Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Villeroy  &  Boch,  Mettlach.

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und  einer  Halle  für  die  Wintervergnügen.  In  zugehörigen  Räumen  befindet  sich  eine
Bibliothek,  Bühne,  Billard  und  zwei  gedeckte  heizbare  Kegelbahnen.  In  dem  Pavillon
werden  im  Sommer  alle  14  Tage  von  der  Fabrikkapelle  Konzerte  abgehalten,  die  von  den
Arbeitern  zahlreich  besucht  werden;  hier  halten  auch  die  Beamten  und  Arbeitervereine
ihre  Versammlungen  und  Feste  ab.  Im  Pavillon  ist  ferner  eine  Turnanstalt  eingerichtet,
wo  ein  an  der  Zentralturnanstalt  in  Berlin  ausgebildeter  Lehrer  den  Unterricht  erteilt.
Das  jährlich  abgehaltene  Schauturnen  zeigt,  mit  welchem  Erfolg  sich  die  jungen  Leute
diesen  Übungen  hingeben.
Eine  Schwimm-  und  Badeanstalt  wird  während  des  Sommers  in  der  Saar  aufgeschlagen,
und  von  Angestellten  der  Firma  wird  hier  Schwimmunterricht  erteilt.
Seit  einigen  Jahren  sind  außerdem  in  den  beiden  Mettlacher  Fabriken,  in  Wallerfangen, ­
  Dresden  und  Merzig  Badeanstalten  eingerichtet  worden,  in  welchen  Beamte  und
Arbeiter  teils  warme  Vollbäder  und  teils  Duschen  nehmen  können.
Endlich  seien  an  dieser  Stelle  noch  die  aus  Arbeitern  bestehenden  Feuerwehren  erwähnt,
welche  in  allen  auf  dem  Lande  gelegenen  Fabriken  bestehen  und  sowohl  zur  Sicherung
der  Fabriken  selbst  als  auch  zur  sofortigen  Hilfeleistung  bei  etwaigen  Bränden  in  den  umliegenden ­
  Ortschaften  dienen.
ANERKENNUNG  LANGJÄHRIGER  DIENSTZEIT.  Als  ein  erfreulicher  Erfolg  der
von  der  Firma  für  ihre  Angestellten  und  Arbeiter  getroffenen  Einrichtungen  ist  es  anzusehen,
daß  diese,  wenn  in  einer  Fabrik  angenommen,  auch  gerne  darin  verbleiben,  und  daß  eine
große  Anzahl  von  Arbeiterfamilien  schon  seit  mehreren  Generationen  bei  der  Firma  tätig  ist.
Der  Wert,  welchen  der  hierdurch  in  jeder  einzelnen  Fabrik  vorhandene  Stamm  von
tüchtigen  Arbeitern  für  die  Stetigkeit  des  Betriebes  hat,  wird  gern  von  der  Firma  anerkannt.
So  erhalten  schon  in  jüngeren  Jahren  diejenigen  Arbeiter,  welche  mindestens  10,  und  diejenigen ­
  Arbeiterinnen,  welche  mindestens  6  Jahre  bei  der  Firma  tätig  waren,  wenn  sie
heiraten,  eine  mit  den  Jahren  steigende  Prämie  als  Beitrag  zu  ihrer  Ausstattung.
Als  dauerndes  äußeres  Zeichen  der  Anerkennung  für  langjährige  treue  Mitarbeit  aber
erteilt  die  Firma  allen  Beamten  und  Arbeitern  beiderlei  Geschlechts,  welche  25  Jahre  lang
ununterbrochen  bei  ihr  tätig  gewesen,  außer  einem  Geldgeschenk  von  50  M.  eine  silberne
Denkmünze  und  ein  künstlerisch  ausgestattetes  Ehrendiplom.  Sind  50  Jahre  verflossen,
so  erhält  der  Jubilar  mit  dem  Diplom  eine  goldene  Denkmünze  und  ein  Geldgeschenk  von
200  M.,  und  es  wird  außerdem  noch  eine  Fabrikfestlichkeit  für  ihn  veranstaltet.
Als  im  Jahre  1891  in  allen  Fabriken  der  Firma  das  fünfzigjährige  Bestehen  derselben
gefeiert  wurde,  war  ein  Bestand  von  400  Jubilaren  vorhanden,  welche  auf  eine  Arbeitsdauer
von  mehr  als  25  Jahren  zurückblicken  konnten.  Seit  jener  Zeit  hat  sich  die  Zahl  erhöht
auf  2112  mit  25  jähriger  und  35  mit  5ojähriger  Dienstzeit  —  ein  beredtes  Zeugnis  von  dem
guten  Einvernehmen  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitern.
Die  Gesamtbeträge  der  Firma  zu  allen  voraufgeführten  Einrichtungen  einschließlich
des  Beitrags  zur  Töpferei-Berufsgenossenschaft  und  zur  Alters-  und  Invaliditätsversicherung
der  Arbeiter  haben  im  Jahre  1912
555  944  M.  95  Pf.
betragen.  —  Hiervon  sind
218  831,65  M.  gesetzliche  Leistungen,
337  113,30  »>  freiwillige  Leistungen  gewesen.
Trotz  dieser  großen  Opfer,  welche  die  Besitzer  der  Fabriken  bringen,  wird  die  Firma
auch  fernerhin  bestrebt  bleiben,  auf  diesem  Wege  fortzuschreiten.
            
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