 112 345 Arbeitern, von
denen 136 das ist 10,9 °/ 0 mit 17 830 Arbeitern in den Händen ausländischer Unter
nehmer sind. Hauptsächlich vertreten sind unter der ungarischen Fabrikindnstrie außer
den landwirtschaftlichen Gewerben (Zuckerfabrikativn, Spiritusbrennerei und Großmüllerei)
die Eisen- und Maschinenindustrie und die Textilindustrie.
Inmitten der Agrarstaaten des Ostens und den Industriestaaten des Westens steht
in seiner industriellen Entwickelung Österreich. Während die Bukowina und Galizien
osteuropäische Verhältnisse zeigen und auch in der Mehrzahl der österreichischen Alpenländer
landwirtschaftliche Interessen alle anderen weit überwiegen, haben die von Deutschen be
wohnten nördlichen und nordwestlichen Teile Böhmens eine Stufe industrieller Entwicke
lung erreicht, die einen Vergleich mit den benachbarten Gegenden Deutschlands gestatten,
und außerdem besitzen auch Wien und das südliche Niederösterreich, Mähren, Schlesien und
das eisenreiche Obersteiermark eine entwickelte Industrie. Im übrigen sei bei dem Mangel
gewerbestatistischer Daten auf die oben mitgeteilten Zahlen der Berufsstatistik verwiesen.
Für die Schweiz liegen Angaben nur über die Zahl der Fabrikbetriebe vor. Als
solche werden betrachtet alle Betriebe mit mehr als zehn Arbeitern und außerdem noch
die Betriebe mit mehr als fünf Arbeitern, welche einen Motor verwenden oder jugend
liche Arbeiter beschäftigen, sowie jene Betriebe, die gewisse Gefahren für Leib oder Ge
sundheit mit sich bringen. Die Gesamtzahl dieser Betriebe betrug im Jahre 1895
4933 mit zusammen 200 199 Arbeitern. 3303 Unternehmungen verwendeten Motoren
mit einer Gesamtleistung von 152 718 Pferdestärken. Infolge des großen Reichtums
der Schweiz an natürlichen Wasserläufen werden dabei zumeist Wassermotoren verwendet,
während in Deutschland die Dampfkraft in erster Reihe steht. Bon den einzelnen In
dustriezweigen ist am zahlreichsten die Textilindustrie vertreten; sie umfaßt etwa ein Drittel
aller gezählten Unternehmungen und nahezu die Hälfte aller Fabrikarbeiter. Unter ihnen
kommen hauptsächlich die Seidenindustrie mit 143 Unternehmern und 23 367 Arbeitern,
die in der Ostschweiz großenteils als Hausindustrie betriebene Maschinenstickerei mit 814
Unternehmungen mit 11 721 Arbeitern, die Baumwollspinnerei mit 103 Unternehmungen
und 11 600 Arbeitern und die Baumwollweberei mit 128 Unternehmungen und 15 406
Arbeitern in Betracht. Außerdem besitzen noch als Exportindustrien die Maschinenindustrie
(396 Betriebe mit 23 921 Arbeitern), die Uhrenfabrikation (463 Unternehmungen mit
15442 Arbeitern), die Schuhfabrikation und die Tabakindustrie hervorragende Bedeutung.
Der durchschnittliche Umfang der Betriebe ist geringer, der fabriksmäßige Großbetrieb nicht
so stark ausgebildet wie im Deutschen Reich, obwohl die Gesamtindustrie in beiden Ländern
ungefähr gleich stark entfaltet ist; nahezu ein Drittel aller Schweizer Fabriken zählt weniger
als zehn Arbeiter. Unter den Betrieben mit mehr als 500 Arbeitern — 23 an der Zahl
— gehören nur 5,7 der Bevölkerung als Arbeiter an, während in Deutschland 535 der
artige Großbetriebe 8,6 °/ 0 der Gesamtbevölkerung in sich vereinen.
Für Frankreich können, obwohl es nach England, Deutschland und den Ver
einigten Staaten der größte Industriestaat ist, keine näheren Angaben gemacht werden, da
die Berufs- und Gewerbezählung von 1896 noch nicht vollständig erschienen ist und
ältere Angaben nicht verwertbar sind.
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