Full text : Bankpolitik

ansprächen  gerechtfertigt.  Aber  es  fehlt  jede  Abwägung,  ob
durch  erreichte  Vorteil  die  Schwierigkeiten  bei  Einbürgerung  öer\*o^
luta  auf  ausländischen  Plätzen  und  bei  Begebung  von  Anleihen
Ausland  überwiegt.
Zu  diesen  von  den  Notenbanken  angewandten  monetären  treten
in  neuerer  Zeit  wirtschaftspolitische  Maßnahmen  zur  Beeinflussung  der
Zahlungsbilanz.  Vas  alte  Merkantilsgstem  hat  sich  in  seiner  Wirtschaftspolitik ­
  von  diesem  Gesichtspunkt  leiten  lassen,  aber  erst  in  neuerer
Zeit  spielen  in  der  Handelspolitik  ähnliche  Erwägungen  eine  Rolle.
Bei  der  Regelung  des  Auswandererverkehrs  in  Italien,  der  Begünstigung ­
  der  heimischen  Schiffahrt  und  der  Förderung  des  Fremdenverkehrs ­
  in  vielen  Rontinentalstaaten  üben  Rücksichten  auf  die  Zahlungsbilanz ­
  eine  stets  wachsende  Wirkung,  vor  allem  aber  wird  die
Frage  der  Uebernahme  auswärtiger  Anleihen  immer  mehr  unter
diesen  Gesichtspunkt  eingestellt  und  der  Reichsbankpräsident  hat  1912
in  einem  offenen  Brief  an  den  Reichskanzler  unter  Hinweis  auf  die
schwere  Situation  des  Geldmarkts  die  beabsichtigte  Einführung  eines
amerikanischen  Wertpapiers  kritisiert.  Regierung  und  Zulassungsstelle
lassen  sich  in  Deutschland  in  neuerer  Zeit  von  dem  Grundsatz  leiten,  in
Zeiten  drohender  Geldverknappung  den  Markt  für  auswärtige  Anleihen
einzuschränken,  eine  planmäßige  Regelung  im  Sinn  des  alten  Merkantilsgstems.
  Indes  ist  dieses  vorgehen  allenfalls  als  Notmatzregel  am
Platze,  wird  aber  sonst  der  Bedeutung  der  auswärtigen  Kapitalanlagen
für  die  Zahlungsbilanz  nicht  gerecht.  Oie  tiefer  schürfenden  englischen
Krisenuntersuchungen  der  dreihiger  und  die  französischen  Forschungen
der  sechziger  Zähre  des  vorigen  Jahrhunderts  haben  im  letzten  Jahrzehnt ­
  wieder  Bestätigung  gefunden:  in  Zeiten  niedrigen  Geldmarktzinses
wandern  vom  Geldmarkt  Kapitalien  in  hochverzinsliche  auswärtige  Kapitalanlagen
  in  ungewöhnlich  starkem  Nkatz  ab,-  die  Valuta  dieser  Anlagen
fließt  nicht  sofort  ins  Ausland,  sondern  bleibt  meist  bei  den  Banken  des
Gläubigerlands  eine  bestimmte  Zeit  als  Guthaben  stehen,-  dadurch  entsteht
eine  erhebliche  Schuld  an  das  Ausland,  die  im  vorgeschrittenen  Stadium ­
  der  Konjunktur  fällig  zu  werden  und  die  Zahlungsbilanz  in  einem
für  die  wirtschaft  des  Gläubigerlandes  ungünstigeren  Zeitpunkt  zu
verschlechtern  tendiert,  vem  Sinn  des  Grundgedankens  der  Diskontpolitik ­
  der  Gegenwart,  die  Haltung  der  Bank  nach  den  höchsten  in  der
Konjunkturperiode  zu  erwartenden  Ansprüchen  zu  bestimmen,  würde
mehr  als  das  verbot  auswärtiger  Anleihen  im  kritischen  Zeitpunkt
eine  Zinspolitik  entsprechen,  die  in  der  vepressionszeit  die  Bankrate
nicht  zu  tief  sinken  läßt  und  auch  den  Privatsatz  hinaufzieht.
            
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