Charakter und Entwicklung der „Deutschen Ehrentafel“.
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II. Charakter und Entwicklung der „Deutschen Ehrentafel“.
Wenn wir nach diesen allgemeinen einleitenden Bemerkungen an die sachliche Lösung
der uns in der Überschrift gestellten Aufgabe herantreten, so ist es uns von vornherein
klar, daß unser Unternehmen nur Stückwerk bleiben kann. Die Betätigungen in der freiwilligen
sozialen Fürsorge sind so verzweigter Art, daß man trotz der Zuhilfenahme der
gewaltig anschwellenden einschlägigen Literatur kein zusammenfassendes Bild über die
Ausdehnung und den in Ziffern ausdrückbaren Stand dieser Fürsorge gewinnen kann.
Wir beschränken uns daher auf den Versuch, nach einer Richtung hin etwas
Klarheit in diese Frage zu bringen. Schon vor 30 Jahren, also vor einem Menschenalter,
erschien es zeitgemäß und wünschenswert, nach und nach diejenigen verstreuten Angaben
zu fixieren, welche zusammengefaßt für den Ausdruck des guten Willens in der Arbeitgeberwelt
1 ) ihren Angestellten und Arbeitern durch freiwillige Zuwendungen eine
bessere Lebenshaltung zu sichern, einen Faktor bilden könnten. Diese Zusammenfassungen
erschienen erstmalig in Heft 1 des Jahrganges 1883 des „Arbeiterfreund“ unter der Überschrift
„Ehrentafel“, resp. später, wo sie sich ausschließlich auf die Grenzen des Deutschen Reiches
beschränkten, als „Deutsche Ehrentafel“.
Uber die für diese Ehrentafel gesteckten Grenzen und über die Entwicklung der Ehrentafel
möchten wir auf eine im Jahrhang 1906 des „Arbeiterfreund“, S. 23—34, abgedruckte
Abhandlung verweisen. Für die Beurteilung der vorliegenden Arbeit heben wir einige
Hauptpunkte aus dieser Abhandlung hervor:
Mit einem neuen Redaktionsprogramm wurde 1883 auch die „Ehrentafel“ im „Arbeiterfreund“
eingeführt. Die „Ehrentafel“ wollte hervorragende oder in der Methode nachahmenswerte
Aufwendungen und Vermächtnisse zum Besten der unbemittelten Volksklassen,
insbesondere der Arbeiter, registrieren und damit, den statutarischen Aufgaben
des „Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen“ entsprechend, anregend und anspornend
auf weitere Kreise wirken. Gleichzeitig sollte auch den opferwilligen und arbeiterfreundlichen
Spendern eine Ehrung, durch Nennung von Namen und Zweck der Einzelspenden
erwiesen werden. Diese „Ehrung“ war aber von vornherein eine intime, im wesentlichen
auf den Mitgliederkreis des „Zentralvereins“, also auf gleichgesinnte und im Erwerbsleben
gleichartig wirkende Personen beschränkt und konnte selbst von denjenigen Arbeiterfreunden
nicht mißgedeutet werden, welche keine Neigung haben ihre Zuwendungen für
Arbeiterwohlfahrt und gemeinnützige Zwecke öffentlich bekannt zu geben. Bis zum Jahre
1898, also während eines Zeitraumes von 15 Jahren, beschränkte sich die „Ehrentafel“ in
der Hauptsache auf die Aufzählung der der Redaktion des „Arbeiterfreund“ mitgeteilten
oder doch von dem Bearbeiter ohne besonderen Zeitaufwand ermittelten Zuwendungen.
Erst infolge einer Anregung des Vorstandes und Ausschusses des „Zentralvereins“ wurden
von 1899 ab die Ziele der „Ehrentafel“ weiter gesteckt. In dem Protokoll der betreffenden
Sitzung vom 7. Mai 1898 (siehe „Arbeiterfreund“ 1898, S. 256) heißt es u. a.: „Im Laufe
der Besprechung wurde noch als wünschenwert bezeichnet, daß die zerstreuten Nachrichten
über Schenkungen, Stiftungen, Vermächtnisse und sonstige Widmungen für Wohlfahrtsund
andere gemeinnützige Einrichtungen, wie sie z. B. im ,Arbeiterfreund' unter dem
Abschnitt ,Ehrentafel' erscheinen, periodisch zusammengestellt und die Zusammenstellungen
veröffentlicht werden, von der Ansicht ausgehend, daß erst durch eine Sammlung und Ordnung
dieser Mitteilungen eine Einsicht in den Umfang und die Bedeutung der auf Liberalität
*) Den Begriff „Arbeitgeber“ fassen wir in allen nachfolgenden Ausführungen im weiteren Sinne auf,
als den verantwortlichen Leiter von allen Unternehmungen in Industrie, Handel und Gewerbe.