Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Felix  Heinr.  Schoeller,  Feinpapierfabrik,
Düren  im  Rheinland.
Die  Firma  Felix  Heinr.  Schoeller  wurde  im  Jahre  1857  durch  Kommerzienrat  Felix
Heinrich  Schoeller  als  Fabrik  zur  Herstellung  von  Post-,  Schreib-  und  Konzeptpapier  gegründet; ­
  heutige  Inhaber  sind  Kommerzienrat  Heinrich  Schoeller  seit  dem  Jahre  1870
und  sein  Sohn  Alfred  Schoeller  seit  dem  Jahre  1911.  Die  Erzeugnisse  erstrecken  sich  jetzt
auf  alle  Gebiete  der  Feinpapierfabrikation.
In  dem  Bestreben,  auf  sozialem  Gebiete  für  die  bei  der  Firma  beschäftigten  Arbeiter
und  Arbeiterinnen,  deren  Zahl  etwa  520  beträgt,  auch  über  die  gesetzlichen  Vorschriften
hinaus  zu  sorgen,  haben  die  Inhaber  im  Laufe  der  Jahre  eine  Reihe  von  Fürsorge-  und
Wohlfahrtseinrichtungen  geschaffen.
SPEISESÄLE,  AUS-  UND  ANKLEIDERÄUME.  So  wurden  in  der  Fabrik  für  die
Arbeiter  Speisesäle,  sowie  Aus-  und  Ankleideräume  eingerichtet;  ferner  hat  die  Firma
eine  große
BADEANSTALT,  in  der  Arbeitern  und  Arbeiterinnen  ohne  Entgelt  Gelegenheit  zum
Baden  geboten  ist,  erbaut.  In  dem  benachbarten  Orte  Birkesdorf  sind  in  dem  Bestreben,
den  Arbeitern  billige  und  gesunde  Wohnungen  zu  schaffen,  von  der  Firma  eine  Reihe  von
ARBEITERHÄUSERN  errichtet  worden;  die  älteren  Häuser  sind  im  Laufe  der  Jahre
durch  geringe,  den  Arbeitern  wenig  fühlbare  Abzüge  in  den  Besitz  der  Leute  übergegangen,
während  die  neueren  Häuser  gegen  niedrige  Mieten  den  Arbeitern  überlassen  sind.  Für
den  Bedarf  der  Arbeiter  an
LEBENSMITTELN,  KOHLEN  usw.  sorgt  eine  von  der  Firma  gemeinsam  mit  anderen
Firmen  ins  Leben  gerufene
KONSUMANSTALT  in  Birkesdorf.  Nach  25jähriger  Dienstzeit  erhalten  die  Arbeiter
neben  einem
DIPLOM  des  Vereins  Deutscher  Papierfabrikanten  in  geschmackvollem  Rahmen  ein
GELDGESCHENK;  es  konnten  bis  jetzt  135  Arbeiter  und  Arbeiterinnen  in  dieser  Weise
ausgezeichnet  werden.  Sieben  mehr  als  40  Jahre  bei  der  Firma  beschäftigte  Mädchen  und
Frauen  wurden  von  Ihrer  Majestät  der  Kaiserin  und  Königin  durch  Verleihung  der  goldenen
Brosche  geehrt;  ferner  wurde  einem  Meister  das  Kreuz  zum  „Allgemeinen  Ehrenzeichen“,
sowie  vier  Meistern  und  Maschinenführern  das  „Allgemeine  Ehrenzeichen“  von  Seiner
Majestät  dem  Kaiser  und  König  verliehen.
GEMEINDEHAUS.  Zum  bleibenden  Gedächtnis  an  ihre  Eltern,  Herrn  Kommerzienrat ­
  Felix  Heinrich  Schoeller  und  Frau  Maria  geb.  Schüll,  schenkten  die  Kinder  der  evangelischen ­
  Gemeinde  in  Düren  das  in  der  Moltkestraße  errichtete  Gemeindehaus  im  Werte
von  etwa  280  000—300  000  M.
HEINRICH-SCHOELLER-STIFTUNG.  Zum  Andenken  an  seine  silberne  Hochzeit,
sowie  aus  Anlaß  des  50  jährigen  Bestehens  der  Firma  hat  Kommerzienrat  Heinrich  Schoeller
zugunsten  der  Arbeiter  eine  mit  einem  Kapital  von  100  000  M.  ausgestattete  „Heinrich-Schoeller-Stiftung“
  errichtet,  deren  jährliche  Erträgnisse  im  Interesse  der  Arbeiter  und
Arbeiterinnen  in  solchen  Fällen  zu  verwenden  sind,  in  welchen  eine  Beihilfe  über  die  statutgemäße ­
  Zuwendung  der  Fabrikkrankenkasse  hinaus  angebracht  ist  oder,  außer  von  Krankheitsfällen, ­
  die  wirtschaftliche  Bedrängnis  von  braven,  hilfsbedürftigen  Arbeitern  eine
Unterstützung  angebracht  erscheinen  läßt.  Es  kann  auch  Unterstützung  solchen  Arbeitern
und  Arbeiterinnen  gewährt  werden,  die  arbeitsunfähig,  d.  h.  invalide  geworden  sind  und
mindestens  12  Jahre  bei  der  Firma  in  Arbeit  gestanden  haben.
            
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