Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Gebrüder  Barasch  in  Breslau.

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verlebt  haben.  Ein  Zeichen  einmal  dafür,  daß  die  fürsorgliche  Gesinnung  der  Arbeitgeber ­
  Anerkennung  fand  und  den  Behüteten  fester  an  die  Firma  kettete,  und  ein  Beweis ­
  dafür,  daß  man  sich  im  Erholungsheim  wohl  fühlte.
Durch  strenge  Durchführung  unserer  Hausgesetze  haben  wir  auch  bei  den  ängstlichsten ­
  Eltern  alle  Bedenken  gehoben,  die  sie  etwa  noch  zögern  ließen,  ihre  Töchter  unserem ­
  Heim  anzuvertrauen.  Als  natürliche  Konsequenz  des  Prinzips  ergab  sich  aber  auch,
daß  männliche  Angestellte  nur  insoweit  bei  uns  Aufnahme  finden,  als  sie  verheiratet  sind;
nur  müssen  sie  ihre  Frauen  und  haben  sie  das  Recht  auch  ihre  Kinder  mitzubringen,  die
dann  gleichfalls  unentgeltlich  mit  verpflegt  werden.  Schließlich  wurde  eine  gegenseitige
Kontrolle  dadurch  geschaffen,  daß  immer  zwei,  in  besonders  großen  Zimmern  sogar  drei
Mädchen,  zusammen  wohnen.  So  sind  uns  in  den  n  Jahren  des  Bestehens  Klagen  über
ungebührliches  Benehmen  nur  in  sehr  seltenen  Fällen  zu  Ohren  gekommen.
Für  die  Besucher  des  Erholungsheimes  war  natürlich  von  vornherein  das  Prinzip
der  Unentgeltlichkeit  festgelegt.  Es  ergab  sich  aber  auch  als  weitere  Forderung,  daß  das
Gehalt  den  Angestellten  ungeschmälert  auch  während  dieser  Urlaubszeit  ausbezahlt  werden
mußte,  unberührt  durch  die  Unentgeltlichkeit  der  Ferienerholung.  Ja  wir  glaubten  sogar,
noch  weiter  gehen  zu  müssen  und  den  Erholungssuchenden  auch  freie  Reise  zu  gewähren,
da  die  Angestellten  der  meist  recht  entfernt  liegenden  Filialen  durch  die  hohen  Reisekosten
verhindert  würden,  in  den  Genuß  der  Wohlfahrtseinrichtung  zu  treten.  So  hatten  wir  oft
allein  einen  Reisekostenetat  von  5—6000  M.  im  Jahre  zu  buchen.
Die  Anstalt  wurde  am  29.  Juli  1902  durch  einen  feierlichen  Festakt  in  Anwesenheit
zahlreicher  Ehrengäste  und  Lokalbehörden  eröffnet.  Wie  unser  Herr  Georg  Barasch  in

Süd-Terrasse.
            
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