Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Gustav Barthel, Spezialfabrik für Löt-, 
Heiz- und Kochapparate, Dresden-A. 19. 
Im Hinblick auf die zunächst noch beschränkte Arbeiterzahl erschien es nicht ratsam, 
Kapital auf indirekte Weise Fürsorgezwecken nutzbar zu machen. Man zog es vielmehr vor, 
denjenigen Arbeitern, die sich während einer angemessenen Zeit im Dienste bewährt hatten, 
URLAUB zu gewähren und ihnen in den Ferien den Lohn zu zahlen, den sie sonst 
während der Urlaubszeit verdient haben würden. Zur Bedingung war lediglich gemacht, 
daß der Betreffende 3 Jahre lang im Betriebe tätig war. 
GELDGESCHENKE. Mit dem Aufblühen des Unternehmens wurden dann nach 
und nach auch noch regelmäßige Geldgeschenke eingeführt, die die langjährigen Arbeiter 
immer weiter am Betriebe interessieren sollten und zur Folge hatten, daß die Firma Gustav 
Barthel heute über einen bedeutenden Stamm besteingerichteter, sehr leistungsfähiger 
Arbeiter verfügt, die sich in jahrelanger Tätigkeit weitgehende Kenntnisse und große Fertig 
keiten auf dem Spezialgebiete der Firma erworben haben. 
Gelegentlich eines umfangreichen Neubaues wurden auch ausreichende Aufenthalts 
räume für die Arbeiterschaft während der kürzeren Ruhepausen und ferner bequeme 
Waschgelegenheiten, Garderoberäume usw. eingerichtet. 
Jeder Arbeiter der Firma erhält: 
a) nach 3jähriger Tätigkeit alljährlich Ferien unter Vergütung des durch 
schnittlichen Wochenarbeitsverdienstes; 
b) nach 5 Jahren alljährlich nach der Inventur eine Jahresgratifikation im 
Betrage von mindestens 50 M. und 
c) nach iojähriger Tätigkeit ein einmaliges Geschenk im Werte von etwa 
100 M. 
Von den 200 Angestellten der Firma Gustav Barthel genießen etwa zwei Drittel eine 
oder mehrere der hier genannten Vergünstigungen. 
Diese Einrichtungen wurden vor etwa 15 Jahren ins Leben gerufen. 
Der für diese Vergütungen sowie zur Leistung von Notstands- und Krankheitsunter 
stützungen an die Arbeiterschaft erforderliche Betrag erscheint jedes Jahr in der Bilanz 
der Firma Gustav Barthel und ist in lebhaftem Anwachsen begriffen. Er bildet den Grund 
gedanken für den später zu schaffenden Pensions- und Unterstützungsfonds, der überdies 
die Möglichkeit bieten soll, einige laufende Geldunterstützungen zu bewilligen. 
Immerhin haben aber auch die gegenwärtigen Geldunterstützungen den beabsichtigten 
Zweck erreicht: sie haben bewirkt, daß die Arbeiter in erster Linie eine regelmäßige Er 
holungszeit genießen können, ohne ihre Ersparnisse angreifen zu müssen. Sie haben ihnen 
ferner gezeigt, daß ihr Arbeitgeber treue Dienste zu schätzen weiß und dieser Erkenntnis 
alljährlich Ausdruck zu verleihen bereit ist. 
Sie haben schließlich dem Arbeiter gelehrt, dauernd seine Stelle zu behaupten, denn 
es war ihm verständlich geworden, daß Geldspenden nur den Arbeitern gewährt werden 
konnten, die, durch jahrelange Tätigkeit geschult, wirklich mehr leisteten als neu hinzu 
gekommene. Und dieses erzieherische Moment hat seine guten Wirkungen nach beiden 
Seiten gezeigt: Arbeiter und Firma stehen sich gut dabei.
	        
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