Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

190*

Eisenbahnsignal-Bauanstalt
Max  Jüdel  &  Co.,  A.-G.,  Braunschweig.

Das  im  Jahre  1871  begründete  Werk,  das  Ende  1912  270  Angestellte  und  1050  Arbeiter
beschäftigt,  will  durch  die  hierunter  aufgeführten  Einrichtungen  den  Werkangehörigen
und  ihren  Familien  solche  Lasten  abnehmen  oder  doch  erleichtern,  die  vom  Arbeitsertrag
des  einzelnen  nicht  bestritten  werden  können.
Hierzu  wurde  zunächst  —  Ende  der  siebziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  —  in
dem  damals  kaum  100  Personen  beschäftigenden  Werk  vom  Mitbegründer  und  Hauptinhaber ­
  Max  Jüdel  die
UNTERSTÜTZUNGSKASSE  geschaffen  mit  der  Bestimmung,  Arbeitern,  die  infolge
von  Krankheit  erwerbsunfähig  waren,  Unterstützungen  zu  gewähren.  Dazu  wurden  je
die  Hälfte  der  erforderlichen  Beiträge  vom  Werk  und  von  den  Kassenmitgliedern  geleistet,
ein  Verhältnis,  das  im  wesentlichen  auch  heute  noch  besteht.  Nach  Einführung  des  Reichsgesetzes ­
  über  die  Krankenversicherung  (1884)  führte  diese  Kasse,  neben  den  gesetzlichen
Krankenkassen,  die  Unterstützung  der  Arbeiter  und  unteren  Angestellten  weiter  und  nahm
außerdem  die  Fürsorge  für  deren  Familienangehörige  in  Erkrankungsfällen  mit  auf.  Die
Unterstützungskasse  vergütet  denjenigen  Mitgliedern,  die  keiner  Krankenkasse  angehören,
die  Auslagen  für  ärztliche  Behandlung  und  für  Heilmittel,  während  sie  den  anderweitig
Versicherten  in  Krankheitsfällen  eine  bestimmte  Geldentschädigung  gewährt.  Zurzeit
leistet  ein  Mitglied  für  sich  und  seine  Familie  ungefähr  28  M.  Jahresbeiträge.
Eine  wertvolle  Ergänzung  fand  die  Unterstützungskasse  im  Jahr  1898  durch  die
RÜPPELL-STIFTUNG,  zu  der  Geh.  Baurat  Rüppell,  ein  für  die  Entwicklung  des
deutschen  Eisenbahnsicherungswesens  erfolgreich  tätiger  Fachmann,  mit  1000  M.  den
Grundstock  legte.  Bis  Ende  1912  ist  das  Vermögen  der  Stiftung  durch  Zuwendungen  des
Werks  und  eines  seiner  Direktoren  auf  180  000  M.  angewachsen.  Die  Zinsen  werden  dazu
verwendet,  Angestellten  und  Arbeitern  aus  besonderen  Verlegenheiten  zu  helfen  und  sie
vor  Schulden  zu  bewahren.  So  ergänzt  die  Stiftung  bei  Bedarf  die  Leistungen  der  Unterstützungskasse; ­
  sie  erleichtert  die  Beschaffung  von  Wintervorräten  und  gewährt  Beihilfe
zur  Lehrlingsaussteuer.  Für  solche  und  ähnliche  Zwecke  zahlte  die  Stiftung  bis  Ende  1912
im  ganzen  in  2517  Einzelbeträgen  53  000  M.
Im  Jahre  1907  wurde  aus  Anlaß  des  tödlichen  Unfalls  des  Direktors  Dr.  Artur  Idell
von  dessen  Hinterbliebenen  die
DR.  IDELL-STIFTUNG  mit  20  000  M.  begründet,  deren  Stiftungsvermögen  inzwischen
durch  Zuwendungen  des  Werks  und  eines  seiner  Direktoren  auf  92  000  M.  angewachsen
ist.  Mit  den  Erträgnissen  der  Stiftung  werden  Unterbeamten  und  Arbeitern  Aufwendungen
für  ihre  Kinder  erleichtert;  besonders  soll  befähigten  jungen  Leuten  der  Besuch  technischer
Schulen  möglich  gemacht  werden.  Bis  Ende  1912  hat  diese  Stiftung  8200  M.  verteilt.
Zur  Unterstützung  von  nicht  mehr  erwerbsfähigen  Arbeitern  und  von  Arbeiterwitwen ­
  dient  die
            
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