84
II. Der Geldmarkt.
zahlten Kapitalien bei den Banken zu bleiben, da die auf diese weise
ausgebrachten Summen in der Mehrzahl der Zölle nicht sofort vom
Schuldner benötigt werden. Mit Ausnahme der letzten Januar- und
Zebruarwoche — in der wie stets zu Monatsschlusz die per ultimo regu
lierten Geschäftszahlungen und die Börseengagements zu begleichen
sind — pflegen die beiden ersten Monate leichten Geldstand auf dem
offenen Markt zu zeigen. Der März bringt einen erheblichen Bedarf
für Dividenden- und Kuponzahlungen/ die für diesen Zweck bereit
gehaltenen dem Markt in den vorhergehenden Wochen zur Verfügung
gestellten Gelder werden zum Teil der kurzfristigen Geldmarktanlage
entzogen,- der Beginn des „Zrühjahrsgeschäfts" und der Campagne
in den Sommerproduktionen erfordert neuen Betriebskredit. Zn der
letzten Märzwoche ist ein starker Bedarf wegen der bedeutenden Guar-
talszahlungen — da ein großer Teil der städtischen Mieten und vielfach
auch Gehalte vierteljährlich gezahlt werden. Nach vierteljahrsschlutz
pflegt der Bedarf nach Geld wieder zurückzugehen, erreicht seinen Tief
punkt in der zweiten Hälfte des Mai und steigt dann langsam empor/
die letzte Zuniwoche bringt die chuartalsansprüche, die jedoch bei der
relativen Ruhe in Industrie und Handel leicht befriedigt werden können.
Juli und August haben gleichfalls (mit Ausnahme der letzten Mo
natstage) nicht hohe Inanspruchnahme, der Tiefpunkt wird gewöhnlich
in der dritten Augustwoche erreicht: Diese Monate sind die traditionelle
Urlaubszeit und erhebliche Beträge neu zufließenden Einkommens
strömen den Banken als Einlagen zu, da die Eigentümer erst nach ihrer
Rückkehr über die Beträge verfügen wollen. Zn der zweiten August-
hälfte setzt der Erntebedars ein, im September treten die Erfordernisse
für Betriebskredit bei einer Reihe von Industrien hinzu. Der chuartal-
zahlungstermin zu Ende September stellt dementsprechend außerordent
lich große Ansprüche an den Geldmarkt und an die Notenbank. Nach
Septemberende treten Rückflüsse ein, der Geldmarkt wird weniger stark
beansprucht, zu Novembermitte pflegt der Tiefpunkt der Ansprüche
im vierten (Quartal erreicht zu werden, dann nimmt der Bedarf wieder
langsam zu und schnellt in der letzten vezemberwoche rasch in die höhe,
in welcher zu den sonstigen chuartalszahlungen der Bilanzbedarf hinzutritt.
§ür den deutschen Geldmarkt charakteristisch ist die starke Bedeutung
der chuartalszahlungen, vor allem zu September-, ferner zu Dezember
ende/ in der Mitte der Quartale pflegt der Geldmarkt und der Status
der Notenbank relativ am günstigsten zu sein. Der offene Geldmarkt
wird nach den Quartalsschlüssen rascher flüssig als der Status der Reichs
bank.