IV
Zum Geleit.
anderen Ländern, die nur teilweise und nach und nach auf diesem Wege folgten, die von
ihm zu zahlenden Beiträge eine Vorausbelastung im Kampf um den Weltmarkt darstellt.
Wäre der deutsche Arbeitgeber lediglich der nüchterne, rechnende Kaufmann, der den
Wert der Arbeiter nur nach ihrer Leistungsfähigkeit bemißt und sie darnach ablohnt,
dann würde er wohl auch jene Konsequenzen gezogen haben. Tatsächlich aber blüht
neben dieser gesetzlichen Sozialpolitik in Deutschland die private freiwillige Fürsorge
für Arbeiter und Angestellte in ungeahntem Maße. In der einleitenden Darstellung
unseres Werkes ist für einen längeren Zeitraum ausgeführt, in wie hohem Maße die
deutschen Arbeitgeber über das gesetzlich Vorgeschriebene hinaus sich haben angelegen
sein lassen, für ihre Arbeiter zu sorgen. Reiche Geldstiftungen, der Bau von Wohnungen
und Heimstätten, die Sorge für die Gesundheit der Arbeiter, vor allem für die Säuglings
pflege, der Wunsch, dem Arbeiter in den Zeiten des Ausruhens und der Erholung an
genehme Aufenthaltsräume zu schaffen, die Hergabe von Nahrungsmitteln zum Selbst
kostenpreise und darunter, das alles sind Erscheinungen dieser freiwilligen sozialen Hilfs
tätigkeit, die viel zu wenig bisher gewürdigt worden ist. Auf mehr als ioo Millionen
Mark belaufen sich die jährlichen neuen Stiftungen für derartige Zwecke und wenn man
das hinzufügt zu dem, was in der Vergangenheit geleistet worden ist, so sehen wir auch hier
eine bedeutsame Anspannung ethischen Wollens und finanzieller Leistungsfähigkeit.
Es kam dem Hansabund darauf an, auf diese freiwillige soziale Fürsorge anläßlich
des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs hinzuweisen. Einmal aus
dem Grunde, weil man daraus ersieht, daß die durch kaiserliche Initiative geschaffene
gesetzliche Sozialpolitik, die den Zwang zum sozialen Schaffen dem Arbeitgeber von Ge
setzes wegen auferlegt, ihn nicht, wie so oft in industrie- und gewerbefeindlichen Dar
stellungen gesagt wird, mit Haß und Abneigung gegen diese sozialen Gedanken erfüllt
hat, sondern im Gegenteil sein soziales Empfinden noch weiter angeregt hat, so daß neben
der gesetzlichen Fürsorge auch die freiwillige in hohem Maße gewährt und gefördert wurde.
Es ist notwendig dies hervorzuheben, nicht um den einzelnen zu loben, sondern um fest
zustellen, daß alle Hetzereien, Verkleinerungen und Nörgeleien der Sozialdemokratie gegen
über diesem freiwilligen sozialen Betätigungsdrang nicht vermocht haben, ihn zurückzu
dämmen. Wissen doch viele von denen, die solche Einrichtungen geschaffen haben, daß
sie kaum auf den Dank der Öffentlichkeit zu rechnen haben, sondern daß hämische An
griffe verblendeter Agitatoren oft das Echo derartiger Bestrebungen sind.
Weiter aber wollten wir durch die Darstellung dessen, was hier geschehen ist, darauf
hinweisen, in wie hohem Maße der Gedanke der Selbsthilfe sich in der Gegenwart noch
durchgesetzt hat gegenüber der zu weit getriebenen Anschauung, alles nur vom Staate
zu erwarten. Jeder einzelne Stand greift heute nach der Klinke der Gesetzgebung, ein ge
wisser Staatssozialismus durchzieht das ganze Denken der Gegenwart, die private Initiative
wird gering geachtet. Auch nach dieser Richtung hin zeigen die gewaltigen Ziffern des
hier von einzelner Seite Geleisteten, wie bedeutend dasjenige ist, was in dieser freiwilligen
Hilfe liegt und wie falsch es ist, eine solche private Initiative gering zu achten.
Neben den Einzelschilderungen derjenigen Firmen, die sich dankenswerterweise an
der Herstellung dieses Werkes mit beteiligt haben, verdanken wir die Darstellung dessen,
was in den letzten Jahrzehnten auf dem Gebiete privater Fürsorge geleistet worden ist,
der hingebenden Arbeit des Herrn Bibliothekar des Königlich Sächsischen Landesamtes
Peter Schmidt in Dresden, des langjährigen Herausgebers der „Deutschen Ehrentafel“,
der mit emsigem Fleiß alles gesammelt und zusammengestellt hat, was aus Mitteilungen
der von ihm benutzten Preßorgane sich an Stiftungen, Schenkungen und Einrichtungen
privater Fürsorge ergab, und so ein einzig dastehendes Werk über die private Wohltätigkeit
geschaffen hat. Herr Bibliothekar Schmidt hat die Güte gehabt, das ihm vom Hansabund
zur Verfügung gestellte Material für seine Einleitung zu verarbeiten, hat dieser Darstellung
aber auch weiter zugrunde gelegt die Erfolge seiner mehr als 30 jährigen Arbeit auf