Geneigte Ebenen. 483
Diolkos auf der Landenge von Korinth. Mit Vorliebe machten die Chinesen von den
sogenannten „Rollbrücken" Gebrauch. Ebenso wurden in Holland seit langer Zeit kleine
Boote auf schlüpfrigem Boden mittels Winden kleinere Erhebungen hinauf und hinunter
geführt. Im Anfange des neunzehnten Jahrhunderts vervollständigte Reynolds diese
Transportvorrichtung, indem er die Boote auf Wagen beförderte. Derselbe erbaute in
England einen Kanal mit einer geneigten Ebene von 22 m Gefälle. Bei den geneigten
Ebenen werden die Schiffe unmittelbar ans Wagen geladen oder in fahrbare Schleusen
kammern gebracht und mit Seilen oder Ketten aus einer Haltung in die andere be
fördert. Die Einrichtung ist meist so getroffen, daß zur Ersparung von Kraft gleichzeitig
ein Schiff bergauf und eins bergab befördert wird. Das Gewicht des abwärts rollenden
Wagens wird durch das Einlassen von Wasser in einen Behälter erhöht.
Geneigte Ebenen ohne bewegliche Kammern. Bei den älteren Anlagen
schließt der obere Kanal mit einer Kammer ab, in die Schiff und Wagen einfahren. Bei
den neueren Anlagen befindet sich zwischen den beiden Haltungen ein wehrartiger Rücken,
von dem aus je eine geneigte Ebene nach dem Oberwasser und dem Unterwasser führt.
Diese beiden Ebenen tragen eine bis unter den Wasserspiegel reichende Eisenbahn. Das
Aufbringen der Schiffe geschieht dadurch, daß man den Wagen auf der unter Wasser
fortgesetzten Bahn so weit hinabläßt, daß das Schiff schwimmend über ihn gelangen kann.
Durch Anziehen des Wagens setzt sich das Schiff allmählich auf ihn und wird fortgezogen.
Wenn es in die andere Haltung gelangt ist, so wird der Wagen so weit unter Wasser
gelassen, daß das Schiff schwimmen kann.
Die geneigten Ebenen ohne bewegliche Schleusenkammern haben den Nachteil, daß
die Schiffe während der Beförderung nur an einzelnen Punkten unterstützt sind, ferner,
daß dem Seitendrucke, deu die Ladung auf die Schiffswände ausübt, während der Über
führung aus einer Haltung in die andere der Wasserdruck nicht mehr entgegenwirkt, wes
halb der Seitendruck während der Dauer der Überführung eine schädlichere Wirkung
ausübt, als im schwimmenden Zustande des Schiffes. Um dem ersten Übelstande zu
begegnen, empfiehlt Bellingrath die Anwendung eines sechsundfünfzigrädrigen Wagens,
dessen Boden gegliedert ist und durch Preßkolben gestützt wird. Das Schiff schwimmt
hierbei nebst seiner Unterstützung, die sich dem Schiffsboden anschmiegt, auf einer stark
gepreßten Flüssigkeit.
Um die Wichtigkeit einer guten Unterstützung der Schiffe beim Herausnehmen aus
dem Wasser verstehen zu können, muß man bedenken, daß der Boden der Fluß- und
Kanalschiffe im Laufe des Betriebes eine wechselnde und unregelmäßige Gestalt annimmt,
weil er der verhältnismäßig geringen Schwimmtiefe wegen nicht wie bei den Seeschiffen mit
einem versteifenden Kiele versehen werden kann. Wenn das Schiff beladen wird, so biegt
es sich nach unten durch, weil der mittlere Teil des Schiffes schwerer wird, als die Enden,
wenn es aber entladen wird, so biegt es sich nach oben durch. Diese Beweglichkeit hat
natürlich eine Lockerung des Gefüges zur Folge, und so kommt es, daß die Durchbiegungen
mit dem Alter des Schiffes zunehmen und bei alten Schiffen bis zu 50 am betragen.
Der Körper eines Fluß- und Kanalschiffes ist also nicht starr und muß, namentlich beim
Herausnehmen ans dem Wasser, mit großer Vorsicht behandelt werden.
Hieraus geht hervor, wie zweckmäßig es sein muß, die Schiffe beim Überschreiten
schiefer Ebenen nicht aus dem Wasser zu nehmen, sondern in großen mit Wasser gefüllten
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