Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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8 95. 
Die wirtschaftlichen Verhältnisse am Ende des 18. und 
zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 
Ad. Held, Zwei Bücher zur sozialen Geschichte Englands. Leipzig 1880. 
Zwischen England und dem europäischen Kontinent ist in der in 
Betracht zu ziehenden Zeit ein gewaltiger Unterschied zu machen. In 
dem ersteren Lande hat der Grundherr niemals die unbeschränkte 
Macht über den Bauern gehabt, wie in Frankreich und Deutschland. 
Der König hat dort stets unmittelbar seine schützende Hand über dem 
Bauern gehalten und damit die Bedrückung verhindert, wie sie auf den 
Kontinent stattfand. Ebenso haben die Städte und Zünfte in England 
niemals die Unabhängigkeit gehabt, wie bei uns, sondern die letzteren 
sind stets der Krone konzessionspflichtig gewesen und haben auch des- 
halb niemals zu dem Zunftzwange ausarten können, wie das hier der 
Fall gewesen ist. Während des 18. Jahrhunderts verloren all- 
mählich die zünftlerischen Schranken auch für das Handwerk ihre 
Bedeutung, während neben dem. Handwerk in der zweiten Hälfte des 
Jahrhunderts Hausindustrie und Fabrikbetrieb eine überwiegende 
Stellung erlangten. Die Ausführungen Adam Smiths selbst, z. B. 
über die Arbeitsteilung in der Nadelfabrikation, zeigen, daß der 
maschinelle Betrieb schon erheblichen Umfang gewonnen hatte, und 
dieser war frei von allen Schranken. Aus Parlamentsberichten geht 
hervor, daß schon 1738 in der Leinwandindustrie sehr ausgedehnt 
Kinder und Weiber beschäftigt wurden. Ebenso 1768 in der Seiden- 
industrie, wo die Arbeiter in Coventrie, die Meister in London lebten, 
and schon Anfang des Jahrhunderts wurde die Seidenindustrie in ge- 
schlossenen Fabriken betrieben. In der Mitte des 18, Jahrhunderts lag 
der Schwerpunkt in der Hausindustrie, während der Handwerkshetrieb 
ganz zurückgedrängt war. . 
Seit Cromwells Navigationsakte hatte sich der internationale 
Handel außerordentlich gehoben, aber der Binnenverkehr war noch 
wesentlich erschwert. Im Beginne des 18, Jahrhunderts wurden die 
Warenversendungen zu Lande noch allgemein durch Packpferde bewirkt. 
Noch in der Mitte des Jahrhunderts brachte man auf diese Weise die 
Waren aus Sheffield. nach London; erst dann kamen die Wagentransporte 
auf; aber .im Winter waren in einiger Entfernung von London die 
Straßen meist unfahrbar. 1765 begann dann durch J. Metcalf der 
künstliche Wegebau, und zur selben Zeit wurden überall Kanäle durch- 
zeführt, während die Schiffbarmachung der Flüsse schon seit 1699 
größeren Umfang angenommen hatte. Das waren die Grundlagen, durch 
welche England in der Lage war, die Erfindungen der zweiten Hälfte 
des Jahrhunderts sofort in größerer Ausdehnung zu verwerten. In den 
sechziger Jahren begannen dann die großen Erfindungen. 1765 erfand 
der Spulmacher Highs die erste Jenny, welche 6 Spindeln zugleich 
in Thätigkeit setzte, bald darauf 25. 1767 verbesserte Hargraves 
die Jenny erheblich, während derselbe Highs die „Waterframe“ erfand, 
eine stärkere Maschine, die durch Wasser oder Dampf betrieben wurde 
und haltbares Kettengarn aus Baumwolle lieferte, während bisher nur 
Leinengarn als Ketten gebraucht wurde. Zugleich war damit die Pro- 
duktion im Großen in Fabriketablissements mittelst Motorkraft ange- 
nahnt, und der Barbier Arkwright war es, der sich der Erfindungen 
ANonrad. Grundrifs der nolit. Oekonomie. I. Teil. 4. Aufl. » 
England. 
Die Erfin- 
dungen.
	        
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