Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Villeroy & Boch, Mettlach. 
399 
und einer Halle für die Wintervergnügen. In zugehörigen Räumen befindet sich eine 
Bibliothek, Bühne, Billard und zwei gedeckte heizbare Kegelbahnen. In dem Pavillon 
werden im Sommer alle 14 Tage von der Fabrikkapelle Konzerte abgehalten, die von den 
Arbeitern zahlreich besucht werden; hier halten auch die Beamten und Arbeitervereine 
ihre Versammlungen und Feste ab. Im Pavillon ist ferner eine Turnanstalt eingerichtet, 
wo ein an der Zentralturnanstalt in Berlin ausgebildeter Lehrer den Unterricht erteilt. 
Das jährlich abgehaltene Schauturnen zeigt, mit welchem Erfolg sich die jungen Leute 
diesen Übungen hingeben. 
Eine Schwimm- und Badeanstalt wird während des Sommers in der Saar aufgeschlagen, 
und von Angestellten der Firma wird hier Schwimmunterricht erteilt. 
Seit einigen Jahren sind außerdem in den beiden Mettlacher Fabriken, in Waller 
fangen, Dresden und Merzig Badeanstalten eingerichtet worden, in welchen Beamte und 
Arbeiter teils warme Vollbäder und teils Duschen nehmen können. 
Endlich seien an dieser Stelle noch die aus Arbeitern bestehenden Feuerwehren erwähnt, 
welche in allen auf dem Lande gelegenen Fabriken bestehen und sowohl zur Sicherung 
der Fabriken selbst als auch zur sofortigen Hilfeleistung bei etwaigen Bränden in den um 
liegenden Ortschaften dienen. 
ANERKENNUNG LANGJÄHRIGER DIENSTZEIT. Als ein erfreulicher Erfolg der 
von der Firma für ihre Angestellten und Arbeiter getroffenen Einrichtungen ist es anzusehen, 
daß diese, wenn in einer Fabrik angenommen, auch gerne darin verbleiben, und daß eine 
große Anzahl von Arbeiterfamilien schon seit mehreren Generationen bei der Firma tätig ist. 
Der Wert, welchen der hierdurch in jeder einzelnen Fabrik vorhandene Stamm von 
tüchtigen Arbeitern für die Stetigkeit des Betriebes hat, wird gern von der Firma anerkannt. 
So erhalten schon in jüngeren Jahren diejenigen Arbeiter, welche mindestens 10, und die 
jenigen Arbeiterinnen, welche mindestens 6 Jahre bei der Firma tätig waren, wenn sie 
heiraten, eine mit den Jahren steigende Prämie als Beitrag zu ihrer Ausstattung. 
Als dauerndes äußeres Zeichen der Anerkennung für langjährige treue Mitarbeit aber 
erteilt die Firma allen Beamten und Arbeitern beiderlei Geschlechts, welche 25 Jahre lang 
ununterbrochen bei ihr tätig gewesen, außer einem Geldgeschenk von 50 M. eine silberne 
Denkmünze und ein künstlerisch ausgestattetes Ehrendiplom. Sind 50 Jahre verflossen, 
so erhält der Jubilar mit dem Diplom eine goldene Denkmünze und ein Geldgeschenk von 
200 M., und es wird außerdem noch eine Fabrikfestlichkeit für ihn veranstaltet. 
Als im Jahre 1891 in allen Fabriken der Firma das fünfzigjährige Bestehen derselben 
gefeiert wurde, war ein Bestand von 400 Jubilaren vorhanden, welche auf eine Arbeitsdauer 
von mehr als 25 Jahren zurückblicken konnten. Seit jener Zeit hat sich die Zahl erhöht 
auf 2112 mit 25 jähriger und 35 mit 5ojähriger Dienstzeit — ein beredtes Zeugnis von dem 
guten Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern. 
Die Gesamtbeträge der Firma zu allen voraufgeführten Einrichtungen einschließlich 
des Beitrags zur Töpferei-Berufsgenossenschaft und zur Alters- und Invaliditätsversicherung 
der Arbeiter haben im Jahre 1912 
555 944 M. 95 Pf. 
betragen. — Hiervon sind 
218 831,65 M. gesetzliche Leistungen, 
337 113,30 »> freiwillige Leistungen gewesen. 
Trotz dieser großen Opfer, welche die Besitzer der Fabriken bringen, wird die Firma 
auch fernerhin bestrebt bleiben, auf diesem Wege fortzuschreiten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.