Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Verein  Berliner  Kaufleute  und
Industrieller.

DIE  UNTERSTÜTZUNGSKASSE  des  Vereins  Berliner  Kaufleute  und  Industrieller
war  ursprünglich  als  Wohlfahrtseinrichtung  für  hilfsbedürftige  Kaufleute  und  Industrielle,
soweit  sie  Mitglieder  des  Vereins  waren,  gedacht.  Schon  nach  wenigen  Jahren  des  Bestehens
der  Kasse  wurde  jedoch  das  Statut  abgeändert  und  dem  Kuratorium  die  Befugnis  erteilt,
auch  Nichtmitglieder  aus  besonderen  Schenkungen  zu  unterstützen.  Durch  abermalige
Erweiterung  des  Statuts  wurde  dann  diese  Unterstützung  auch  auf  Witwen  und  Waisen
verstorbener  Mitglieder  ausgedehnt.
Die  Gewährung  von  Unterstützungen  ist  in  der  Regel  davon  abhängig,  daß  der  zu
Unterstützende  mindestens  2  Jahre  lang  Mitglied  des  Vereins  gewesen  ist;  die  Unterstützung
von  Witwen  und  Waisen  bedingt  eine  4  Jahre  lange  Mitgliedschaft  des  verstorbenen  Ehemannes ­
  oder  Vaters.  In  dringenden  Fällen  jedoch  kann  das  Kuratorium  mit  einer  Majorität
von  2 / 3  der  Abstimmenden  beschließen,  von  dieser  Bestimmung  abzusehen.  Die  zu  gewährenden ­
  Unterstützungen  können  bestehen  in  einmaligen  oder  laufenden  Unterstützungen  oder
in  zinslosen  Darlehen.
Die  Kasse  begann  am  8.  April  1891  ihre  Tätigkeit  mit  einem  Bestand  von  nur  2700  M.
und  schloß  im  ersten  Jahre  mit  einem  Vermögen  von  rund  13  000  M.  Dasselbe  erhöhte
sich  durch  Sammlungen,  durch  jährliche  und  einmalige  Beiträge,  durch  Veranstaltungen
von  Wohltätigkeitskonzerten  sowie  durch  größere  und  kleinere  Spenden  bis  zum  Jahre
1896  auf  rund  49  000  M.
Dank  der  eifrigen  Bemühungen  des  Kuratoriums  und  insbesondere  des  verewigten
Herrn  Geheimrat  Emil  Jacob  gelang  es,  weitere  Mittel  für  die  Kasse  zu  gewinnen  und  das
Vermögen  bis  zum  31.  Dezember  1912  auf  rund  250  000  M.  zu  steigern.
Seit  dem  Bestehen  der  Kasse  sind  über  1300  Unterstützungsgesuche  behandelt  worden.
In  den  letzten  5  Jahren  betrugen  die  gewährten  einmaligen  und  laufenden  Unterstützungen
zusammen  42  401  M.  und  die  in  diesem  Zeitraum  gewährten  Darlehen  26  285  M.,  zusammen
also  68  686  M.
KAISER  WILHELM  II.  UND  KAISERIN  AUGUSTE  VIKTORIA-STIFTUNG.
Die  „Kaiser  Wilhelm  II.  und  Kaiserin  Auguste  Viktoria-Stiftung  für  Waisen  Berliner
Kaufleute  und  Gewerbetreibender“  wurde  im  Jahre  1906  anläßlich  der  Feier  der  Silberhochzeit ­
  des  deutschen  Kaiserpaares  mit  einem  Fonds  von  140  000  M.,  der  von  1215  Vereinsmitgliedern, ­
  Geschäftshäusern,  Gewerbetreibenden  und  Vereinigungen  zusammengetragen
wurde,  begründet.  Aus  den  Zinsen  dieser  Stiftung  werden  Unterstützungen  und  Erziehungsgelder ­
  für  Waisen  solcher  Kaufleute  und  Gewerbetreibender  von  Groß-Berlin,  welche  selbständig ­
  gewesen  sind,  bewilligt.
Bis  zum  Ende  des  Jahres  1912  hatte  sich  die  Stiftung  mit  157  Gesuchen  zu  beschäftigen;
24  davon  mußten  abgelehnt  werden.  In  den  übrigen  133  Fällen  wurden  an  laufenden,  monatlich ­
  und  vierteljährlich  zahlbaren  Unterstützungen  30  235  M.  und  an  einmaligen  Unterstützungen ­
  1635  M.,  zusammen  31  870  M.  gewährt.
Durch  weitere  Zuwendungen  von  Gönnern  stieg  das  Vermögen  dieser  Stiftung  bis  Ende
Dezember  1912  auf  161  880  M.  ^
            
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