Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

270*  Ostdeutsche  Maschinenfabrik,  vorm.  Rud.  Wermke  A.-G.,  Heiligenbeil  (Ostpr.)
UNTERSTÜTZUNGSKASSE.  Die  Unterstützung  und  Altersversorgung  geschieht ­
  durch  die  Unterstützungskasse,  welche  von  der  Firma  reichlich  dotiert  wird  und
ein  Vermögen  von  gegenwärtig  ca.  20000  M.  aufweist,  und  durch  ein  Prämiensystem
für  ältere  Arbeiter.  Die  Unterstützungskasse  zahlt  Unterstützungen  in  Krankheitsfällen
an  Mitglieder  oder  deren  Familienangehörige,  bei  unverschuldetem  Unglück,  als  dauernde
Unterstützungen  für  alte,  arbeitsunfähig  gewordene  Arbeiter  oder  dauernde  Unterstützung
an  Witwen,  falls  dieselben  unterstützungswürdig  und  bedürftig  sind.  Dieser  Kasse  wird  von
dem  Reingewinn  alljährlich  eine  erhebliche  Summe  überwiesen  und  soll  sich  dieselbe  allmählich ­
  zu  einer  Art  Pensionskasse  für  ältere  und  unterstützungsbedürftige  Arbeiter  ausbilden.
Jede  Witwe  eines  früheren  Arbeiters  der  Fabrik  erhält  ein  kleines  Weihnachtsgeschenk  von
10  M.,  so  lange  sie  sich  nicht  verheiratet  oder  fortzieht.  Außerdem  sorgt  die  Firma  so  gut  als
möglich  für  Arbeitsgelegenheit  für  kinderreiche  Witwen.  Dann  ist  das  schon  vorher  erwähnte
System  zur  Prämierung  älterer  Arbeiter  und  zur  Verteilung  von  Gratifikationen  aus  dem
Reingewinn  der  Fabrik  vorhanden,  und  zwar  rücken  die  Arbeiter,  nachdem  sie  5  Jahre  der
Fabrik  angehört  haben,  in  die  Reihe  der  Stammarbeiter  hinein  und  erhalten  zunächst  eine
PRÄMIE  von  25  M.  Danach  erhalten  sie  alljährlich  eine  aus  dem  Reingewinn  der
Firma  zu  überweisende
GRATIFIKATION  von  20  M.  bis  das  10.  Dienstjahr  vollendet  ist.  Dann  erhalten  sie  eine
Prämie  von  50  M.  und  eine  jährliche  Gratifikation  von  25  M.,  nach  dem  15.  Jahr  eine  Prämie
von  75  M.  und  eine  jährliche  Gratifikation  von  30  M.,  nach  20  jähriger  Dienstzeit  eine  Prämie
von  100  M.  und  eine  jährliche  Gratifikation  von  35  M.,  nach  25  Jahren  Dienst  eine  jährliche
Gratifikation  von  40  M.  Diese  Summen  werden  den  Arbeitern  nicht  ausgezahlt,  sondern  auf
ein  in  ihrem  Besitz  befindliches  gesperrtes  Sparkassenbuch  der  Arbeiter-  und  Beamtensparkasse
eingezahlt,  um  jedem  Arbeiter  bei  seinem  Abgang  aus  der  Fabrik  nach  langjähriger  Dienstzeit ­
  ein  recht  ansehnliches  Barvermögen  zu  verschaffen,  und  nur  mit  besonderer  Erlaubnis
der  Direktion  erfolgt  Auszahlung  vor  Austritt  aus  der  Fabrik  in  dringenden  Fällen  der  Not
oder  wenn  besondere  Aufwendungen  zur  Aussteuer  einer  Tochter  oder  dgl.  notwendig  sind.
SOMMERFEST.  Für  Vergnügen  und  Unterhaltung  sorgt  die  Fabrik  durch  ein
Sommerfest,  welches  alljährlich  an  einem  Wochentage  gefeiert  wird  in  Form  eines  Volksbelustigungsfestes, ­
  wobei  sämtliche  Arbeiter  und  Beamten  mit  Musik  und  Fahne  zum
Festplatz  hinausmarschieren  und  die  Fabrik  sämtliche  Kosten  des  Festes  trägt,  auch  für
Getränke,  sowie  für  Preise  bei  den  verschiedenen  Wettstreiten  sorgt  und  finden  hier  Männer,
Frauen  und  Kinder  vom  2.  Lebensjahre  an  ihre  sportliche  Betätigung.
GESANG-  UND  MUSIKVEREIN  werden  durch  Unterstützung  der  Fabrik  unterhalten, ­
  bei  denen  die  Arbeiter
unter  sachverständiger  Leitung
ihre  ev.  musikalische  Begabung
pflegen  können  und  es  auch  zu
recht  ansehnlichen  Leistungen
bringen.  Für  die  Übungen  und
für  Zusammenkünfte  der  Arbeiter
steht  die  freie  Benutzung  des  beleuchteten ­
  und  geheizten  Speisesaals ­
  zur  Verfügung.
Als  äußeres  Zeichen  der  Zusammengehörigkeit ­
  der  Arbeiterschaf ­
  t  hat  die  Fabrik  eine  besonders
schöne  Fahne  gestiftet,  welche
als  Motto  die  Aufschrift  trägt:
„Arbeit  und  Fleiß
Auszug  zum  Sommerfest.  ziert  Jüngling  und  Greis.“
            
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