Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Charakter  und  Entwicklung  der  „Deutschen  Ehrentafel“.

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amtliche  Erhebungen  wäre  es  aber  möglich,  insbesondere  hinsichtlich  der  freiwilligen
bzw.  außerhalb  der  gesetzlichen  Verpflichtung  liegenden  alljährlichen  Wohlfahrtsaufwendungen ­
  großer  privater  und  gesellschaftlicher  Industriefirmen,  der  Vereine,  Gemeindeverwaltungen ­
  usw.  noch  ergänzend  auf  die  Ergebnisse  der  „Deutschen  Ehrentafel“  einzuwirken. ­
  Endlich  ist  auf  den  Einwand,  daß  die  Leistungen  der  Aktiengesellschaften  für  die
Wohlfahrtspflege  ihrer  Angestellten  und  Arbeiter  selbstverständliche  seien,  zu  bemerken,
daß  zunächst  doch  für  die  „Ehrentafel“  nur  diejenigen  Zuwendungen  der  Aktiengesellschaften
berücksichtigt  worden  sind,  die  einen  unzweifelhaft  freiwilligen  und  außerordentlichen ­
  Charakter  tragen,  welche  also  neben  den  statutarisch  und  vertragsmäßig  gewährten,
in  der  „Ehrentafel“  unberücksichtigt  gebliebenen  Tantiemen,  Gratifikationen  und  Gewinnanteilen ­
  geleistet  worden  sind.  Dabei  soll  freilich  nicht  verhehlt  werden,  daß  diese  Zuwendungen, ­
  soweit  sie  „Fonds“  und  nicht  statutarisch  gesicherten  Pensionskassen  zufließen,
mehr  oder  minder  unverbraucht  geblieben  sind.  Doch  ist  hier  ausgleichend  zu  erwägen,
daß  von  (1905)  ca.  8000  in  Deutschland  bestehenden  Aktiengesellschaften  durchschnittlich
jährlich  nur  500  für  die  „Ehrentafel“  in  Betracht  zu  ziehende  Angaben  in  ihren  veröffentlichten ­
  Rechnungsabschlüssen  gemacht  haben.
Zu  vorstehenden  Bemerkungen  über  Entstehung,  Einrichtung  und  Entwicklung
der  „Ehrentafel“  wurde  der  Bearbeiter  Ende  1905  deshalb  veranlaßt,  weil  damals  im  Vorstand ­
  und  Ausschuß  des  „Zentralvereins“  eine  andere  Auffassung  über  die  Veröffentlichung
der  „Ehrentafel“  im  „Arbeiterfreund“  Platz  griff  und  weil  wegen  verschiedener  Bedenken
und  zur  Vermeidung  von  Mißdeutungen  das  Aufhören  der  „Ehrentafel“  im  „Arbeiterfreund“
beschlossen  wurde.  Besonders  maßgebend  war  dabei  auch  der  Umstand,  daß  die  vierteljährlich ­
  mitgeteilten  Details  der  „Ehrentafel“  einen  immer  größeren  Raum  beanspruchten
—  im  Jahre  1897  nur  10,  im  Jahre  1905  dagegen  60  Seiten!  —  und  daß  durch  diese  notwendig ­
  bedingte  Nebenerscheinung  eine  übermäßige  Beschränkung  für  wichtigere  Abhandlungen ­
  entstehen  mußte.  —
In  materieller  Hinsicht  möchte  hierzu  noch  bemerkt  werden,  daß  das  in  vorstehender
Weise  von  1898—1905,  also  für  einen  mit  ziemlich  gleichmäßigen  Unterlagen  und  in
gleichartiger  Weise  der  Bearbeitung  unterlegenen  Zeitraum  von  8  Jahren,  das  Gesamtergebnis ­
  des  für  die  „Deutsche  Ehrentafel“  von  nur  einem  Bearbeiter  zusammengebrachtem
Materials  sich  auf  über  y 2  Milliarde,  nämlich  auf  551  657  098  M.  belief!
Wenn  wir  nun  für  das  vorliegende  Jubiläumswerk  einen  Beitrag  zu  liefern  beauftragt
sind,  der  einigermaßen  einen  zahlenmäßigen  Ausdruck  für  die  Geneigtheit  der  deutschen
Arbeitgeber  in  der  Errichtung  von  Wohlfahrtseinrichtungen  gibt,  so  erscheint  es  vor  allem
nötig,  das  letzte  Jahr  1912  in  diese  Ermittlungen  mit  hineinzuziehen.  Für  diese  Feststellungen ­
  konnte  allerdings,  nach  Lage  der  Verhältnisse,  nur  ein  wenig  umfangreiches
Unterlagenmaterial  herangezogen  werden.  Für  das  Jahr  1912  wurden  dementsprechend  nur
650  Fälle  ermittelt,  während  beispielsweise  für  die  Zusammenstellungen  des  Jahres  1905
1492  Fälle  ermittelt  worden  waren.
Hiernach  sind  für  die  Bewertung  der  Ergebnisse  der  „Deutschen  Ehrentafel  1912“,
welche,  wie  eine  flüchtige  Durchsicht  des  in  Anlage  1  gebrachten  Quellennachweises  ergibt,
fast  ausschließlich  „Arbeitgeber“  im  angedeuteten  weiteren  Sinne  umfaßt,  folgende  Punkte
in  Berücksichtigung  zu  ziehen:
1.  Die  Feststellungen  von  Arbeitgebern  und  Privaten  beziehen  sich  nur  auf  Spenden
und  Vermächtnisse  für  Arbeiter-  und  Volkswohlfahrt  von  10  000  M.  an.  Bei  den  Ermittlungen ­
  der  vorauf  gehenden  Jahre  wurden  Beträge  bis  zu  1000  M.  herab  berücksichtigt.
Um  ein  ungefähres  Bild  zu  gewinnen,  welchen  Teil  vom  Gesamtergebnis  die  Beträge  unter
10  000  M.  ausmachen,  haben  wir  aus  den  Quellenangaben  für  das  Jahr  1905  ermittelt,  daß
diese  Beträge  für  das  gedachte  Jahr  912  090  M.  ausmachen.  Es  würde  also  der  Betrag
für  1912  um  etwa  1  Million  M.  sich  gesteigert  haben,  wenn  auch  die  Beträge  von  1000  bis
10  000  M.  Berücksichtigung  gefunden  hätten.
            
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