Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.  35
berufen,  die  von  den  Werkvereinen  aufgestellten  friedlichen  Bestrebungen  zu  unterstützen
unter  taktvoller  Berücksichtigung  der  erzieherischen  Momente  und  des  Verhältnisses  des
Starken  zu  dem  Schwächeren.
Einen  festen  Boden  haben  anscheinend  die  Werkvereine  in  den  Vereinigten  Augsburg-Nürnberger
  Maschinenfabriken  in  Augsburg,  woselbst  1905  der  erste  deutsche
Werkverein  als  Gegenorganisation  gegen  die  freien  Gewerkschaften  begründet  wurde,  in
den  Siemens-Werken  in  Berlin  (1906),  in  den  Wolfschen  Lokomobilwerken  in
Magdeburg  (1907),  in  der  Sächsischen  Maschinenfabrik  vorm.  Richard  Hartmann ­
  in  Chemnitz,  in  der  Badischen  Anilin-  und  Sodafabrik,  Ludwigshafen  und
in  den  Kruppschen  Gußstahlwerken  in  Essen  gewonnen,  über  ihr  Programm  und
ihre  Entwicklung  informiert  eine  eigene  Zeitschrift:  „Der  Werkverein“.
Die  Werkvereine  verfolgen  ihre  wirtschaftlichen,  Bildungs-  und  Unterstützungszwecke
entweder  mittels  der  Beiträge  ihrer  Mitglieder  oder,  im  wohlverstandenen  beiderseitigen
Interesse,  mit  Unterstützung  der  Arbeitgeber.  Der  am  speziellen  Teile  beteiligte  Werkverein
Weise  und  Monski  in  Halle  a.  S.  wurde  am  14.  Februar  1911  begründet.  Seine  bisherige
Tätigkeit  betraf  erfolgreiche  Vermittlungen  in  Lohnfragen,  die  Begründung  einer  Hilfskasse, ­
  einer  Sparkasse,  Arrangements  von  Lichtbildervorträgen,  Unterhaltungsabenden
und  Familienfesten,  Begründung  einer  Jugendabteilung  mit  Sport-  und  Spielabteilungen,
einer  Ferienkolonie,  einer  musikalischen  Abteilung,  einer  Bibliothek,  von  Schrebergärten,
gemeinsamen  Bezug  von  Lebensmitteln,  Rechtsauskunft  usw.  Alle  Einrichtungen  nehmen,
bei  Zuwendung  von  Beiträgen  seitens  der  Firma,  eine  kraftvolle  und  segensreiche  Entwicklung. ­

Die  Badische  Anilin-  und  Sodafabrik,  Ludwigshafen  a.  Rh.,  hat  ihrem  Werkverein, ­
  der  4400  ordentliche  und  1460  außerordentliche  Mitglieder  aufweist,  für  800000  M.
ein  großes  Vereinshaus  erbaut,  das  neben  Wirtschaftslokalitäten,  Vortrags-  und  Sitzungsräumen ­
  eine  Bibliothek,  einen  großen  Festsaal  mit  Bühne  usw.  enthält.
Die  Firma  Buschbeck  und  Hebenstreit  in  Bischofswerda  hat  ihrem  Werkverein
die  Pachtung  der  Fabrikkantine  überlassen,  die  der  Vereinskasse  alljährlich  einen  schönen
Uberschuß  einbringt.
Die  Firma  J.  M.  Voith  in  Heidenheim  a.  Brenz  hat  für  ihren  am  1.  Januar  19x1
auf  Werkvereinsgrundlage  errichteten  „Verein  Voithscher  Arbeiter“  135  000  M.  gestiftet,
damit  die  älteren  Arbeiter  in  die  Arbeiter-Witwen-  und  Waisenkasse  dieses  Vereins  eingekauft ­
  werden  konnten.  Sie  zahlt  dem  Verein  weiter  regelmäßig  einen  Zuschuß  in  Höhe  der
von  den  Mitgliedern  geleisteten  Beiträge.
Die  Firma  Bleichert,  Drahtseilbahnenbau  in  Leipzig,  sichert  den  Mitgliedern
ihres  Werkvereins,  dem  über  zwei  Drittel  der  Gesamtarbeiterzahl  des  Werkes  angehört,  Urlaubszuschuß, ­
  besondere  Krankenunterstützungen,  Sterbegelder,  Konfirmandenbeihilfen,
Altersunterstützungen  von  250  M.  jährlich  nach  25  jähriger  Arbeitszeit  u.  a.  m.  zu.
Die  Adlerwerke  vorm.  H.  Kleyer  A.-G.  zu  Frankfurt  a.  M.  haben  nur  für  die
Mitglieder  ihres  Werkvereins  eine  Sparkasse  (5%  Verzinsung)  eingerichtet.  —  Die  Mechanische ­
  Weberei  am  Mühlbach,  Augsburg-Pferchsee,  bietet  gleichfalls  ihren  Werkvereinsmitgliedern ­
  besondere  Vergünstigungen.
Die  Vereinigten  Gummiwaren-Fabriken  in  Harburg  und  Wien  vorm.  Menier-J.
  N.  Reithoffer  stellen  „den  auf  nationalem  Boden  stehenden“  Arbeitern  ihrer  Firma  für
etwaig  beabsichtigte  Errichtung  eines  Wohnhauses  auf  einem  vom  Verein  der  Arbeitgeber
für  Harburg  und  Umgebung  erworbenen  Terrain  Baugelder  zu  sehr  billigem  Zinsfuß  zur
Verfügung.
Ähnlich  wie  der  soeben  genannte  „Verein  der  Arbeitgeber  für  Harburg  und  Umgebung“
wirken  noch  in  Deutschland  eine  große  Anzahl  Arbeitgebervereine  für  die  Wohlfahrt
der  Angestellten  und  Arbeiter  ihrer  Bezirke.  Wir  wollen  hier  der  Anregung  halber  nur  aufführen: ­
  „Verein  Anhaitischer  Arbeitgeber“,  Sitz  Dessau;  „Arbeiterwohlverein
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