Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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Frank- 
reich. 
bemächtigte, sie sich patentieren ließ und den Fabrikbetrieb im Großen 
einrichtete. Kurze Zeit darauf wurde die Krempelmaschine erfunden, 
und 1757 stellte Samuel Crompton die Mule her, die eine Ver- 
bindung der Jenny mit der Waterframe bildete. 1790 wurde dann der 
wesentliche weitere Schritt gethan, den Dampf an Stelle der Wasser- 
kraft in den Dienst der Fabrik zu stellen, und damit war der GroB- 
betrieb inauguriert. 1785 trat er bei dem Maschinenbetrieb in der 
Weberei an die Seite der Spinnerei. Der Geistliche Cartright 
stellte 1785 einen durch Motorkraft bewegten mechanischen Webstuhl 
her, was 1790 zur ersten Dampfweberei führte, die zwar nicht gedieh, 
aber bald erfolgreichere Nachfolgerinnen erhielt; besonders nach der 
Verbesserung durch Thomas Johnsons Erfindung der Dressingframe, 
wodurch ein Kind zwei Webstühle bedienen konnte, 1818 gab es in 
Lancashire 14 mechanische Webereien mit 2000 Webstühlen, 1821 be- 
reits 32 Fabriken mit 5700 Webstühlen. 1830 gab es in England 
and Schottland noch eben so viele Handwebstühle, wie 1820, die Zahl 
der Maschinenwebstühle war aber in jenen 10 Jahren von 14000 auf 
55000 gestiegen. Von 1760—70 begann man die Steinkohle zum Aus- 
schmelzen des HEisens zu benutzen. Infolge dieser Entwickelung 
nahm vor allem der Kohlenbergbau, dann die Eisenindustrie einen 
rapiden Aufschwung. 
Unter diesen Verhältnissen schwanden die letzten inneren zünftle- 
rischen und sonstigen Schranken, auch bevor die Gesetzgebung sie be- 
seitigt hatte. Nur noch ein extremes Schutzzollsystem erhielt sich, 
welches erst in den vierziger Jahren gemäßigt, in den sechzigern be- 
seitigt werden sollte, 
Die Entwickelung der Großindustrie gewährte sofort den Unter- 
nehmern im großen Ganzen außerordentliche Reichtümer und zog 
massenhaft die ländliche Bevölkerung in die Städte, Eine Menge Grund- 
besitzer gaben ihren Grund und Boden auf, der mehr und mehr in der 
Hand der alten Aristokratie, sowie der neuen Geldaristokratie konzen- 
triert wurde. Die Arbeiterbevölkerung aber hatte zunächst keinen 
Vorteil von der allgemeinen Entwickelung; die Löhne blieben niedrig 
ınd verloren durch die Preissteigerung aller Lebensmittel erheblich an 
Kaufkraft, so daß die Ansprüche an die Armenkasse fortdauernd 
stiegen. Immer massenhafter wurden Kinder und Frauen in die Fabriken 
hineingezogen und in extremer Weise ausgebeutet. Auch hier trat erst 
un Umschwung in den dreißiger Jahren durch das Eingreifen der Ge- 
setzgebung und die Organisation der Arbeiter ein. 
Während so in dem britischen Reiche die Umgestaltung des Wirt- 
schaftslebens sich um die Wende des Jahrhunderts allmählich vollzog, 
and die Gesetzgebung, wie es England eigentümlich ist, soweit sie nicht 
mehr den Verhältnissen entsprach, einfach außer Anwendung gesetzt 
wurde, brach in Frankreich bekanntlich in dem letzten Dezennium des 
L8. Jahrhunderts die politische Revolution los, die zunächst einen nach- 
seiligen Einfluß auf die Volkswirtschaft ausüben mußte. Die gutsherr- 
lich-bäuerlichen Verhältnisse wurden (4. August 1789 und 15. März 1790) 
abenso wie alle zünftlerischen Rechte 2, März 1791 aufgehoben, nur 
für die letzteren wurde eine teilweise Entschädigung für die einge- 
bürgerten Kaufgelder der Zunftämter gewährt. Damit war die freie 
wirtschaftliche Bewegung hergestellt. Der Bauer konnte seine Kräfte 
ganz dem eigenen Lande widmen und über seinen Grund und Boden 
frei verfügen. Durch das freie, gleiche Erbrecht wurde aber die Zer-
	        
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