106
II. Der Geldmarkt.
was nicht immer mit jener Schnelligkeit geschehen kann, die für die
Arbitrage notwendig ist. In der Diskussion über die Krage der Prämien
politik zwischen Landesberger auf der einen, Heiligenstadt und Raffalo-
vich auf der andern Seite hoben die beiden letztgenannten als schädliche
Wirkung des prämiensgstems die Verschlechterung des Zirkulations
goldes hervor, da die Arbitrage die noch nicht abgenützten Münzen
aus dem Verkehr herauszuziehen bemüht sei. Ich würde indes diesem
Einwand kein großes Gewicht beilegen, da der Verlust, um welchen es
sich auch bei großen Goldentziehungen durch diese Praxis handeln
kann, für die Volkswirtschaft dem absoluten Betrag nach geringfügig
ist. Bedenklicher ist die andere Konsequenz, daß die französische Wäh
rung im internationalen Verkehr nicht als freie Goldwährung ange
sehen wird und demgemäß sich die französische Valuta nur schwer an
ausländischen Plätzen einbürgern könne. Indes scheint dieses Moment
nicht auf die Prämienpolitik allein, sondern auch auf andere admini
strative Schwierigkeiten zurückzugehen, welche die Bank von Krankreich
der Soldhergabe bereitet, denn auch in den fünfzehn Zähren der Si
stierung der Prämienpolitik hat die Devise Paris auf dem Weltmarkt
nie großen Verkehr bekommen können, weil in der dtty immer wieder
-behauptet wurde, daß Krankreich doch Arbitragegold nicht abgebe.
Oie Diskreditierung der Währung im internationalen Verkehr läßt die
Prämienpolitik für Reiche mit starkem Auslandshandel oder bedeu
tender auswärtiger Verschuldung als ungeeignete Maßnahme erschei
nen, während sie für andere Länder wohl anwendbar sein mag.
Zn Rußland übt die Staatsbank auf die Kreditbanken einen starken
Druck aus Arbitrageoperationen zu unterlassen und Gold für Arbitrage-
zwecke nicht herzugeben. Auch die deutschen Kreditbanken haben in
kritischen Zeiten, namentlich 1907, die hergäbe von Arbitragegold,
wie es hieß aus Kurcht vor der Reichsbank, verweigert, die Reichsbank
hat aber dieses Vorgehen scharf mißbilligt, mit vollem Recht, da die
mühsam errungene Konkurrenzfähigkeit der deutschen Devise im Aus
land durch Verweigerung der freien Goldhergabe gefährdet wird.
Zn Reichen des Zwangskurses wie Gesterreich-Ungarn und Italien
verweigern die Notenbanken bei stärkerem Goldbedarf offen die her
gäbe von Arbitragegold, und da dort Ersatz aus dem Verkehr nicht zu
schaffen ist, ist ein Ueberschreiten des Goldpunktes ohne Goldausfuhr
möglich, wie dies sich auch in der letzten Konjunkturperiode in beiden
Reichen, vornehmlich in Italien gezeigt hat. Neuere österreichische Au
toren haben die Beibehaltung des Zwangskurses mit der dadurch für
die Notenbank gebotenen Möglichkeit der Abwehr von Arbitrage-