Full text : Bankpolitik

31.  Die  Wirksamkeit  der  Notenbanken  in  Krisen-  und  Nriegrzeiten.  136
bisher  nur  in  geringem  Matz  direkt  im  Ausland  arbeiteten.  In  Deutschland ­
  ist  in  jüngster  Zeit  ein  Bankenkartell  zustande  gekommen,  das
auch  den  Effektenkredit  in  den  Irreis  derlronditionsvereinbarungen  einbezogen ­
  hat.  Auf  einen  Teil  der  Geldgeber,  Seehandlung  und  Zentralgenossenschaftskasse, ­
  kann  die  Reichsbank  direkten  Linflutz  ausüben,  auf
die  Kreditbanken  indirekten,  da  zum  September-  und  Dezemberschlutz
fast  alle  aus  sie  angewiesen  sind.  Bei  geschickter  Notenbank!eitung  kann
es  gelingen,  die  besprochenen  künstlichen  Mittel  entbehrlich  zu  machen.
Ist  auch  die  Notenbank  nicht  dauernd  Herrin  des  Marktes,  so  ist  sie
es  —  auch  in  England  —  doch  zeitweise,  zu  bestimmten  Zahreszeiten
und  bei  stark  vorgeschrittener  Ronjunktur.  Man  kann  die  (Qualität
der  Leitung  einer  Notenbank  nach  der  Art  der  Ausnützung  solcher
Zeiten  beurteilen.
3J.  Die  Wirksamkeit  -er  Notenbanken  in  ttrisen-  und  Nriegszeiten.
Oie  Position  der  Notenbank  ist  in  ruhigen  Tagen  nicht  mehr  so
überragend  grotz  wie  vor  einem  Menschenalter  —  bei  starken  Erschütterungen ­
  der  Wirtschaft  ist  sie  aber  in  unserer  Zeit  stärker  als  je  zuvor.
Oie  Liquidität  der  übrigen  Kreditinstitute  stützt  sich  auf  die  Notenbank:
der  Rediskont  und  Lombard  bei  ihr  vermag  die  Mittel  zur  Auszahlung
der  Einlagen  zu  geben,  wenn  starke  Thesaurierungen  vorgenommen
werden.  Niemals  kann  Eigenliquidität  der  Kreditbanken  in  Zeiten
starker  Panik  ausreichen.  Selbst  wenn  die  Einlagen  zu  100%  durch
Wechsel  und  Lffektenkredite  gedeckt  sind,  wäre  eine  Zlüssigmachung
derselben  in  der  gleichen  Zeit  wie  die  Baraufschatzung  der  Einlagen  erfolgt, ­
  bei  starker  innerer  Beunruhigung  nur  durch  schwersten  Druck  auf
den  Effektenmarkt  und  gewaltsame  Einschnürung  der  wirtschaftlichen  Produktion ­
  möglich.  Wie  schon  an  anderer  Stelle  ausgeführt  wurde,  ist  der
einzelne  Wechsel  als  liquide  Bankanlage  anzusehen,  nicht  aber  das  Wechselportefeuille ­
  der  Banken  in  seiner  Gesamtheit.  Oie  Geltendmachung
der  Liquiditätserfordernisse  durch  Verkürzung  der  Wechseldiskontierung
in  einer  Zeit  starken  Bedarfs  nach  Betriebskredit  wirkt  weit  einschneidender ­
  als  eine  Klotze  Diskonterhöhung.  Wie  wir  sahen,  wurde  in
den  letzten  Jahrzehnten  eine  ganze  Rette  von  Matznahmen  ausgebildet,
um  die  Diskonterhöhung  der  Notenbank  nur  als  ultima  ratio  eintreten
zu  lassen,  von  der  unter  bestimmten  Voraussetzungen  eine  Zusammenpressung ­
  der  Produktion  befürchtet  wurde.  Bei  konsequentem  Vorgehen
mutzte  man  auch  nach  einer  andern  §orm  der  Liquidität  der  Rreditbanken
  sinnen  als  nach  der  Abstotzung  der  Wechsel.  Längst  schon  haben
            
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