Ostdeutsche Maschinenfabrik, vorm. Rud. Wermke A.-G., Heiligenbeil (Ostpr.). 269*
WOHNUNGSFÜRSORGE. Die Wohnungen der meisten Arbeiter und Beamten be
finden sich in eigenen, im Besitz der Fabrik befindlichen und in der Nähe gelegenen Wohn
häusern. Diese ca. 90 eigenen Wohnungen sind besonders hoch und gut gebaut und be
stehen für die Arbeiter aus je 1 Küche, x großen zweifenstrigen Stube, Kammer, Keller
und Stallung, in letzterer können beliebig Schweine, Ziegen, Hühner usw. gehalten werden.
Zu jeder Wohnung gehört ferner ein kleiner Ziergarten mit Laube. Hierfür zahlt der Ar
beiter inkl. Wasserverbrauch aus der städtischen Leitung ca. 100 M. jährlich Miete. Un
mittelbar angrenzend an diese Wohnhäuser hat die Fabrik eigenes Land, welches sie den
Arbeitern als Kartoffelland abgibt, dieses Land wird von der Fabrik gedüngt und gepflügt
und auch für das Setzen der Kartoffeln werden Pferde gegeben. Das Kartoffelland wird
in Parzellen zu je 3 M. an die Arbeiter verpachtet. Außerdem ist durch Unterstützung
der Fabrik ein Wohnungsbauverein gegründet worden, von dem die Fabrik weitere Wohnungen
nebst großem Garten für jeden einzelnen Arbeiter gemietet hat und gibt die Fabrik diese
Wohnungen wesentlich unter Selbstkostenpreis zu einem ähnlichen billigen Satz wie die
eigenen Wohnungen an ihre Arbeiter ab.
EIGENE KRANKENKASSE. Für die Gesundheit der Arbeiter wirkt in erster
Linie die von der Fabrik gegründete eigene Krankenkasse, welche so weit über die ge
setzlich vorgeschriebenen Leistungen hinausgeht, daß sie mehr als freiwillige denn gesetz
liche Wohlfahrtseinrichtung angesehen werden muß. Während der Krankheit eines Kassen
mitgliedes oder eines seiner Familienmitglieder (einschl. Kinder unter 14 Jahren) gewährt
die Kasse außer dem Krankengeld für das Mitglied selbst freien Arzt und Medizin, freie
Behandlung im Krankenhaus und wenn erforderlich auch freie Konsultation und Be
handlung durch Spezialärzte, Zahnärzte usw., auch für die Familienmitglieder, ferner
Wöchnerinnenpflege usw. für die Frauen der Mitglieder. An Sterbegeld wird für den Ar
beiter das 20 fache des Durchschnittstagesverdienstes, für seine Frau % und für Kinder
unter 14 Jahren y 3 dieses Betrages, falls ein Todesfall eintritt, gezahlt.
BADEANSTALT. Ferner wird für die Gesundheit der Arbeiter durch eigene Fabriks
badeanstalt gesorgt, in der die Arbeiter jederzeit freie Wannen- und Duschebäder, und
auf ärztliche Verordnung freie elektrische Bäder erhalten können. Auch Familienange
hörigen stehen diese Wohlfahrtseinrichtungen zur Verfügung.
LEBENSUNTERHALT-ERLEICHTERUNG. Zur Erleichterung und angenehmen Ge
staltung des Lebensunterhaltes gibt die Firma an ihre Arbeiter Kohlen und Holz zum Engros-
Einkaufspreise in beliebigen Mengen ab.
SCHULGELD. Um den Leuten eine möglichst gute Erziehung ihrer Kinder zu er
möglichen, zahlt die Firma das Schulgeld für diejenigen Kinder, welche befähigt sind,
die städtische Mittelschule zu besuchen; dadurch ist den Kindern aller Fabrikangehörigen
Gelegenheit geboten, eine weit über die Volksschule hinausgehende Bildung zu erhalten.
Auch die für die Mittelschule erforderlichen Bücher und sonstigen Utensilien liefert die
Fabrik unentgeltlich. Zu Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen stellt die Firma ihren
Arbeitern auch unentgeltlich Kutschwagen, Pferde usw.
KONSUMVEREIN. Für die materielle Erleichterung ist ein Konsumverein vorhanden,
welcher in den Arbeiterwohnhäusern untergebracht ist und alle Lebensmittel zu besonders
billigen Preisen den Arbeitern und Beamten zugänglich macht. Dieser Konsumverein,
welcher von einem Ausschuß von Beamten und Arbeitern der Fabrik selbst verwaltet wird,
hat sich als eine außerordentlich nützliche Einrichtung erwiesen und zahlt derselbe jährlich
über 6—8000 M. Dividende an die Mitglieder zurück.
SPARKASSE. Um die Sparsamkeit zu fördern, hat die Firma eine eigene Arbeiter
und Beamtensparkasse gegründet, in der sie alle Spareinlagen mit 5 % jährlich verzinst,
jeden Betrag von 50 Pf. aufwärts annimmt und auf Wunsch jederzeit zurückzahlt. Diese
Einrichtung, welche erst seit etwa 8 Jahren besteht, hat heute einen Bestand von fast
200 000 M. und wird von Arbeitern und Beamten sehr gern benutzt.