Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Hamburg-Amerika Linie, Hamburg. 
SOZIALPOLITISCHE ABTEILUNG. Zur Verwaltung und Förderung ihrer Wohl 
fahrtseinrichtungen für Beamtenschaft, Seeleute und Arbeiter hat die Hamburg-Amerika 
Linie eine eigene Betriebsabteilung unter Leitung eines ihrer stellvertretenden Direktoren 
als „Sozialpolitische Abteilung“ eingesetzt. Ihr liegt es ob, die teils vom Gesetz geforderten, 
teils freiwillig eingerichteten Versicherungskassen der Gesellschaft nach Maßgabe der be 
hördlichen oder satzungsmäßigen Vorschriften zu verwalten und auszubauen, darüber 
hinaus aber auch eine sozialpolitisch ersprießliche Tätigkeit durch Harmonisierung der 
Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- 
Interessen anzustreben. 
WOHLFAHRTSKASSEN. 
Über die Wohlfahrtskassen der 
Hamburg-Amerika Linie gibt 
nachstehende Tabelle die we 
sentlichsten Aufschlüsse. Es 
ist hinzuzufügen, daß die Be 
triebskrankenkasse und neuer 
dings auch die Pensionskasse 
nur insofern zur freiwilligen 
Wohlfahrtspflege gehören, als 
ihre Leistungen über das vom 
Gesetz verlangte Maß hinaus 
gehen. So übertrifft z. B. das 
Krankengeld den gesetzlichen 
Mindestsatz um io % ; die Kas 
senleistungen erstrecken sich 
auf die doppelte Zeit (52 Wo 
chen) , und als Sterbegeld wird 
das 35 fache (statt 20 fache) 
des maßgebenden Tagelohnes 
gezahlt. 
KRANKENFÜRSORGE 
FÜR DIE SCHIFFSMANN 
SCHAFT. Wenig bekannt ist, 
daß die Reedereien nach gelten 
dem Recht die Krankenfür 
sorge für die Schiffsmann 
schaft ihrer Seedampfer rein 
auf eigene Kosten auszuüben 
haben. Gesetzlich braucht aller 
dings nur Verpflegung und 
Heilbehandlung in einem Kran 
kenhause gewährt zu werden; doch ist die Hamburg-Amerika Linie dabei nicht stehen 
geblieben. Sie gewährt auch Heilstättenbehandlung und Rekonvaleszenzbeihilfen, ferner 
in vielen Fällen Hausbehandlung unter entsprechenden Barzahlungen und Unterstützungen 
für die Angehörigen erkrankter Schiffsleute bis zur doppelten Höhe des gesetzlichen An 
spruches. Die Kosten der Krankenfürsorge für Schiffsangestellte der Hamburg-Amerika 
Linie haben im Jahre 1911 über 300 000 M. betragen. 
FAMILIEN-FÜRSORGE. Die geschilderte finanzielle Fürsorge für Arbeiter- und 
Beamtenschaft hat die Hamburg-Amerika Linie seit Bestehen ihrer sozialpolitischen Abtei 
lung auf mancherlei Weise zu ergänzen und zu vertiefen gesucht. So durch das Engagement 
einer Beamtin, die bei Krankheit oder sonstigen Notfällen in den Familien auf See befind 
licher Schiffsleute nach dem Rechten sieht, oder durch die Einrichtung von Teeküchen 
im Hafenbetriebe, um dem Mißbrauch geistiger Getränke vorzubeugen. 
URLAUB MIT LOHN UND SONSTIGES. Auch die bis auf die Kaiarbeiter ausge 
dehnte Bewilligung von Urlaub unter Fortzahlung des Durchschnittslohnes, die Auszeich 
nung von Arbeitern und Angestellten durch Jubiläumsgaben nach 25jähriger Dienstzeit, 
die Veranstaltung von Weihnachtsbescherungen oder Schauspiel- und Opernvorstellungen 
in den großen hamburgischen Theatern gehört hierher.
	        
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