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Die Wandlungen, welche in der römischen Armee der letzten Jahr-
hunderte eingetreten waren, sind gewissermaßen die Parallele zu
der wirtschaftlichen Neugestaltung. Wie jene immer mehr von den
„Barbaren“, vornehmlich germanischen Völkern, durchsetzt und er-
füllt war, so auch die römischen Provinzen. Die Ansiedelung von
laeti in Gallien während des 4. Jahrhunderts kann dafür als
Beispiel dienen. In Afrika klagt Bischof Synnesius von Cyrene, daß
bald kein Haushalt mehr gefunden werde, in dem nicht Goten oder
Skythen als Aufwärter oder Kellermeister u. 5. W. beschäftigt
seien!!!), Und wie die germanischen Heerführer wiederholt nach
der Kaiserkrone selbst griffen, vom Heere zur höchsten Gewalt im
Reiche erhoben, .so haben schließlich diese neuen Bevölkerungs-
massen, die jetzt die römischen Provinzen besiedelten und kulti-
vierten, hier auch ihre eigenen Reiche aufgerichtet, nachdem. die
römische Zentralgewalt allmählich verfallen und endlich Ende des
5. Jahrhunderts ohne Erschütterung eingeschlafen war*””).
spätantike und frühmittelalterliche Wirtschaft.“ 1928 (wiederabgedruckt in Ver-
fassungs- und Wirtschaftsgesch. d. MA. Gesam. Aufs. von A. Dopsch, 1928,
S. 219 ff.).
11) Vgl. mein Buch „Wirtschaftliche u. soziale Grundlagen der europäi-
‚hen Kulturentwicklung aus der Zeit von Cäsar bis auf Karl d. Gr.“, 2. Aufl.,
1923/24, 1, 103. ee
112) So Sundwall, Weström. Studien. 191$, S. 19.