Brauerei zum Felsenkeller bei Dresden,
Dresden-Plauen.
Die moderne Sozialpolitik, die sich der wirtschaftlich Schwachen mit besonderer Für
sorge annimmt, legt einem großen Industriebetrieb eine beträchtliche Anzahl gesetzlicher
und moralischer Verpflichtungen auf. Diesen Verpflichtungen möglichst gerecht zu werden
und für das Wohl der Beamten- und Arbeiterschaft nach Kräften zu sorgen, ist das Be
streben der Brauerei zum Felsenkeller, die, einschließlich der Malzfabrik in Pirna,
ein Beamten- und Arbeiterpersonal von rund 500 Personen beschäftigt. Zur Übung mög
lichst weitgehender Fürsorge sind nach und nach von der Gesellschaft verschiedene Wohl
fahrtseinrichtungen ins Leben gerufen worden.
UNTERSTÜTZUNGSFONDS. Durch Ansammlung eines Unterstützungsfonds, dem oft
reichliche Zuwendungen gemacht werden und der am Ende des Jahres 1912 eine Höhe
von ca. 445 270 M. erreicht hatte, sowie durch die Dr. Eduard Wolf-Stiftung in Höhe
von ca. 60 000 M. ist die Möglichkeit gegeben, dienstunfähig gewordenen Beamten und
Arbeitern, sowie auch deren Witwen und Waisen, einmalige oder auch laufende Unter
stützungen zu gewähren. Im Laufe der letzten 12 Jahre wurden aus dem Unterstützungs
fonds 236 480,18 M. für Hilfszwecke verausgabt.
In Krankheitsfällen wird für die dreitägige Karenzzeit der Ortskrankenkasse der
volle Tagelohn und für die übrige Zeit bis zur Dauer von 13 Wochen ein beträchtlicher
Zuschuß gewährt. Auch über diese Zeitdauer hinaus werden in besonderen Fällen Unter
stützungen bewilligt. Die Ausgaben für Krankenunterstützung betrugen in den letzten
12 Jahren 75 830,58 M.
Als eine besonders segensreiche Einrichtung erweist sich die Entsendung von all
jährlich ca. 50 Kindern der Arbeitnehmer in die Ferienkolonie auf Kosten der Gesell
schaft. In den letzten 12 Jahren wurden für diesen Zweck 23 095,64 M. an Verpflegungs
kosten verausgabt.
BEURLAUBUNGEN erfolgen jährlich an die Arbeiter bis zu 6 Tagen, an die Beamten
bis zu mehreren Wochen, unter Fortzahlung des Lohnes bzw. Gehaltes. Bei Einziehung
zu militärischen Übungen wird der Lohn 14 Tage lang fortbezahlt.
WEIHNACHTSGRATIFIKATION. Die Zuwendungen in Gestalt von Weihnachts
gratifikationen an die Beamten und Arbeiter sind alljährlich sehr beträchtliche; sie be
trugen in den letzten 12 Jahren 922 298 M. Auf diese Weise gewährt die Gesellschaft ihrem
Arbeitspersonal einen namhaften Anteil an dem Reinerträgnisse des Unternehmens.
SPARKASSE. Um zur Sparsamkeit anzuregen, wurde im Jahre 1896 eine Sparkasse
für das Personal der Brauerei errichtet. Die Spareinlagen, die am 30. September 1912
307756,66 M. betrugen, werden mit 4%% verzinst.
KANTINE. Besonders wohltätig wirkt auch die von der Brauerei unterhaltene Kan
tine, in der ein von der Gesellschaft bezahlter Verwalter mit geeignetem Hilfspersonale
Speisen zu mäßigen Preisen an die Arbeitnehmer verabreicht. Diese Kantine ist neuer
dings umgebaut und den neuzeitlichen Anforderungen entsprechend eingerichtet worden.
BADEANLAGEN. Die Gesundheitspflege anlangend, so stehen dem Arbeitspersonale
zwei größere Badeanlagen unentgeltlich zur Verfügung.
FEUERWEHR. Um Feuersgefahren sofort mit Nachdruck begegnen zu können,
unterhält die Brauerei eine aus 23 Mann bestehende eigene Wehr. Ausgerüstet mit den
neuesten Hilfsmitteln und bei guter Schulung, ist diese Brauereifeuerwehr, soweit möglich,
in der Lage, allen Gefahren wirksam entgegenzutreten.