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Verein für chemische Industrie in Mainz.
in die Kasse. Außerdem können sich Mitglieder mit 3600 M. bis 6000 M. Gehalt gegen Ein
zahlung von 3 % des 3600 M. übersteigenden Gehaltsanteils höhere Pensionen bis zu 3300 M.
sichern. Die Firma zahlt in diesem Fall den gleichen Zuschuß wie das Mitglied. Witwen
haben Anspruch auf die Hälfte, jedes Kind bis zum 18. Lebensjahr auf 5% der Pension
des Vaters.
Die Beiträge zur staatlichen Angestelltenversicherung trägt die Firma allein, dafür
werden die Zahlungen, welche kraft des Versicherungsgesetzes geleistet werden, auf die
Pensionen angerechnet.
Die Beamtenkasse der Firma besitzt bei einem Mitgliederbestand von etwa 70 Köpfen
ein eigenes Vermögen von rund 300 000 M., welches aus Ersparnissen, hauptsächlich aber
aus Extrazuschüssen der Firma gebildet wurde. Trotzdem die Einzahlungen in die Kasse
im gesamten höchstens 4 % ■— etwa 2 % von seiten der Angestellten, 2 % von seiten der
Firma — betragen, sind die Leistungen sehr erheblich höher, wie diejenigen der staat
lichen Angestelltenversicherung, welche ungefähr 8 % erhebt. Bisher haben die Einnahmen
noch immer die Ausgaben überstiegen; es ist aber wohl möglich, daß dies Verhältnis in den
nächsten Jahren, solange die staatliche Versicherung noch nichts leistet, bedeutend un
günstiger wird. Die Firma hat für diesen Fall die Deckung eines etwaigen Defizits gewähr
leistet, sofern mehr wie 5 % Dividende zur Ausschüttung gelangen.
Daß die Kassen tatsächlich arbeiten, beweisen folgende Zahlen.
Aus der Arbeiterpensionskasse (Arbeiterstand 1100) wurden an 150 und aus der Be
amtenpensionskasse (Beamtenzahl 74) an 11 Mitglieder Pensionen ausbezahlt.
Die Firma gibt alljährlich ihren Beamten und Arbeitern, nach Dienstalter und Kinder
zahl berechnet, ein Weihnachtsgeschenk im Gesamtbeträge von etwa 70 000 M.
Die Natur des Betriebes bringt es mit sich, daß die Firma ihre Werke nicht an einer
Stelle zusammenfassen kann, sondern eine ganze Anzahl Fabriken betreiben muß, die weit
von einander entfernt liegen. Gegenwärtig sind es in Deutschland n Einzelbetriebe. Die
Pensionskassen für Beamte, Gehilfen und Arbeiter sind gemeinsame Kassen für alle Fa
briken, dagegen sind die Kassen für Krankenversicherung und die Hilfskassen für jede
Fabrik getrennt; hierdurch wird bei den Arbeitern ein persönliches Interesse für die Sache
erweckt, und es ist möglich den besonderen ärztlichen Anforderungen Rechnung zu tragen.
ARBEITERWOHNUNGEN UND SCHLAFRÄUME. Die Bedürfnisse in Bezug auf
Wohnungen für Arbeiter sind bei den einzelnen Fabriken ganz verschieden. Auf den in
ländlichen Bezirken belegenen Fabriken sind die Arbeiter meist Besitzer von eigenen Häus
chen. Für die weitab Wohnenden sind Schlafräume in einzelnen Werken vorhanden, in
denen sie bei schlechtem Wetter nächtigen können.
Auf einer Fabrik (Laufach, Bayern) sind außerdem sieben Familien in Häusern unter
gebracht, welche der Firma gehören. Arbeiter, die bereits längere Zeit im Geschäft tätig
sind, erhalten dort die Wohnung unentgeltlich oder zahlen sehr geringe Mieten. Wo ein
Bedürfnis dafür vorhanden ist, bekommen Arbeiter, welche sich ein eigenes Haus erbauen
wollen, Vorschüsse zu geringem Zinsfuß.
In Mainz-Mombach, wo mehr städtische Verhältnisse obwalten, sind Arbeiterhäuser
für 50 Familien erbaut. Jede Wohnung hat 2—3 Zimmer und Zubehör und einen kleinen
Garten. Die Miete beträgt 9 M. bis 15 M. monatlich, was einer 4prozentigen Verzinsung der
Baukosten, ohne Anrechnung des Bodenwertes, entspricht. Von den rund 70 Beamten der
Firma haben die 44, welche auf den Fabriken wohnen müssen, freie Wohnung.
KLEINKINDERBEWAHRANSTALT. In Laufach (Bayern) hat die Firma 1892 auf
Anregung des Herrn Pfarrer Gerstenberger die Anlage einer Kleinkinderbewahranstalt
ermöglicht, welche für die Kinder der Fabrikarbeiter und auch sonstiger Mitglieder der
Gemeinde sehr segensreich wirkt.