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IX. Der Geldmarkt.
die Leistungsfähigkeit der Lank, sondern durch die Angst vor der Mög
lichkeit der Erreichung der Notenemissionsgrenze veranlaßt. Und heute
nach einem Menschenalter gesunder Leitung der großen europäischen
Notenbanken beunruhigt eine Verletzung der Oeckungsbestimmungen
ungleich weniger als die starre Zesthaltung an den gesetzlichen Grenzen.
Oie einzelnen lvirtschasten können sich valutarisches Geld so weit
ihnen dies die Zirkulation nicht zuführt, nur bei der Notenbank beschaffen,
und zwar entweder durch Abhebung vom Konto oder durch Diskon
tierung und Lombardierung. Seit sieben Jahrzehnten haben in Krisen-
zeiten Kreditbanken und Industrie die Oiskontierungspflicht der Noten
bank als Konsequenz des Notenmonopols erklärt, während die Leiter
der Zentralbanken diese Auffassung mit Entschiedenheit ablehnten. Aller
dings enthält kein Bankgesetz die Oiskontierungspflicht und es mag tak
tisch im Interesse vorsichtiger Zurückhaltung der Kreditbanken geboten
sein, das Sehlen dieser formellen Pflicht in Zeiten starker Spekulation
zu betonen. Aber die pflichten der Notenbank gegenüber der Volks
wirtschaft gehen über die Normen der Lankgesetze weit hinaus. Oie
Verweigerung der Abgabe von Zahlungsmitteln an das Ausland macht
die Schuldzahlung unmöglich und ist geeignet den internationalen Kredit
des Landes herabzusetzen und falls andere Zahlungsmittel nicht sofort
herbeigeschafft werden können, ein Agio herbeizuführen. Oie Verwei
gerung der Hergäbe von lvährungsgeld vor starken Zahlungstagen in
Hochkonjunktur- oder Panikzeiten führt eine Situation herbei, die her
kömmlicherweise als Geldkrise bezeichnet wird.
Man muß hier zwischen den wirklichen Ansichten der Notenbank-
leiter und den für die Öffentlichkeit bestimmten Aeußerungen unter
scheiden. Keine der Zentralbanken kann im Fall eines langdauernden
wichtigen Krieges bei gleichzeitiger Absperrung der Auslandsmärkte an
die Aufrechthaltung der für Sriedenszeiten geltenden Oeckungsbestim-
mungen denken, wenn sie alle Ansprüche nach Zirkulationsmitteln be
friedigen soll — und eine reiche Sülle von Erfahrungen zeigt die Un
bedenklichkeit der Suspension dieser Normen im Kriegsfall. Oie innere
Krise erfordert aber das gleiche Vorgehen. Zn der Literatur spielt die
Suspension der peelschen Bankakte eine große Nolle — meines Er
achtens mit Unrecht. Gerade die Verschiedenheit der Oeckungsvor-
schriften der einzelnen Notenbanken zeigt die relative Bedeutung dieser
Begrenzung. Oie Neichsbank soll ihre Deckung nicht unter 33%%
sinken lassen — aber wenn sie einmal vorübergehend auf 30% fallen
sollte, wäre das Unglück nicht eben groß. Sür die Beurteilung des
Auslands ist die absolute Höhe des Metallbestands und das ver-