Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Waffenfabrik  Mauser,  A.-G.,  Oberndorf
am  Neckar  (Württemberg).
Allgemein  bringen  es  die  Verhältnisse  in  der  Waffenindustrie  mit  sich,  daß  in  ihr  mehr
als  in  anderen  Fabrikbetrieben  Häufung  der  Arbeit  mit  ruhigen  Zeiten  wechselt,  daß  infolgedessen ­
  die  Zahl  der  beschäftigten  Arbeiter  große  Schwankungen  aufweist.  Große
Staatsaufträge  verlangen  meist  mit  Rücksicht  auf  den  Zweck:  schnelle  Neubewaffnung
einer  Armee,  kurze  Lieferzeit  und  damit  volle  Anspannung  des  Betriebes,  während  unmittelbar ­
  nach  ihrer  Erledigung  —  wenn  nicht  andere  Aufträge  vorliegen  —  aus  geschäftlichen ­
  Rücksichten  der  Betrieb  stark  eingeschränkt  werden  muß.  Hochbetrieb  und  Schwachbetrieb ­
  wechseln  daher  meist  mit  schroffen  Übergängen.  Dies  ergibt  ein  eigenartiges  Bild
in  der  Arbeiterbewegung,  ein  Zu-  und  Abströmen,  wie  es  aus  der  untenstehenden  graphischen ­
  Darstellung  ersichtlich  ist.
Bei  der  Waffenfabrik  Mauser  hat  sich  nun  durch  die  Notwendigkeit,  schnell  über  eine
Menge  geschulter  Arbeiter  verfügen,  von  diesen  aber  einen  großen  Teil  nach  Erledigung
des  Auftrages  wieder  entlassen  zu  müssen,  ein  eigenartiges  Verhältnis  zwischen  Arbeitgeber ­
  und  Arbeitnehmer  herausgebildet.  Dieses  ist  von  sozialer  Bedeutung  insofern,  als  es
die  scharfen  Forderungen  der  Industrie  mit  dem  Wohl  des  einzelnen  in  harmonische  Verbindung ­
  bringt  und  in  seinen  Wirkungen  denen  einer  ausgezeichneten
ARBEITSLOSENVERSICHERUNG,  also  eines  nicht  unwesentlichen  Teiles  der  Arbeiterfürsorge, ­
  gleichkommt.  Die  Arbeiterschaft  der  Fabrik  setzt  sich  aus  einem  Stamm  von
ständig  beschäftigten  Arbeitern  (etwa  1200  Köpfen)  und  einer  Art  von  Arbeiterreserve
zusammen,  die  zu  jenem  erforderlichenfalls  schnell  hinzutreten  kann.  Diese  Arbeiterreserve ­
  ist  (wie  auch  der  Stamm)  zum  Teil  in  Oberndorf  selbst,  zum  größeren  aber  in  der
näheren  Umgebung  ansässig.  Sie  geht  bei  Schwachbetrieb  ihren  gewöhnlichen  bürgerlichen ­
  Beschäftigungen  nach.  Zieht  man  militärische  Einrichtungen  zum  Vergleich  heran,
so  bildet  also  der  Stamm  von  Arbeitern  nebst  den  Meistern  und  den  Beamten  die  Offiziere,
Unteroffiziere  und  Kapitulanten  eines  Truppenteils,  während  der  andere  Teil,  zur  Reserve
entlassen,  jederzeit  seiner  Einberufung  gewärtig  ist.
Hierdurch  werden  für  den  größten  Teil  der  Arbeiter  die  sonst  empfindlich  wirkenden
Übergänge  zwischen  Arbeit  und  aufgezwungener  Ruhe  ausgeglichen.  Arbeitgeber  und
Arbeitnehmer  sind,  unabhängig  von  dem  Geschäftsgang  der  Fabrik,  zu  einem  Körper
verbunden,  und  dieser  Einrichtung  verdankt  die  Fabrik  zum  großen  Teil  ihren  patriarchalischen ­
  Charakter.  Solange  die  Fabrik  besteht,  hat  auch  niemals  eine  Arbeitseinstellung,
ein  Lohnstreik  oder  ähnliches  stattgefunden,  andererseits  hat  es  ihr  in  schwierigen  Zeiten
aber  auch  nie  an  Arbeitern  gemangelt.  Die  sich  hierin  äußernde  Zufriedenheit  der  Arbeiter
mit  dem  Arbeitgeber,  durch  die  das  beiderseitige  Interesse  nur  gefördert  wird,  hat  weiterhin
in  einer  ganzen  Anzahl  von  Wohlfahrts-  und  Fürsorgeeinrichtungen  eine  kräftige  Stütze
erhalten.  Zu  ihrer  Beurteilung  scheinen  einige  statistische  Angaben  unerläßlich.
Die  1872  gegründete  Waffenfabrik  besteht  aus  drei  in  sich  abgeschlossenen  und  örtlich
nicht  zusammenhängenden  Werken,  nämlich  dem  von  den  Brüdern  Mauser  1872  gebauten
„Oberen  Werk“,  der  1874  übernommenen  ehemaligen  Kgl.  Württ.  Gewehrfabrik,  dem
„Unteren  Werk“  und  dessen  1885  erfolgter  Erweiterung,  dem  „Äußeren  Werk“  (zusammen
24246  qm).  Bei  vollem  Betrieb  und  einer  Leistung  von  500  Gewehren  für  den  Tag  beschäftigen ­
  diese  Werke  insgesamt  33  Beamte,  58  Meister  und  ca.  2800  Arbeiter,  von
letzteren  beiden  das  Äußere  Werk  1100,  das  Untere  1100  und  das  Obere  600  Köpfe.
Greift  man  zur  Beurteilung  der  inneren  Verhältnisse  des  Arbeiterkörpers  der  Fabrik
das  Jahr  eines  Hochbetriebes:  1907  heraus,  so  wurden  in  diesem  außer  15  technischen
            
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