284* Portland-Cement-Werke Heidelberg und Mannheim, A.-G., Heidelberg.
Zu jeder Wohnung gehört weiter ein eingezäuntes Gartenstück und ein Teil des hinter
den Häusern gelegenen Geländes, das für spätere Bebauung vorgesehen ist.
Die Mietpreise der Wohnungen betragen etwa zwei Drittel der ortsüblichen Miet
preise; das Vorhandensein von Garten und Ackerland in nächster Nähe der Wohnungen
erhöht aber ihren Wert. Der Mietzins für die 3 Zimmerwohnungen beträgt 170 M., der für
2 Zimmerwohnungen 120 M. jährlich. Für das Abvermieten an Schlafgänger erhalten
die Mieter gewöhnlich 4 M. im Monat; die Mansardenzimmer sind groß genug, um 2 Schlaf
gänger aufzunehmen.
Eine sehr wichtige Rolle spielt im Leben der schwäbischen Bevölkerung ein guter
Haustrunk, der Most. Um den Angestellten des Werkes die Herstellung dieses gesunden
Getränkes zu erleichtern, werden im Herbst jeden Jahres mehrere Eisenbahnwagen Äpfel
bezogen und ohne Preisaufschlag an die Arbeiter abgegeben. Es wurde ferner eine elek
trisch angetriebene Mühle zum Vermahlen des Obstes eingerichtet, dem dann mit Hilfe
einer starken Spindelpresse der später zur Vergärung kommende Saft entzogen wird.
Wie erwähnt, ist bei jeder Wohnung der geschilderten Häusergruppe eine Stallung
vorhanden, und es ist dadurch den Mietern Gelegenheit gegeben, Kleinvieh zu halten. Hier
ist es nun vor allem die Haltung von Ziegen, die seitens der Firma rege Unterstützung
findet.
Die Bereitstellung von Ziegenmilch für die Kinder der Arbeiter ist das geeignetste
Mittel, um diese dem frühzeitigen Genuß alkoholischer Getränke fern zu halten. Ver
suche, die in den Bezirken Maulbronn und Tuttlingen mit rehfarbigen Schwarzwaldziegen
angestellt sind, die von den Werken angekauft, gegen bequeme Teilzahlungen an die Ar
beiter abgegeben wurden, haben die besten Erfahrungen gezeitigt. Die Delegiertenver
sammlung württembergischer Ziegenschutzvereine hat einer Entschließung an alle Indu
striellen des Landes zugestimmt und gebeten, ihre Bestrebungen, die Ziegenzucht im Lande
zu fördern, mit Rücksicht auf den großen wirtschaftlichen Wert, den die Ziegenhaltung
gerade für die Arbeiterbevölkerung hat, nach Möglichkeit zu unterstützen. Neben der
Ziegenmilch ist es Kaffee, der, in einem großen Apparat hergestellt und kostenlos abge
geben, zu jeder Tages- und Nachtzeit von den Arbeitern gern genommen wird, namentlich
von den Ofenarbeitern und den Zementpackern, die trotz vorzüglicher Staubabsaugung
doch unvermeidlich vom Staub belästigt werden. Die Kantine liefert den Arbeitern um billiges
Geld kräftiges Essen und gibt auch zum Selbstkostenpreise Limonaden und Sodawasser
ab, für deren Erzeugung geeignete Apparate aufgestellt sind.
Die große Wohnungsnot nicht nur in dem kleinen, nur 250 Einwohner zählenden
Lochhausen, sondern auch in einem Umkreis von 6 8 km ergab die Notwendigkeit,
auch dort wenigstens für einige
Familien Wohnungen zu bauen.
Gleichzeitig wurde auch ein
Unterkunftshaus für 60 Schlaf
stellen samt Eßräumen errichtet.
Auch für das Werk in Offen-
bach wurden ähnliche Arbeiter
häuser wie in Nürtingen erstellt.
Die Fabrik Diedesheim-
Neckarelz weist neben einem
ganz in Grün eingebetteten Ver
waltungsgebäude ein geräumi
ges, im Landhausstil erbautes
schmuckes Haus mit Meister
wohnungen und eine Reihe von
Arbeiterhäusern mit geräumigen
Arbeiterhäuser in Offenbach.