Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Wohl alle Beurteiler, die sich mit dem Notstandsgebiete eingehend 
befassen, müssen zu der Überzeugung gelangen, daß es unbedingt mög- 
lich ist, die Lebensfähigkeit der Werke dauernd sicherzustellen, wenn 
bei den Selbstkostenfaktoren, die einer Einwirkung der Leitung der 
Betriebe mehr oder weniger entzogen sind, Maß und Ziel gehalten wird. 
Es sind dies 
1. die Löhne, 
2. die sozialen Lasten, 
3. die Eisenbahnfrachten, 
4. die Kraftkosten. 
Die Soziallasten sind durch die neue Gesetzgebung ohne Berück- 
sichtigung der Tatsache, daß im Eisenerzbergbau von einem Arbeiter 
nur ein relativ geringer Wert erzeugt werden kann, gleichmäßig als 
Kopfbelastung festgelegt und haben eine Höhe von 415 °/, der Vorkriegs- 
sätze erreicht. Sie verschlingen bei der Produktion unseres Gebietes 
'/. bis */, des Umsatzwertes der erzeugten Güter. Daß eine solche Be- 
lastung auf die Dauer unerträglich erscheint, kann nicht wundernehmen, 
and es muß — auf lange Sicht — erstrebt werden, durch eine differen- 
zierte Erhebung der Beiträge die Schlüsselindustrie zu entlasten. Der 
Anteil der Löhne einschließlich der Soziallasten an den Selbstkosten 
ist so hoch (57 bis 60), daß schon jede kleine von den Schlichtungs- 
stellen erzwungene Lohnerhöhung sich außerordentlich stark auf die 
Selbstkosten auswirkt, bei der Verflechtung mit dem Welterzmarkt aber 
aicht durch Preiserhöhungen ausgeglichen werden kann, ohne den Radius 
des Absatzgebietes erheblich zu verkleinern. 
Die Frachten mit ihrer Höhe von 120 bis 123 °/, der Vorkriegssätze 
wirken sich in demselben Sinne aus und bringen die Erzeugung des Ge- 
bietes ins Hintertreffen gegenüber den Auslandserzen, die großenteils 
auf dem Wasserwege hereinkommen und erhebliche tarifmäßige Ver- 
zünstigungen auf der Bahn genießen. 
Die Kraftkosten sind abhängig von der Festsetzung der Preise mehr 
der weniger monopolisierter Zentralen und bedürfen ebenfalls dringend 
ainer Ermäßigung. 
Wenn daneben einige wenige Werke mit größeren Verlusten ar- 
veiten, so liegt das daran, daß sich diese Gruben erst im Stadium des 
Aufschlusses befinden oder in ihrer maschinellen Ausstattung noch 
zurück sind. 
Das Niveau der Gestehungskosten ohne Verzinsung und Amortisa- 
tion liegt im großen Durchschnitt nur um eine ganz geringe Spanne 
anter den Verkaufspreisen. Es bedeutet dies, daß die Gruben fördern 
können, an eine Verzinsung der investierten Kapitalien aber nicht zu 
lenken ist und Substanz und Kapital langsam aufgezehrt werden. 
Wenn daneben einige Werke mit größeren Verlusten arbeiten, so 
liegt das daran, daß sich diese Gruben erst im Stadium des Aufschlusses 
befinden oder in ihrer maschinellen Ausstattung noch zurück sind. 
Die betreffenden Verwaltungen halten diese Gruben aus der Über- 
zeugung heraus, sie durch weiteren Ausbau noch auf das Durchschnitts- 
niveau heben zu können. 
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