Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

C.  A.  Preibisch  in  Reichenau  (Sachsen)
und  Dittersbach  (Böhmen).
Die  seit  dem  Jahre  1859  bestehende  Firma  C.  A.  Preibisch,  welche  in  Reichenau  in
Sachsen  und  Dittersbach  bei  Friedland  in  Böhmen  Fabriken  zur  Herstellung  von  halbwollenen ­
  Damen-  und  Herrenkleiderstoffen  besitzt,  hat  schon  frühzeitig  Einrichtungen
ins  Leben  gerufen,  die  dem  Wohle  ihrer  Arbeiter  und  Beamten  dienen,  aber  auch  solche
Stiftungen,  die  der  Allgemeinheit  zugute  kommen.
Von  den  nur  für  die  von  ihr  Beschäftigten  geschaffenen  Wohlfahrtseinrichtungen  ist
zuerst  die  schon  im  Jahre  1862  errichtete
KRANKENUNTERSTÜTZUNGSKASSE  zu  erwähnen.  Schon  lange  vor  Eintritt  der
staatlichen  Regelung  der  Krankenversicherung  hatte  sonach  die  Firma  dafür  gesorgt,  daß
ihren  Arbeitern  für  den  Krankheitsfall  eine  Unterstützung  gewährt  wurde,  die  sie  vor
drückender  Not  schützen  sollte.  Die  Kasse  bot  unentgeltliche  ärztliche  Hilfe  und  Arzneien,
sowie  eine  wöchentliche  Barentschädigung  bis  zur  Dauer  von  26  Wochen,  in  besonderen
Fällen  auch  länger,  und  schließlich  ein  Sterbegeld.  Diese  Einrichtung  bestand  bis  zum
Inkrafttreten  der  staatlichen  Krankenversicherung  am  1.  Dezember  1884.
Die  Firma  gewährte  damals  schon,  wie  auch  jetzt  noch,  auf  ärztliche  Verordnung,
erkrankten  Kassenmitgliedern  Milch-  und  Suppenmarken  aus  eigenen  Mitteln.
Zur  Pflege  der  Gesundheit  und  Reinlichkeit  erbaute  die  Firma  1864  für  ihre  Beamten
und  Arbeiter  eine
BADEANSTALT,  die  zunächst  nur  in  den  Sommermonaten  geöffnet  war,  aber  jetzt
so  eingerichtet  ist,  daß  sie  das  ganze  Jahr  hindurch  in  Betrieb  bleiben  kann.
Die  Einrichtung  des  Bades  wurde  dadurch  ermöglicht,  daß  die  Firma  im  Jahre  vorher
für  die  Versorgung  ihrer  Betriebe  eine  eigene
WASSERLEITUNG  hatte  erbauen  lassen,  durch  welche  auch  der  Wasserbedarf  eines
Teiles  des  Ortes,  der  bisher  nur  auf  Brunnen-  und  Bachwasser  angewiesen  war,  gedeckt  wurde.
Um  die  Eltern,  die  durch  die  Arbeit  in  der  Fabrik  vom  Hause  ferngehalten  sind,  in
der  Erziehung  ihrer  Kinder  zu  unterstützen,  wurde  schon  im  Jahre  1872  ein
KINDERGARTEN  gegründet,  dem  eine  Kindergärtnerin  mit  Gehilfin  vorsteht.  Die
Kinder  werden  bis  zum  12.  Jahre  aufgenommen;  die  jüngeren  werden  nach  Fröbelscher
Methode  beschäftigt,  und  die  älteren  finden  Beaufsichtigung  bei  der  Anfertigung  ihrer
Schularbeiten.  Es  sind  im  Durchschnitt  70—80  Kinder  untergebracht.
Zwecks  Beschaffung  hübscher  und  preiswerter  Wohnungen  für  seine  Beamten,  Meister
und  Arbeiter  erbaute  Kommerzienrat  C.  A.  Preibisch  1876  eine
WOHNUNGSKOLONIE,  deren  praktische  Einrichtung  vielfach  für  gleichartige  Unternehmungen ­
  als  Vorbild  gedient  hat.  Sie  umfaßt  10  Häuser  mit  36  Wohnungen  von  je  3
bis  7  Zimmern.  Jede  Partei  hat  eigene  Wasserleitung  und  elektrisches  Licht  aus  den
Anlagen  der  Firma  und  verfügt  außerdem  über  einen  kleinen  Garten.  Im  Laufe  der  Jahre
kaufte  die  Firma  noch  verschiedene  Häuser  im  Orte  an  und  richtete  sie  ebenfalls  zu
Wohnungen  für  ihre  Angestellten  her.
Hinter  der  Wohnhäuserkolonie  wurde  1883  zur  Erholung  für  deren  Bewohner  ein
            
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