Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

der  Bank  von  England

Bank  von  Frankreich

Reichsbank

1900

5—3%

4.5—3%

7-5%

1907

7-4%

4-3%

7.5—5.5%

1912

5-3%

4—3.5%

6—4.5%

In  dem  Streben  nach  gleichmäßigem  Diskont  ist  unter  den  drei
großen  Instituten  die  Bank  von  Frankreich  am  erfolgreichsten  gewesen,
die  freilich  infolge  der  in  den  meisten  Fahren  günstigen  Zahlungsbilanz
des  Landes  und  der  Art  des  Geldverkehrs  in  Frankreich  dis  leichteste
Aufgabe  hatte.  Die  Reichsbank  und  die  Bank  von  England  vermochten. ­
  wenn  sie  auch  nach  der  Struktur  ihres  lVirkungsgebiets  und  ihrer
finanziellen  Organisation  die  Stabilität  der  französischen  Rate  nicht  erreichen ­
  konnten,  doch  allzu  jähe  Erschütterungen  zu  vermeiden.  Es  sind
im  letzten  Jahrzehnt  gegen  die  Politik  der  Bank  von  England  und  der
Reichsbank  heftige  Nlagen  erhoben  worden.  Aber  man  darf  nicht  übersehen, ­
  daß  in  den  letzten  drei  Nonjunkturperioden  die  Höchstrate  in
England  7%,  in  Deutschland  7%  betrug,  die  jüngste  durch  den  Balkankrieg
  verschärfte  Periode  einen  Höchstsatz  von  nur  5  %  zeitigte.  Zn
dem  noch  ziemlich  angespannten  Fahr  1913  hat  die  Bank  von  England
und  die  Reichsbank  nur  zweimal  den  Diskont  geändert.  In  einer  ganzen
Nonjunkturperiode  der  Gegenwart  wird  die  Rate  nicht  viel  häufiger
gewechselt  als  in  dem  einzigen  Fahre  1873.
Den  Anfangszeiten  der  Notenbank,  in  welchen  die  Wissenschaft  das
Ideal  in  einem  niedrigen  Zins  erblickte,  folgte  die  Aera  der  staatlichen
Reglementierung,  des  Mißtrauens  gegen  die  Notenbank.  Die  herrschende
englische  Anschauung,  die  die  Bankgesetzgebungen  bestimmte,  war  aus
einer  Nritik  laxer  Zinspolitik  in  Nrisenzeiten  entstanden.  Niedriger
Zins,  so  dachte  man,  reizt  die  Spekulation  an,  treibt  die  Preise  in  die
höhe,  verschlechtert  dadurch  die  Handelsbilanz,  führt  zu  starker  Einwanderung ­
  auswärtiger  Emissionen  und  verschlechtert  so  einen  andern
bedeutsamen  Posten  der  Zahlungsbilanz.  Die  Notenbank  aber  hat
im  Interesse  ihres  Gewinns  das  Bestreben  ihre  Ennssion  möglichst  zu
erweitern.  Daraus  entsprangen  die  Beschränkungen  der  Notenausgabe, ­
  die  in  der  peelschen  Bankakte  und  in  abgeschwächter  Form  in
der  Notensteuer,  welche  der  Keichsbank  und  Gesterreichisch-Ungarischen
Bank  bei  Ueberschreitung  eines  Kontingents  metallisch  ungedeckter
Noten  auferlegt  ist,  ihren  Ausdruck  fanden.  Eine  Legriffsbestimniung
des  „niedrigen  Zinses"  wurde  nie  gegeben  —  sie  schien  auch  nicht  nötig
zu  sein.  Es  galt  als  Dogma,  daß  dem  Goldabfluß  nur  durch  Diskonterhöhung ­
  zu  steuern  sei  und  die  Notenbank  möglichst  automatische  Non-
            
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