Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Arnold  Schindler,  G.  m.  b.  H.,
Zigarrenfabrik,  Herbolzheim.
Die  Firma  wurde  im  Jahre  1854  gegründet  und  hat  sich  nach  und  nach  aus  ganz  kleinen
Anfängen  zu  einem  Betrieb,  der  ca.  3000  Arbeiter  und  Arbeiterinnen  beschäftigt,  entwickelt.
Diese  Industrie  war  zu  dieser  Zeit  noch  sehr  wenig  im  badischen  Oberland  vertreten
und  hat  sich,  da  sie  sich  der  Landwirtschaft  anzupassen  verstand,  zum  Segen  der  hiesigen
Bevölkerung  entwickelt.  Den  Arbeitern  ist  gestattet,  jederzeit,  wenn  es  viel  Feldarbeit  gibt,
von  der  Arbeit  in  der  Fabrik  weg  zu  bleiben,  so  daß  die  Landwirtschaft  dadurch  nicht  leidet.
Die  Gründer  waren  Arnold  Schindler  und  Philippine  Schindler  geb.  Behrle.  Deren
Söhne  Carl  und  Hugo  Schindler  brachten  dann  das  Geschäft  zu  hoher  Blüte.
Sie  waren  jederzeit  bereit  den  Arbeitern  zu  helfen  und  haben  viel  Gutes  getan,  das
jetzt  nicht  mehr  nachgewiesen  werden  kann.
KRANKENHAUS.  Der  Gemeinde  Herbolzheim  schenkten  sie  im  Jahre  1899  ein
Krankenhaus,  das  außer  den  Arbeitern  auch  den  anderen  Einwohnern  zugute  kommt.
Nach  deren  Tode  wurde  von  der  Familie  das  Geschäft  in  eine  G.  m.  b.  H.  umgewandelt.
Es  befinden  sich  heute  noch  sämtliche  Anrechte  in  Händen  von  Familienmitgliedern.
STIFTUNG.  Von  den  beiden  Witwen  Frau  Elise  und  Amelie  Schindler  wurde  im  Jahre
1904  eine  Stiftung  von  75  000  M.  zugunsten  der  Arbeiter  der  Firma  gemacht.  Das
Statut  lege  ich  hier  bei.
Statut.
§  x.  Das  Vermögen  der  Stiftung  besteht  aus  einem  Kapital  von
75  000  M.  Fünfundsiebzigtausend  Mark,
welches  bei  der  Firma  Arnold  Schindler  G.  m.  b.  H.  als  vierprozentiges  Darlehen  angelegt ­
  wird.  Die  Einnahmen  der  Stiftung  ergeben  sich:
1.  aus  den  Zinsen  des  Kapitals,
2.  aus  etwaigen  Zuwendungen.
§  2.  Der  Zweck  der  Stiftung  ist:
1.  in  erster  Linie  die  Arbeiter  der  Firma  Arnold  Schindler  G.  m.  b.  H.  und  deren  hinterlassene
  nächste  Angehörige  in  unverschuldeten  Notfällen  zu  unterstützen  z.  B.:
a)  in  Krankheitsfällen,  in  denen  das  von  der  Krankenkasse  gewährte  Krankengeld
nach  den  Verhältnissen  unzureichend  erscheint;
b)  in  Fällen,  in  denen  Arbeiter  durch  Krankheits-  oder  Todesfälle,  insbesondere  durch
den  Tod  des  Ehemannes  oder  der  Ehefrau  oder  durch  besondere  ungünstige  Verhältnisse, ­
  wie  große  Zahl  unmündiger  Kinder  und  dergleichen  unverschuldet  in
Not  geraten  sind.
2.  Um  allgemeine  Wohlfahrtseinrichtungen  z.  B.  Kinderbewahranstalten,  Koch-  und
Haushaltungsschulen  zu  fördern;
3.  Um  Prämien  an  Arbeiterinnen,  die  eine  Koch-  und  Haushaltungsschule  besuchen,
zu  gewähren.
Seither  sind  laut  Statuten  ca.  20  000  M.  an  die  Arbeiter  verteilt  worden.
Die  Firma  selbst  hat  in  den  letzten  10  Jahren  65000  M.  freiwilligen  Zuschuß
der  Fabrikkrankenkasse  gegeben,  sowie  einen  Pensionsfonds  für  Meister  und
Angestellte  angesammelt.  Die  Statuten  hierfür  werden  später  als  Ergänzung  zu  der  staatlichen ­
  Versicherung  aufgestellt  werden.
Ferner  wurden  für  die  Beamten  und  Meister  Wohnhäuser  im  Werte  von  ca.
80  000  M.  gebaut.
Die  Fabriksparkasse  gibt  unverzinsliche  Darlehen  bis  zum  Betrage  von  ca.  400  M.
Die  Spareinlagen  werden  mit  5  %  verzinst.
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