Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

36  Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.
in  Waldenburg  in  Schlesien“,  der  vorbildlich  wirkt  in  bezug  auf  Unterrichtsförderung
der  Arbeiterkinder,  Handfertigkeitsschulen,  Nähmaschinenvermittelung  (bisher  11040  Stück)
Ziegenzucht,  Kleingartenbau  usw.,  Verband  deutscher  Waren-  und  Kaufhäuser,
Sitz  Berlin,  Verband  Industrieller  in  Remscheid  usw.
Besondere  Beachtung  verdienen  auch  die  mehr  einen  allgemeinen  Charakter  tragenden
Fürsorgevereine  für  genesende  Ar  beiter,  wie  solche  z.B.  in  Leipzig,  Remscheid,  Posen,
Mannheim  (letzterer  für  Arbeiter  und  Angestellte  des  ganzen  Landes  Baden  wirkend,  mit  einem
jährlichen  Ausgabeetat  von  ca.  200000  M.),  Elberfeld  usw.  errichtet  sind.  Ferner  sind  zu  erwähnen ­
  eine  Anzahl  Lungenheilvereine  (mustergültige  sind  der  Chemnitzer  Verein
und  der  Verein  für  Gemeinwohl  in  Elberfeld).  In  der  Absicht,  mehr  das  wirtschaftliche
Wohl  der  Arbeiter  zu  fördern,  wirken  in  hervorragender  Weise  seit  ca.  70  Jahren  einige  größere
Vereine  in  verschiedenen  Gegenden  Deutschlands.  Wir  nennen  hier  nur  den  Verein  zur  Beförderung ­
  der  Arbeitsamkeit  in  Aachen  (der  beispielsweise  im  Jahre  1911  659  099  M.
für  Sparerprämien,  Kindergärten,  Bewahranstalten,  Handarbeitsunterricht,  Berufsfortbildung, ­
  Verteilung  von  Lebensmitteln  und  Feuerungsbeihilfen  an  die  handarbeitenden
Klassen  usw.  und  seit  seinem  Bestehen  von  1834  bis  1911  für  diese  Zwecke  28  632  540  M.  aufwendete), ­
  den  Altonaer  Unterstützungsverein,  den  Kieler  Verein  freiwilliger
Armenfreunde,  die  Bürgerrettungsinstitute  in  Frankfurt  a.  M.,  in  Berlin,  usw.
Wir  hielten  es  am  Schlüsse  der  Besprechung  der  Gruppe  15  für  angezeigt,  durch  vorstehende ­
  Bemerkungen  auf  die  Bedeutung  der  gemeinnützigen  Vereinstätigkeit
innerhalb  Deutschlands  für  die  Arbeiterwohlfahrt  hinzuweisen.  Viele  Tausende  dieser
Vereine  sind  von  Arbeitgebern  gegründet  worden  in  der  Absicht,  ihre  Arbeiter  an  den
Früchten  der  Vereinstätigkeit  partizipieren  zu  lassen.  Daher  werden  auch  viele  dieser  Vereine
von  Arbeitgebern  geleitet  oder  es  weisen  die  Vorstands-  und  Mitgliederlisten  oft  in  überwiegender ­
  Anzahl  die  Namen  von  Arbeitgebern  auf.  Es  hätte  demnach  mit  gutem  Recht  ein
großer  Teil  der  Aufwendungen  der  hervorragenden  gemeinnützigen  Vereine  Deutschlands  in
unsere  tabellarischen  Zusammenstellungen  mit  eingefügt  werden  können.  Daß  die  Beträge
für  Arbeiterwohlfahrt  durch  Vereine  sich  jährlich  auf  mehrere  Mill.  M.  belaufen,  ist  zweifellos.
Für  Gruppe  16
INNERE  MISSION,  sind  erst  vom  Jahre  1900  an  Beträge  ermittelt  worden,  die  für  die
13  Jahre  bis  1912  1771066  M.  ergeben.  Die  innere  Mission  kommt  namentlich  in  ihren
Bestrebungen  für  Kleinkinderbewahranstalten,  Wander  kochkurse,  Dienstbotenausbildung ­
  usw.  auch  der  arbeitenden  Bevölkerung  zugute.  Es  ist  anzunehmen,
daß  die  für  die  Zwecke  der  inneren  Mission  gemachten  Zuwendungen  und  Stiftungen  wesentlich ­
  höhere  sind,  zumal  man  nicht  verkennen  darf,  daß  früher  viele  Fürsorgegebiete  fast
allein  von  seiten  der  inneren  Mission  planmäßig  gefördert  wurden  und  daß  sie  zahlreiche
vorbildliche  Pflegestätten  geschaffen,  unterhalten  hat  und  noch  erhält.
Eine  lückenlose  Reihe  von  1883—1912  bietet  Gruppe  17,  die  für
ARMENPFLEGE  UND  WOHLTÄTIGKEIT  IM  ALLGEMEINEN  75  808  847  M.  aufweist. ­
  Für  das  Jahr  1912  wurden  7  810  822  M.  ermittelt.  Die  höchste  Zuwendungsziffer
wurde  für  das  Jahr  1902  mit  12  248  452  M.  quellenmäßig  nachgewiesen.  Es  ist  ja  ganz
klar,  daß  der  Hauptteil  der  Gesamtsumme  auf  die  unteren  und  untersten  Volksklassen,
namentlich  auf  Witwen  und  Waisen  und  auf  verwitwete  Arbeiter  mit  Kindern  entfällt.
Insbesondere  dürften  die  von  den  Stiftern  für  Wohltätigkeitszwecke  bestimmten  Beträge ­
  durchweg  als  eine  Ergänzung  der  Arbeiterwohlfahrtspflege  zu  betrachten  sein.  Alle
in  den  Quellen  auf  gefundenen  Beträge  ohne  engere  Zweckbestimmung  sind  der  Gruppe  17
zugewiesen  worden.
Die  Gruppe  18  führt  mit  einem  Gesamtbeträge  von  244  724  M.  die  für  14  Jahre  aufgefundenen ­
  Zuwendungen  zur
BEKÄMPFUNG  DER  TRUNKSUCHT  auf.  Für  das  Jahr  1912  wurden  37000  M.
ermittelt.  Da  in  der  Arbeiterwohlfahrtspflege  die  Zurückdrängung  des  Alkoholgenusses
            
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