Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Gerresheimer  Glashüttenwerke,  vorm.  Ferd.  Heye.

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große  Gelände  vor  dem  Bahnhof  wurde  mit  Bäumen ­
  bepflanzt.  Hier  liegt  auch  die  1902  errichtete
Badeanstalt,  in  der  Brausebäder  zu  5  Pfg.,
Wannenbäder  zu  15  Pfg.  abgegeben  werden.
Außerdem  werden  Dampfbäder  zu  50  Pfg.  und
Elektrische  Lichtbäder  zu  1  M.  verabfolgt.  Die
Preise  decken  bei  weitem  nicht  die  Selbstkosten.
DAS  FERDINANDHEIM.  Dieses  Stift  ist
1890—1891  von  Frau  Kommerzienrat  Pauline
Heye  in  Düsseldorf  mit  einem  Kostenaufwand
von  rund  einer  halben  Million  Mark  für  arbeitsunfähige ­
  Angehörige  der  Gerresheimer  Glashütte ­
  gebaut  und  eingerichtet  worden.  Im  Vestibül ­
  des  Hauses  ist  auf  einer  Marmortafel  der
Spruch  zu  lesen:
„Den  Müden,  die  des  Lebens  Last  getragen,
soll  es  eine  Heimat  sein.“
Die  freundlichen,  hellen  Wohnungen,  mit
Blumen,  Bildern  und  Sprüchen  geschmückt,
zeugen  von  dem  Lebensfrieden,  den  die  Insassen
hier  genießen.  Ein  verheirateter  Verwalter  hat
für  das  materielle  Wohl  der  Pfleglinge  zu
sorgen.  Geleitet  wird  das  Ganze  durch  ein  Kuratorium, ­
  an  dessen  Spitze  die  Stifterin  steht.
KONSUMANSTALT.  Die  hohen  Lebensmittelpreise  gaben  Veranlassung,  im  Jahre
1907  eine  Konsumanstalt  mit  2  Verkaufsstellen  zu  errichten.  Sie  hat  sich  gut  entwickelt
und  erzielt  einen  Umsatz  von  400  000  M.,  obgleich  bei  der  Leitung  der  Konsumanstalt
möglichst  die  Interessen  der  selbständigen,  ortsansässigen  Kleinhändler  berücksichtigt
werden.  Den  Käufern  konnte  bisher  eine  Durchschnittsdividende  von  8  %  ausgezahlt  werden.
Aus  den  gleichen  Gründen  wurde  im  Jahre  1912  eine  Bäckerei  mit  allen  modernen  Einrichtungen ­
  eröffnet,  die  gleichfalls  zur  vollsten  Zufriedenheit  arbeitet.
WEIHNACHTSGELDER.  Den  Glasmachern,  Schürern  und  Pflegern  wird  allmonatlich
eine  Prämie  gewährt,  die  sich  nach  den  Leistungen  des  einzelnen  richtet.  Diese  Prämien
werden  gesammelt  und  im  Dezember  an  die  in  Betracht  kommenden  Personen  ausgezahlt.
Der  in  diesem  Jahre  (1912)  zur  Auszahlung  gelangte  Betrag  belief  sich  auf  110000M.
SPARGELDER.  Für  die  Arbeiterinnen  der  Strohhülsen-  und  Verschlußfabrik  besteht
eine  Spareinrichtung,  und  zwar  wird  ihnen  neben  ihrem  Lohn  eine  Vergütung  von  10  %  bewilligt, ­
  die  für  jede  einzelne  Arbeiterin  bei  der  Städtischen  Sparkasse  angelegt  wird.  Die
Sparkassenbücher  sind  gesperrt,  bleiben  im  Verwahr  der  Firma  und  werden  nur  dann  zur
Erhebung  des  Spargeldes  ausgehändigt:
1.  wenn  die  Arbeiterin  das  25.  Lebensjahr  vollendet  hat;
2.  wenn  dieselbe  sich  vor  diesem  Zeitpunkt  verheiratet;
3.  bei  eintretenden  schweren  Krankheitsfällen,  wo  die  Arbeiterin  die  Arbeit  nicht
mehr  versehen  kann;
4.  bei  eintretendem  Todesfall  derselben  an  die  gesetzlichen  Erben.
ERFRISCHUNGEN.  Im  Interesse  der  Arbeiter  werden  im  Sommer  Kaffee  und  Tropfen,
die  das  Trinkwasser  schmackhafter  machen,  unentgeltlich  verabfolgt.  Außerdem  ist  warme
und  kalte  Milch,  y 2  Liter  zu  10  Pfg.  und  gutes  natürliches  Mineralwasser,  %  Flasche  zu
10  Pfg.  an  einem  Verkaufsstand  im  Werk  jederzeit  erhältlich.

-T

Bäckerei.
            
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