Full text : Bankpolitik

27.  Oie  Einschränkung  der  Goldansprüche  an  die  Notenbank  usw.  109
Diese  Einrichtungen  ersparen  Bargeld  und  zwar  je  nach  den  verkehrssitten
  entweder  Noten  und  Gold  oder  Noten  allein;  da  in  den
europäischen  Staaten  die  Bantdepositen  keine  gesetzliche  Golddeckung
benötigen  (die  Ausnahmen  in  Belgien  und  den  Niederlanden  gelten
nur  für  die  dortigen  Notenbanken)  so  ist  auch  dort,  wo  der  bankmäßige
Nassen-  und  Zahlungsverkehr  nur  die  Banknote  verdrängt,  Gold  erspart ­
  worden.  Aus  dieser  Erwägung  heraus  war  in  England  nach  der
Erlassung  der  Peelsakte,  welche  die  Notenemission  an  den  Goldvorrat
eng  anschloß,  der  bankmäßige  Zahlungsverkehr  von  der  Naufmannschaft
  begünstigt  worden  und  im  Deutschen  Reich  wurden  seit  1907,  als
sich  Sorgen  über  das  Zureichen  des  Goldbestandes  des  Neichsbank
geltend  machten,  die  bargeldersparenden  Zahlungsmethoden  von  der
Negierung  wie  von  Industrie  und  Naufmannschaft  mit  Energie  gefördert. ­

Diese  Bestrebungen  setzten  in  Deutschland  zu  einer  Zeit  ein,  in  der
in  England  die  Folgen  des  ausgedehnten  Ueberweisungsverkehrs—die
Niedrighaltung  des  Goldbestandes  im  Reiche  und  die  Gefahren  bei
wirtschaftlichen  und  politischen  Störungen  —  die  Aufmerksamkeit  auf
sich  zogen.  Die  erste  Frage  wird  im  Napitel  über  das  Verhältnis  der
Notenbanken  zu  den  Nreditbanken  erörtert  werden.  Die  zweite  Frage
hat  infolge  der  amerikanischen  Krise  von  1907  und  der  Veränderung
der  politischen  Lage  in  Europa  sehr  viel  Sorge  erregt.  All  diese
Einrichtungen  ersparen  Bargeld  nur  solange  sie  benützt  werden.  Bei
Minderung  des  Vertrauens  zu  den  Bankinstituten  kann  rasch,  so  wurde
oft  ausgeführt,  ein  großer  Ehesaurierungsbedarf  eintreten,  den  zu
befriedigen  die  Nreditbanken  nicht  in  der  Lage  sind.  Zn  vielen  Darstellungen ­
  wurden  die  Forderungen  auf  Geld,  welche  die  Einlagen
bei  Lanken  und  Sparkassen  darstellen,  in  ihrer  Gesamtsumme  dem  vorhandenen ­
  Zirkulationsgeld  gegenübergestellt  und  aus  dem  sehr  ungünstigen ­
  Verhältnis  weitgehende  Schlüsse  gezogen.
Indessen  sind  derartige  Gegenüberstellungen  ungenau  und  irreführend. ­
  Ein  erheblicher  Teil  der  bargeldersparenden  Zahlungsmethoden ­
  läßt  sich  auch  in  Nrisenzeiten  nicht  entbehren:  das  gilt  besonders
von  den  Zahlungen  von  Drt  zu  Ort;  im  lokalen  Zahlungsverkehr  ist
eine  Abhebung  der  „Nreditoren"  nicht  zu  befürchten  und  ein  namhafter ­
  Teil  der  Einlagen  von  kaufmännischen  Unternehmungen  verbleibt ­
  auch  im  ungünstigsten  Fall  bei  den  Banken,  da  jede  andre  Form
der  Nassen-  und  Zahlungsführung  weitreichende  Aenderungen  der
inneren  Organisation  der  Ivirtschaftsbetriebe  voraussetzen  würde.  Dagegen ­
  werden  in  unruhigen  Zeiten  leicht  Einlagen  des  mittleren  und
            
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